42 Prozent Armutsrisiko

München: Kinder von Alleinerziehenden von Armut bedroht

Fast in jedem zweiten Haushalt eines Münchner Alleinerziehenden sind Kinder und Jugendliche von Armut betroffen.

München - Das geht aus einer Antwort von Sozialreferentin Dorothee Schiwy auf eine entsprechende Anfrage der CSU-Fraktion hervor. Demnach liegt das Armutsrisiko in den genannten Haushalten bei 42 Prozent. Bei den Paar-Haushalten sind es 14 Prozent.

Nach einer Definition der Europäischen Union gilt als armutsgefährdet, wer über weniger als 60 Prozent des mittleren (medianen) Nettoeinkommens der Bevölkerung verfügt. In München betrug die Armutsschwelle 2016 somit für einen Einpersonenhaushalt 1350 Euro. Laut der Bundesagentur für Arbeit bezogen im Dezember 2017 in München etwa zehn Prozent (9407) der Kinder bis fünf Jahre Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch, also etwa Sozialhilfe oder Grundsicherungen. 

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Je mehr Kinder, desto häufiger im Leistungsbezug

Bei Kindern im Alter zwischen sechs und 14 Jahren waren es elf Prozent (12 113) und bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen (15 bis 24 Jahre) waren es sechs Prozent beziehungsweise 8744 Menschen. Von den im Dezember 2017 in München lebenden Paar-Haushalten mit Kindern bezogen über fünf Prozent (6285) soziale Leistungen der Stadt. Von den Alleinerziehenden waren es rund 27 Prozent (7309).

Das Sozialreferat kommt ferner zu dem Schluss: Je mehr Kinder eine Familie hat, desto häufiger ist sie im Leistungsbezug. Bei den Paar-Haushalten mit einem Kind unter 18 Jahren sind es über drei Prozent, bei Paaren mit drei und mehr Kindern bereits 15 Prozent. Bei Alleinerziehenden mit einem Kind lag der Anteil bei 22 Prozent, bei Alleinerziehenden mit drei und mehr Kindern bereits bei 60 Prozent. Es sei davon auszugehen, dass trotz Bezug dieser Leistungen das Armutsrisiko für Familien weiter besteht.

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Regelsatz für Sozialleistungen zu gering

Für eine Familie mit zwei Kindern (sechs bis 14) ergebe sich rechnerisch ein Bedarf an Sozialleistungen in Höhe von 1340 Euro zuzüglich Miete und Heizung. Selbst wenn man eine Miete in Höhe der Mietobergrenze von 1093 Euro hinzurechnet, liege das Familieneinkommen immer noch deutlich unter der Münchner Armutsschwelle von 2835 Euro für das Rechenbeispiel. Das Referat kommt zu dem Schluss, dass dies ein Beleg dafür ist, dass der Regelsatz der Sozialleistungen zu gering ist, und fordert eine Anhebung.

ska

Rubriklistenbild: © dpa / Ralf Hirschberger

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