Große Trauer

Münchner Kino-König tot - er starb ein Jahr nach seiner Tochter

Im Alter von 88 Jahren gestorben: Kino-König Bruno Reich ist tot.
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Im Alter von 88 Jahren gestorben: Kino-König Bruno Reich ist tot.

Bruno Reich ist tot. Der Münchner Kino-König folgte damit nach nur einem Jahr seiner Tochter.

  • Der Münchner Kino-König Bruno Reich ist gestorben.
  • Sein Rio besteht seit fast 60 Jahren.
  • Zuletzt sollte dort auch der früh verstorbene „Rosenheim-Cop“ Joseph Hannesschläger auftreten.

München - Ein Leben fürs Kino: Treffender kann man Bruno Reich, den Gründer des Rio Filmpalasts am Rosenheimer Platz, nicht beschreiben. Er war schon über 80, da stand Reich noch als Kartenabreißer an der Kinotür. Seine älteste Tochter Elisabeth Kuonen-Reich, die den Betrieb 1998 von ihren Eltern übernommen hatte, führte derweil die Geschäfte - sie sollte in die Fußstapfen des Rio-Gründers treten.

Dann der schwere Schicksalsschlag im vergangenen Jahr: Seine Tochter stirbt mit nur 58 Jahren. Jetzt ist ihr der Vater nach langer Krankheit gefolgt. Er wurde 88 Jahre alt.

München: Kino-König tot - Alles begann mit österreichischem Heimatfilm

Mit dem österreichischen Heimatfilm „Das Erbe von Björndal“ öffneten sich am 1. Dezember 1960 die Pforten des Programmkinos. Zuvor hatte Reich gerade seinen Filmvorführschein in Nürnberg gemacht. Von Anfang an wollte der Kino-König sein Rio als Familienbetrieb verstehen. Neben den drei Kindern der Reichs halfen später denn auch die Schwiegersöhne und Enkel mit.

Der überraschende Tod seiner Tochter Elisabeth 2019 warf den Vater und die ganze Familie komplett aus der Bahn. „Wir wünschen uns sehr, dass das Kino im Sinne von Vater und Tochter weitergeführt wird“, sagte  Kulturreferent Anton Biebl am Dienstag: „So können sich alle Kino-Fans am besten an sie erinnern.“

Kino-König tot: Rio als Festivalkino etabliert

In den 60er-Jahren gab noch 17 Kinos im Münchner Osten, heute kann man sie an einer Hand abzählen - mit den Museum-Lichtspielen und eben dem Rio. Die Familie Reich trotzte dem Kinosterben, der Digitalisierung. Mutig und mit viel Idealismus machten die Reichs immer weiter und etablierten das Rio als Festivalkino: Ob Filmfest oder der Besuch von erfolgreichen Regisseuren wie Caroline Link, Marcus H. Rosenmüller oder Dominik Graf - das Rio rollt regelmäßig den roten Teppich aus. Jüngst zum Beispiel bei der Filmpremiere der bayerischen Komödie Schmucklos. Diese sollte auch gleichzeitig der letzte öffentliche Auftritt von Joseph Hannesschläger († 57) werden, bevor der Schauspieler im Januar seiner Krebserkrankung erlag.

Weitergehen wird es mit dem Rio, so wie es Tradition ist: Es bleibt in der Hand der Familie - vom Sohn bis zum Ehemann von Elisabeth Kuonen-Reich. Auch Oberbürgermeister Dieter Reiter trauert um Bruno Reich: „Er war ein großer Filmliebhaber. Kino-Enthusiast und Netzwerker.“ München habe ihm viel zu verdanken. 2001 bekam Reich die Medaille München leuchtet.

Das Rio in der Rosenheimer Straße

Das Kino zu betreiben: Das hieß ab 1960, einen Saal mit 700 Plätzen zu bespielen, denn so groß war gebaut worden. Nach Renovierungen umfasst der große Saal 357 Sitzplätze, in den kleinen passen 108 Leute bei einer sechs Meter breiten Leinwand. Das Programm, mit dem die Reichs begannen, war für die damalige Zeit ungewöhnlich: Jeden Sonntag wurden Filme für die türkischen Gastarbeiter gezeigt, die in Scharen kamen. 

Heute besteht das Programm vor allem aus Filmen, die von hoher Qualität, aber nicht zu anspruchsvoll sind. Bisweilen laufen im Rio über zehn verschiedene Filme - ein breites Spektrum an deutschen und europäischen Streifen.

Auch in der Musik-Welt ist die Trauer nach dem Tod einer Rock-Größe immens. Die TV-Sender Sky und RTL trauern um einen TV-Moderator.

Tina Layes

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