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Zu wenig Erzieher in Kitas: Caritasverband alarmiert - „stehen vor Kollaps mit Ansage“

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Von: Sophia Oberhuber

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Kindertagespflegeeinrichtung "Mausekind & Hase"
Mit Blick auf Kindertagesstätten muss sich in Zukunft einiges ändern, so der Caritasverband. Die Politik sei an der Reihe, umfassende Maßnahmen zu ergreifen. © Jens Büttner

Massiver Personalmangel und Überarbeitung von Erziehern: Der Caritasverband der Erzdiözese in München und Freising schlägt Alarm und stellt mit Blick auf die Landtagswahl Forderungen an die Politik.

München - Kindern Bezugsperson sein, mit ihnen spielen, sie trösten. Vom Idealbild der Kinderbetreuung ist die Realität leider oft weit enfernt. Das jedenfalls stellten Vertreter der Caritas am Mittwoch in München fest. Sie sprachen von einer bevorstehenden Katastrophe: Von Menschen, die an der Grenze ihrer Belastbarkeit arbeiten. Und von politischen sowie gesellschaftlichen Versäumnissen. Die Caritas fordert daher von der Politik, Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel in Kitas zu ergreifen.

Caritas in München zu Kitas: „Mitarbeitende reiben sich auf, um Lücken zu füllen.“

„Wir stehen, wenn wir nicht gegensteuern, vor einem Kollaps mit Ansage“, so Hermann Sollfrank, Direktor des Caritasverbands der Erzdiözese München und Freising. Die Caritas in München und Oberbayern habe in den 75 eigenen Kitas derzeit mehr als 100 offene Stellen, keine Einrichtung arbeite mit voller Besetzung.

„Mitarbeitende reiben sich auf, um die Lücken zu füllen“, erklärte Gabriele Stark-Angermeier, Vorständin des Caritasverbandes. Das führe zu Überarbeitung und dazu, dass Kinder nicht optimal betreut werden könnten. „Lieber schließe ich eine Gruppe, bevor ich Mitarbeiter überlaste und es gefährlich für die Kinder wird.“

Gabriele Stark-Angermeier, Caritas PK zu Fachkräftsmangel an den Kitas
Unter anderem Gabriele Stark-Angermeier, Vorständin des Caritasverbandes der Erzdiözese in München und Freising, stellte ein Forderungspaket vor. © Oliver Bodmer

Gleichzeitig suchen Eltern händeringend nach einem Kita-Platz. 100 offene Kita-Stellen bei der Caritas bedeuten im Umkehrschluss etwa 1100 Kita-Plätze, die nicht angeboten werden können, so eine Caritas-Sprecherin. In den städtischen Kitas sind 11,4 Prozent der Erzieherstellen unbesetzt, bei den Ergänzungskräften 7,6 Prozent. Das teilte ein Sprecher des Referates für Bildung und Sport mit. Bereits jetzt gilt ein Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz. Ab 2025 kommt der Anspruch auf einen Ganztagesplatz für Grundschulkinder dazu. Der Personalmangel werde bleiben – oder sich noch verschlimmern.

Caritas stellt in München Kita-Forderungen an die Politik vor

Es gelte, gegenzusteuern: Mit Blick auf die Landtagswahlen fordert der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising daher umfassende Maßnahmen von der Politik. Im Fokus steht unter anderem, das Gehalt je nach regionalen Gegebenheiten zu erhöhen. Die Stadt München zahlt Erziehern ein Einstiegsgehalt von 3742 Euro, bei der Caritas liegt das Grundgehalt nach fünf Jahren bei 3302 Euro.

München: Erzieherin in Ausbildung macht sich Sorgen um ihre Zukunft

Sara Birzer befindet sich aktuell im dritten Jahr ihrer Ausbildung zur Erzieherin. „Es ist sehr schade, dass ich mir schon während meiner Ausbildung Gedanken machen muss, wie ich später in München über die Runden komme“, sagte Birzer. Deshalb überlege sie inzwischen, nach ihrer Ausbildung zur Erzieherin ein Studium zur Sozialpädagogin zu beginnen. Sie sagte: „Ich weiß aber, dass ich auf jeden Fall in dem Feld bleiben möchte.“

Sara Birzer, Caritas PK zu Fachkräftsmangel an den Kitas
Sara Birzer ist in München Erzieherin in Ausbildung. Sie wünscht sich unter anderem mehr Anerkennung für ihren Beruf. © Oliver Bodmer

Denn die Arbeit mit Kindern bereitet Birzer große Freude – wie so vielen ihrer Kolleginnen und Kollegen, die sich am Mittwoch zu den Forderungen der Caritas äußerten. „Es ist ein Beruf, der sehr viel zurückgibt“, so Birzer. Da seien die Kinder, die morgens auf sie zugerannt kommen und sich freuen, ihre Erzieherin zu sehen. Oder der Stolz, wenn man ein Kind bis zur Einschulung begleite.

Münchner Erzieherin fordert mehr Anerkennung für ihren Beruf

Trotzdem fehlt der Auszubildenden vor allem eines: mehr Anerkennung. „Wir haben mit dem Vorurteil zu kämpfen, dass wir den ganzen Tag nur rumsitzen und unser Beruf nicht anstrengend ist.“ Das genaue Gegenteil sei der Fall. Bereits während ihrer Ausbildung komme der 22-Jährigen eine Menge Verantwortung zu. Schließlich seien Kindertagesstätten für die Zukunft der Gesellschaft – die Kinder – zuständig. Die Vergütung müsse eben dieser Verantwortung entsprechen.

Caritasverband München: Nur umfassende Maßnahmen sichern die optimale Kinderbetreuung

Um die Existenz von Kitas langfristig sichern zu können, brauche es mehr Geld vom Staat, so der Caritasverband. Zudem sollten mehr Erzieher für dieselbe Zahl an Kindern zuständig sein, um optimal auf diese eingehen zu können. Außerdem fordert die Caritas unter anderem mehr Ausbildungsplätze. Nur tief greifende Maßnahmen sicherten die Betreuung.

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