Offener Brief an den Hauseigentümer

Innungs-Chef kämpft für den Klenze-Metzger

+
Georg Schlagbauer (rechts), Obermeister der Metzgerinnung München und Landesinnungsmeister, setzt sich mit einem offenen Brief für den Traditionsbetrieb von Thomas Schäfert (links) in der Klenzestraße ein

München - Das Aus für die Metzgerei Schäfert in der Klenzestraße ist beschlossene Sache. Jetzt aber setzt sich der Fleischerverband mit einem offenen Brief für den Klenze-Metzger ein!

Um die Wurst geht es hier bald nicht mehr: Das Aus für die Metzgerei Schäfert in der Klenzestraße ist beschlossene Sache – der Mietvertrag läuft aus, der Eigentümer will die Metzgerei loswerden (tz berichtete). Jetzt setzt sich auch der Fleischerverband mit einem offenen Brief für den Klenze-Metzger ein!

Nach 23 Jahren muss Thomas Schäfert (45) seinen Betrieb im Gärtnerplatzviertel dicht- machen. Der Hauseigentümer, die Sedlmayr Grund und Immobilien KGaA, verlängert den Mietvertrag nicht. Damit muss einer der letzten Metzger im Viertel schließen. „Mittlerweile gibt es doch bei jedem Edeka und Rewe frische Wurst“, wiegelte der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Jobst Kayser-Eichberg in der tz ab. Eine Aussage, die jetzt sogar den Fleischerverband Bayern auf den Plan rief: „Das ist ein Schlag ins Kontor der handwerklich arbeitenden Metzgerschaft, die jeden Tag frühmorgens in ihrer Produktion daran arbeitet, ihrer Kundschaft frischeste und authentische Qualität zu bieten“, schimpft Georg Schlagbauer, Landesinnungsmeister und Chef der Metzgerinnung München.

Zum 30. Juni müssen Thomas Schäfert, seine thailändische Frau Sompon (36) und Sohn Dominik (16) nicht nur den Laden räumen, sondern auch aus der dazugehörigen Drei-Zimmer-Wohnung im zweiten Stock ausziehen. Wie es mit der Familie weitergehen soll, ist unklar. „Wir sind verzweifelt auf der Suche nach etwas Neuem“, sagt Schäfert. Auch die vielen Stammkunden müssen sich nun eine neue Metzgerei suchen – sie kämpfen mit einer Unterschriftenliste im Laden und auf der Internetseite Facebook für den Erhalt des Betriebs.

Für Landesinnungsmeister und CSU-Stadtrat Schlagbauer ist die Entscheidung der Sedlmayr Grund und Immobilien KGaA unbegreiflich: „Als Hauseigentümer trägt man doch auch eine Verantwortung für das Viertel! Für viele Anwohner ist jetzt die Nahversorgung gefährdet.“ Er hat seiner Wut in einem offenen Brief an Dr. Jobst Kayser-Eichberg Luft gemacht und verlangt eine klare Stellungnahme: „Ich hoffe, er sieht ein, dass das nicht richtig war.“

Der Angeschriebene kündigte nun gegenüber der tz an, sich ebenfalls in einem Brief an den Fleischerverband zu wenden, um Missverständnisse auszuräumen. Gerüchte über eine geplante Luxussanierung in dem Gebäude wies er klar von sich.

Christina Meyer

Auch interessant

Meistgelesen

Kommentare