OP-Pfusch in Großhadern

Ärzte ließen ein Tuch in ihrem Bauch - Prozess

Waldtraud K.: Im Klinikum Großhadern vergaßen die Operateure ein Tuch in ihrem Bauch

München - Es war der Horror schlechthin. Was muss diese Frau alles aushalten? Waltraud K. (63) aus Cham sollte im Klinikum Großhadern ein Magentumor entfernt werden. Das OP-Team vergaß dabei ein Tuch im Bauch!

 Die Blumenhändlerin hatte Höllen-Schmerzen, die Heilung schreitet nicht voran. Doch das Klinikum will sie mit 6500 Euro Schmerzensgeld abspeisen!

Waltraud K.s Tapferkeit ist bewundernswert. Die Oberpfälzerin trotz ihrem Schicksal: „Ich lebe schon elf Jahre mit meinem Krebs, ich werden es auch noch einige Jahre weiter tun.“ Vor so viel Lebensmut muss man den Hut ziehen. Doch was das Klinikum Großhadern ihr als Ausgleich für seinen unglaublichen Operationsfehler anbietet, ist alles andere als respektvoll. Läppische 6500 Euro!

Im Dezember 2007 wurde Waltraud K. der Tumor entfernt. Für den operierenden Großhadener Professor ein Routine-Eingriff. Doch die Schmerzen, die man nach einer Operation immer hat, wollten einfach nicht aufhören. „Ich hatte eine Pumpe mit Schmerzmitteln am Bett, die ich ständig betätigen musste“, so Waltraud K. zur tz. „Die Pflegerinnen schimpften mich und nahmen mir die Schmerzmittelpumpe weg.“

Ein Tuch in dieser Größe blieb drei Monate lang im Bauch von Waltraud K.

Anfang Januar 2008 lag Waldtraud K. in der Agirov-Klinik in Berg am Starnberger See, die heutige Schön-Klinik. Dort unterzog sich die Oberpfälzerin einer Chemotherapie, da bei der Operation nicht alle Krebszellen entfernt werden konnten. „Wie ich später im August zufällig erfuhr, hatte man schon damals einen Fremdkörper in meinem Bauch gefunden. Doch man verschwieg mir das drei Monate lang.“ Erst im März wurde ihr eröffnet, dass sie das OP-Tuch im Körper hat. Im Mai wurde es wieder entnommen. Der Krebs aber ist immer noch da.

Waltraud K. ist überzeugt, dass die Chemotherapie wegen des vergessenen OP-Tuches nicht richtig angeschlagen hat. Darum will sie vom Klinikum 63 500 Euro Schmerzensgeld und Schadensersatz. Doch das Klinikum wollte nur 6500 Euro zahlen. Waltraud K. klagte vor dem Landgericht München I, die Gutachter sahen aber keinen Zusammenhang zwischen dem Wiederauftauchen des Tumors und des vergessenen Tuchs. Waltraud K. ging in Berufung, gestern wurde vor dem Oberlandesgericht wieder verhandelt. „Mir geht es nicht ums Geld sondern darum, dass man mir drei Monate lang verschwieg, dass ich dieses Tuch im Bauch hatte.“

Das Klinikum Großhadern

Gutachter Peter Klein bezeichnete das Geschehen als „einfachen Fehler.“ Peter Hüttl, der Anwalt des Arztes, erklärte: „So etwas passiert, auch Ärzte sind Menschen.“ Die Vorsitzende Richterin Maria Vavra schlug gestern vor, dass das Klinikum Waltraud K. 10 000 Euro zahlt. „Das würde der Klinik gut anstehen.“ Schließlich habe die Patientin, die ohnehin schon ein hartes Schicksal habe, durch die zweite Operation schwer leiden müssen. Ob das Klinikum zahlen wird, stellt sich erst am 1. August heraus. Dann tagt das Gericht wieder.

Johannes Welte

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