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„Ärzte haben meinen Sohn getötet“: Mann erhebt schwere Vorwürfe gegen das Klinikum Großhadern

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Von: Andreas Thieme

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Simon Socher (80) trauert um seinen Sohn Michael (kleines Foto)
Simon Socher (80) trauert um seinen Sohn Michael (kleines Foto) © SIGI JANTZ

Nach wochenlanger Behandlung im Klinikum Großhadern ist Michael Socher (54)im Januar verstorben. Sein Vater Simon (80) erhebt schwere Vorwürfe gegen die Ärzte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt sogar wegen Totschlags.

München - Mit Tränen in den Augen hält Simon Socher (80) das Sterbebild seines Sohnes Michael (†54) in den Händen. „Er war ein feiner Kerl. Ich vermisse ihn so“, sagt der Rentner traurig. Doch dann kommt die Wut ihn ihm hoch: „Michael wollte leben, doch die Ärzte haben ihm nicht geholfen. Sie haben meinen Sohn getötet.“

Was war passiert? Bereits im Herbst 2021 musste Michael Socher mit Organ-Beschwerden zum Arzt, später ins Klinikum nach Fürstenfeldbruck, von wo er dann am 3. Januar nach Großhadern verlegt wurde. Die Diagnose: schwere Herzmuskelentzündung, Leber- und Nierenschäden. „Michael ging es immer schlechter“, sagt der Vater. „Er musste auch zur Dialyse.“

München: 54-Jähriger starb im Klinikum Großhadern, nachdem seine Therapie abgebrochen wurde

In Großhadern kämpften die Ärzte um sein Leben, Michael kam auf die Intensivstation. Am 18. Januar dann der Schock: „Die Familie wurde einbestellt. Wir sollten uns in einem Sterbezimmer von Michael verabschieden“, sagt Simon Socher. „Ich konnte das nicht glauben, denn morgens hatte ich noch mit meinem Sohn telefoniert, da war er gut drauf.“

Michael Socher ist im Januar im Klinikum Großhadern verstorben
Michael Socher ist im Januar im Klinikum Großhadern verstorben © SIGI JANTZ

Doch die Ärzte sahen es wohl anders - ein Herz-Spezialist soll Simon Socher mitgeteilt haben: „Wir spielen mit offenen Karten. Ihr Sohn wird nicht mehr weiter therapiert.“ Denn das würde „sein Leiden nur verlängern“, soll ein zweiter Mediziner gesagt haben. Zwei Tage später war Michael tot.

Für Simon Socher ein Medizinskandal. Er sagt: „Weder Michael noch ich haben dem Abschalten der Geräte zugestimmt.“ Sein Sohn habe die lebensnotwendige Behandlung weiter fortsetzen wollen und sei dann sogar gegen den eigenen Willen in das Sterbezimmer gebracht worden.

Klinikum Großhadern: Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Totschlags gegen den behandelnden Arzt

Inzwischen hat die Familie Strafanzeige gegen den behandelnden Arzt eingereicht. Der Tatvorwurf lautet: Totschlag!
„Es ist zu einer Widersetzung gegen den konkreten Willen und das Selbstbestimmungsrecht des Patienten gekommen. Sowas darf einfach nicht passieren“, sagt Anwältin Patricia Jaritz, die die Familie vertritt. „Es wurde seitens der Klinik niemals eine schriftliche Einwilligung eingeholt, dass die medizinische Behandlung abgebrochen werden soll. Michael Socher hat nie eingewilligt, sterben zu wollen“, erklärt die Münchner Medizinrechtsexpertin. 

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Im Klinikum Großhadern kam es zu dem Todesfall, zu dem jetzt die Staatsanwaltschaft ermittelt © Tobias Hase/dpa

Derweil ermittelt jetzt auch die Staatsanwaltschaft gegen den Arzt. Sprecherin Juliane Grotz sagt: „Ich kann bestätigen, dass hier gegen den Beschuldigten Dr. K. ein Ermittlungsverfahren wegen Totschlags eingeleitet wurde. Er befindet sich nicht in Untersuchungshaft.“ Das Klinikum Großhadern teilt dazu auf Anfrage mit: „Die erhobenen Vorwürfe sind uns bekannt und werden entschieden zurückgewiesen.“ Weitere Angaben würden dazu nicht gemacht.

Nun wird es Jaritz zufolge auf einen abschließenden Obduktionsbericht ankommen: Der soll klären, ob Michael Socher noch hätte leben können.

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