Attacke vor Notaufnahme

Wegen Corona besonders schäbig: Münchner Taxler gerät mit Sanitätern aneinander, die Patienten helfen wollen

Schockmoment: Der Taxifahrer gibt rückwärts Gas, obwohl der Sanitäter direkt hinter seinem Wagen steht.

Wieder ein unfassbarer Fall von Respektlosigkeit gegenüber Rettungskräften: Am Klinikum Rechts der Isar wollen Sanitäter einen Patienten in die Notaufnahme bringen. Am Ende wird einer der beiden verletzt.

  • Zwei Sanitäter wollen einen Patienten in die Notaufnahme eines Münchner Krankenhauses bringen.
  • Dann spielt sich an der Zufahrt des Klinikums Rechts der Isar eine bizarre Situation ab.
  • Ein Taxifahrer stellt sich stur - und verletzt am Ende sogar eine der Rettungskräfte.

München - Sie wollten nur ihre Arbeit machen und einen Patienten in die Notaufnahme vom Klinikum Rechts der Isar bringen. Daran wurden zwei Mitarbeiter des Rettungsdienstes MKT am Mittwochabend (17. Juni) aber von einem Taxifahrer behindert. Mehr noch: Der Mann versperrte mit seinem Wagen nicht nur die Zufahrt, sondern wurde auch aggressiv – so berichten es die Retter. Die Attacke ging so weit, dass er einen der Rettungssanis fast anfuhr. Der Rettungsdienstler wurde bei dem Manöver verletzt. Die Polizei ist eingeschaltet, die Ermittlungen laufen.

Zustände, die Reimund Wagenseil sprachlos machen. „Die Aggressionen gegen uns nehmen in den vergangenen Jahren immer mehr zu“, sagt der Betriebsleiter des MKT. Genauso wie das Unverständnis für die Arbeit der Rettungssanitäter.

Klinikum in München: Taxler versperrt Zufahrt - und verletzt später Sanitäter

Die beiden Männer (25 und 27 Jahre) waren am Mittwoch um 18 Uhr unterwegs und fuhren an dem Klinikum im Zentrum von München* die enge Rampe rauf. „Oben angekommen blockierte das Taxi die Anfahrt zur Notaufnahme“, erklärt der Fahrer. Diese ist explizit nur für Rettungswagen zugelassen. „Da ich den Patienten nicht ausladen konnte, hupte ich den Taxifahrer an.“ Der 50-jährige Mann soll im Auto gesessen und mit seinem Handy beschäftigt gewesen sein. Gegenüber der Polizei erklärte er, dass er einen Patienten abholen wollte.

München: Streit zwischen Taxler und Rettungsdienst - Auch wegen Corona heikel

Das war wohl auch der Grund dafür, dass der Taxler zwar erst die Rampe räumte, dann aber im Kreis fuhr und wieder hinter dem Rettungswagen parkte. Als die Männer ihn zur Rede stellten, kam es zum Wortgefecht. „Er war so nah und brüllte so laut“, sagt der MKT-Mitarbeiter, „dass Spucke auf meinem Gesicht landete.“ Ein Horror in Zeiten von Corona. Den Kollegen soll der Taxifahrer zudem an der Jacke gepackt haben. Das war der Zeitpunkt, an dem sich die Rettungsdienstler entschlossen, die Polizei zu rufen. Darüber informierten sie auch den 50-Jährigen.

Der ließ sein Taxi daraufhin vor der Notaufnahme stehen und ging rein. „Als er wieder erschien, wurde er von einem Fahrgast begleitet und trug dessen Gepäck.“ Als beide einstiegen, wollten die MKT-Mitarbeiter ihn am Wegfahren hindern. Das hielt den Taxler aber nicht davon ab, einfach rückwärts Gas zu geben. Beim Versuch, sich zu schützen, wurde der MKT-Mann gegen das Geländer gedrückt. Er erlitt Prellungen am Brustkorb. Sein Kollege öffnete dann die Beifahrertür und den Kofferraum, um die Fahrt zu stoppen. Gegen den Taxifahrer erging Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung. Der Mann stellte im Gegenzug auch eine Anzeige: wegen Nötigung im Straßenverkehr. Die Polizei ermittelt.

Schon seit geraumer Zeit berichten Einsatz- und Rettungskräfte von einer zunehmenden Respektlosigkeit und Gewaltbereitschaft ihnen gegenüber:

„War wütend, dass alle so übertreiben“ - Rechts der Isar erlebte eine junge Patientin ein Corona-Drama*

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