Münchner protestieren

Ende für Kohlekraftwerk in Oberföhring: Neue Pläne bringen Klimaschützer auf die Palme - „nicht verantwortbar“

Demonstranten halten Banner und Schilder in der Hand
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Nein zu den Plänen der Stadtwerke: Demonstranten vor dem Kohlekraftwerk in Unterföhring.

2017 hatten die Münchner per Bürgerentscheid beschlossen: Das Kohlekraftwerk in Oberföhring soll abgeschaltet werden - und das möglichst bis 2022.

München - Der Wind wirbelt 22 schwarze Luftballons am Kraftwerksgelände in Unterföhring hin und her. Sie stehen für 22 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Emissionen, für die die Stadtwerke München (SWM) laut Umweltschützern verantwortlich sind, sollten sie dort - wie geplant - ein neues Gaskraftwerk bauen. Rund 40 Anhänger der Bürgerinitiativen „Fossil free München“ und „Raus aus der Steinkohle“ demonstrierten am Freitag gegen das umstrittene Projekt - erst in Unterföhring, dann auf dem Marienplatz*.

Hintergrund: Die SWM haben entschieden, in Unterföhring ein sogenanntes Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk (GuD) zu bauen. Das könne einerseits effizient Strom, gleichzeitig aber auch Wärme für das Münchner und südbayerische Fernwärmenetz erzeugen. Es soll den kohlebetriebenen Block 2 im Heizkraftwerk Nord ersetzen, für dessen Ende sich die Münchner 2017 per Bürgerentscheid ausgesprochen hatten. Die Fertigstellung des neuen GuD-Kraftwerks ist für 2026/2027 geplant, erst danach könnte das alte Kohlekraftwerk vom Netz gehen.

München: Proteste gegen Kohlekraftwerk - „Viele weitere Jahre große CO2-Emissionen“

„Das neue Kraftwerk wird nach der Abschaltung des Kohleblocks viele weitere Jahre für große CO2-Emissionen sorgen“, kritisiert Demonstrant Helmut Paschlau. Er war Mitglied der Energiekommission der Stadt München* und einst als kaufmännischer Projektleiter der SWM für den Bau des Kohlekraftwerks mitverantwortlich. „Damals wusste man noch nichts von CO2-Emissionen“, sagt er. Heute ist er sich sicher: Weiter auf fossile Brennstoffe zu setzen, sei der jungen Generation gegenüber unverantwortlich.

Zumal sich München das ambitionierte Ziel gesetzt hat, bis 2035 klimaneutral zu sein. „Nun ein Gaskraftwerk zu bauen, ist klimapolitisch nicht verantwortbar“, schimpft der 69-Jährige. Die SWM sehen eine Verbesserung durch den Neubau: Die CO2-Emissionen pro Kilowattstunde Strom sollen mit der GuD 3 auf weniger als ein Drittel des heutigen Wertes sinken. Nicht genug für die Klimaschützer.

München: Proteste gegen Kohlekraftwerk - Gemeinde will Projekt verhindern

Die Stadtwerke ihrerseits argumentieren, dass sich das GuD in 20 Jahren mit Wasserstoff oder Biomethan klimaneutral betreiben ließe - noch ist allerdings gar nicht sicher, ob diese Energie-Alternativen in Zukunft ausreichend zur Verfügung stehen. Gegenwind gibt‘s auch von der Gemeinde Unterföhring: Sie will das Projekt per Bebauungsplan verhindern.

Die Kraftwerkgegner wünschen sich derweil eine andere Lösung: Sie fordern die Erweiterung von mehreren kleinen Kraftwerken in München. „Das könnte die Lösung für die Versorgungslücke sein“, sagt Paschlau. Eine Einigung im Streit ums neue Kraftwerk ist lange nicht in Sicht. (Stéphanie Mercier) *tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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