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Drogensumpf in München: Kokain boomt in „allen Gesellschaftsschichten“

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Von: Laura Felbinger

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Vom Zoll beschlagnahmte Drogen
Kokain: Auch in München eine häufig konsumierte Droge (Symbolbild). © dpa / Daniel Reinhardt

Der Drogensumpf in München wird immer tiefer. In den aktuellen Kokain-Skandal sind bisher 36 Polizisten und ein Wiesn-Wirt verwickelt. Wir sprachen mit Jörg Beyser, Chef des LKA-Drogendezernats.

München - Schon vor gut 50 Jahren war das weiße Pulver bekannt als die Droge der Münchner* Schickeria. Den Film-Revoluzzer Rainer Werner Fassbinder etwa raffte Kokain 1982 dahin – da war er gerade mal 37 Jahre alt. Und heute? Kokain boomt! Laut einer Untersuchung der Europäischen Union wurden 2019 am Tag 235,7 Milligramm Kokain pro 1000 Einwohner im Münchner Abwasser gefunden.

Handel und Konsum sind in ganz Europa gestiegen. „Seit 2012 wird immer mehr angebaut“, sagt Kriminaldirektor Jörg Beyser (59), Leiter des Rauschgiftdezernats beim Bayerischen Landeskriminalamt. Weltweit werden pro Jahr etwa 2000 Tonnen Koks produziert – hauptsächlich in Kolumbien, Peru und Bolivien. Meist kommt die Droge auf Schiffen nach Europa und wird dort verteilt. Wegen Corona und den damit einhergehenden verstärkten Kontrollen und Grenzschließungen hatten es die Schmuggler im letzten Jahr schwerer als sonst. Das Zollfahndungsamt München hat daher nur sechs Kilo Kokain sichergestellt, 2019 waren es noch 15 Kilo.

Die Münchner Polizei hat im vergangenen Jahr 13 Kilo Kokain einkassiert

Das heißt aber nicht, dass wegen Corona weniger im Umlauf ist. „Es geht nun sehr viel in kleineren Mengen über den Postversand. Der Handel im Darknet blüht“, sagt Beyser. Der Löwenanteil wird gar nicht erst entdeckt: „Weltweit werden gut zehn bis 20 Prozent von dem, was auf dem Markt ist, sichergestellt.“ Die Münchner Polizei hat im vergangenen Jahr 13 Kilo Kokain einkassiert – gut 28 Prozent weniger als 2019. Aber: „Es wurde auch weniger kontrolliert, weil die Clubs und Bars geschlossen waren“, sagt Polizeisprecherin Claudia Künzel.

Die insgesamt wachsende Kokainmenge hat einen weiteren Effekt: „Die Preise bewegen sich nach unten“, erklärt Beyser. Zudem liege der Reinheitsgrad beim Straßenverkauf noch bei 70 Prozent. „Früher hatte man das aufs Vierfache gestreckt“, erklärt der Kriminaldirektor. In Bayern liegt der Preis pro Gramm durchschnittlich bei 70, in München bei 80 bis 100 Euro – immer noch viel Geld. Aber ist Koks noch eine Schickimicki-Droge? Künzel: „Früher war Kokain eher eine High-Society-Droge. Mittlerweile wird es in allen Gesellschaftsschichten konsumiert.“ *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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