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Trauer um Münchner Ermittler-Legende: Josef Wilfling ist tot – seine Fälle waren spektakulär

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Von: Dorita Plange

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Josef Wilfling ist im Alter von 75 Jahren verstorben.
Josef Wilfling ist im Alter von 75 Jahren verstorben. © Marcus Schlaf

Er schrieb Münchner Kriminalgeschichte, ermittelte in spektakulären Fällen mit Prominenten. Jetzt ist Komissar-Legende Josef Wilfing verstorben.

München - Den Tod hat Josef Wilfling (75) nie gefürchtet. Dafür kannte er ihn wohl zu gut. Allzu oft hatte er sein Werk gesehen – in allen Facetten der Verbrechen und Abgründe, von denen die meisten Menschen nichts ahnen. Gestern in der Früh ist Josef Wilfling–langjähriger Leiter der Münchner Mordkommission – dem Tod persönlich begegnet. Er starb im Alter von 75 Jahren in einem Münchner Krankenhaus an den Folgen eines Krebsleidens. Ein Mann, der Kriminalgeschichte schrieb und für immer ein Teil davon bleiben wird. Die Nachricht vom Tod des Kriminaloberrats, der nach seiner Pensionierung als Bestseller-Autor eine zweite Karriere startete und oft beim Klosterwirt im Schattendes Polizeipräsidiums mit Freunden und Kollegen aus alten Tagen seine Augustiner-Halbe genoss, verbreitete sich gestern wie ein Lauffeuer in der Stadt. Sein Platz bleibt nun leer.

Münchner Kommissar-Legende ist tot - er ermittelte in spektakulären Fällen

Doch seine Geschichten, sein scharfer Verstand, sein rabenschwarzer Humor und seine Dramatik des Erzählens: Die waren, sind und bleiben unvergessen. In 42 Dienstjahren bei der Münchner Polizei hat Wilfling so ziemlich alle Grausamkeiten erlebt, zu denen Menschen in der Lage sind. Er wurde belogen, bedroht, angegriffen, beschossen, verflucht und manchmal auch hereingelegt. Beeindruckt hat ihn das alles nicht. Denn am Ende hat er sie doch erwischt: all die Frauenmörder, die Giftmischer, die Serienkiller – und auch die, die die Opfer waren, bevor sie selbst zu Tätern wurden.

Wlflings Fälle waren oft Stadtgespräch - so wie der Mord an Rudolph Moshammer.
Wlflings Fälle waren oft Stadtgespräch - so wie der Mord an Rudolph Moshammer. © Foto: Volker Dornberger/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Seine spektakulärsten Fälle

Bei aller professionellen Distanz gab es Fälle, die Wilfling tief berührten: „Wenn man sieht, wie Familien und Freunde in Sekunden innerlich zerbrechen – das lässt einen nicht kalt“, sagte er einmal. Wilflings Fälle waren oft Stadtgespräch. So wie diese hier:

Modezar Rudolph Moshammer (rechts oben) wurde 2005 in seiner Villa mit einem Kabel erdrosselt. Den Täter schnappte die Mordkommission, kurz bevor er fliehen konnte.

Volksschauspieler Walter Sedlmayr (links unten) wurde 1990 ermordet. Ein Fall, der Wilfling bis nach Kroatien und an die Grenzen seiner Kraft führte. Aber: Er löste ihn.

Die Nachricht vom Fund der Leiche der seit 1995 vermissten Sonja Engelbrecht (19) hat Wilfling gefreut: „Endlich Gewissheit für die Familie!“ Knochen des Mädchens wurden im März in einem Wald bei Kipfenberg gefunden. Ihr Mörder ist aber noch frei

Josef Wilfing ist tot - sein scharfer Verstand und Humor bleiben in Erinnerung

In manchen Fällen konnte er die Beweggründe der Täter nachvollziehen. In anderen Fällen empfand er nur Abscheu: „Triefendes Selbstmitleid von Mördern, die selbst kein Mitleidkannten, hat mich abgestoßen.“ Bereits eine Stunde vor seiner Einstellung am 3. Oktober 1966 in Würzburg geriet der 19-jährige, arglose Spross eines Münchberger Finanzbeamten an einen Sittenstrolch, der ihm zu nahe treten wollte. Es wurde der erste von vermutlich Hunderten gelösten Fällen in der langen Karriere des Kriminaloberrats Josef Wilfling, der im Winter 2009 zuletzt als Leiter der Münchner Mordkommission in Pension ging.

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Seine Bilanz: Rund 100 Fälle von Mord und Totschlag hat er bearbeitet und fast alle gelöst, 25-mal das Urteil lebenslänglich erwirkt. Was er hinterlässt? Seine Erinnerungen und Gedanken, scharfsinnige Analysen und auch einige tiefe Einblicke in seine Seele und sein großes Herz, das er nie verbarg – niedergeschrieben in seinen vier Büchern, die Bestseller wurden. Dazuder feste Glaube an das Gute. Und die Gewissheit, dass am Ende doch (fast immer) die Gerechtigkeit siegt. Nun ist es also Zeit, Abschied zu nehmen. Sagen wir es mit seinen Worten: Es war uns eine Ehre. Servus, Herr Kommissar!

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