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Kommt Moshammers Mörder im Januar schon frei? Entscheidung der Justiz steht kurz bevor – „Sind vorbereitet“

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Von: Andreas Thieme

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Wlflings Fälle waren oft Stadtgespräch - so wie der Mord an Rudolph Moshammer.
Modezar Rudolph Moshammer wurde 2005 ermordet. © Foto: Volker Dornberger/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Er ermordete Modezar Rudolph Moshammer im Januar 2005: Seither sitzt Herish A. (43) im Gefängnis. Doch die Mindestverbüßungsdauer seiner Haft endet Mitte Januar. Jetzt muss die Justiz entscheiden, wie es mit Herish A. weitergeht. 

München – Muss er noch länger ins Gefängnis – oder kommt er jetzt frei? Seit Januar 2005 sitzt Herish A. (43) hinter Gitter – er erdrosselte Modezar Rudolph Moshammer mit einem Kabel und wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach deutschen Recht sind das 15 Jahre, doch bei A. wurde auch die besondere Schwere der Schuld festgestellt.

Herish A. sitzt seit 18 Jahren in der JVA Straubing. Die Zellen haben Bett, Tisch und Schrank.
Herish A. sitzt seit 18 Jahren in der JVA Straubing. Die Zellen haben Bett, Tisch und Schrank. © Marcus Schlaf

In viereinhalb Wochen läuft seine Mindestverbüßungsdauer von 18 Jahren nun ab, die die Strafvollstreckungskammer des Amtsgerichts Straubing 2020 festgelegt hatte. Bereits im Juni berichtete unsere Redaktion exklusiv: Mosis Mörder sitzt bis zum letzten Tag! Der ist demnächst gekommen: Am 15. Januar 2023 könnte Herish A. freikommen – über seinen Fall entscheidet jetzt die Justiz. „Aus Sicht der Staatsanwaltschaft könnte nach Ablauf der Mindestverbüßungsdauer eine Abschiebung aus der Haft heraus erfolgen (§ 456a StPO)“, sagt Oberstaatsanwältin Anne Leiding.

München: Rudolph Moshammer wurde 2005 erdrosselt – sein Mörder könnte 2023 nun freikommen

Ob die Abschiebung tatsächlich umgesetzt werden kann, liege bei der Ausländerbehörde. Herishs Strafverteidiger Adam Ahmed ist skeptisch: Bisher sei noch kein Reisepass da. „Das ist natürlich das Allerwichtigste.“ Man müsse also schauen, „wie sich das organisatorisch entwickelt“. Ahmed hofft, dass eine Abschiebung nicht an bürokratischen Hürden scheitern würde.

Herish A. (42) erdrosselte Moshammer mit einem Kabel und wurde zu lebenslanger Haft verurteilt
Herish A. (42) erdrosselte Moshammer mit einem Kabel und wurde zu lebenslanger Haft verurteilt © Archiv

Ziel sei es aber, dass Herish A. „nicht über die Mindestverbüßungsdauer hinaus in Haft bleiben muss. Er will ganz klar zurück in seine Heimat Irak, wo seine Familie lebt.“ Von der weiteren Strafvollstreckung im Ausland würde die Justiz laut Strafprozessordnung dann absehen.

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Der Moshammer-Mord in Grünwald

In seiner Villa in Grünwald wurde Rudolph Moshammer im Januar 2005 brutal ermordet. Seinen Mörder Herish A. (damals 25 Jahre alt) hatte Moshammer am Hauptbahnhof kennengelernt und nahm ihn mit nach Hause, wo er Herish A. für sexuelle Dienstleistungen bezahlte. Dort erdrosselte A. ihn mit einem Telefonkabel. Es ist ein Fall, der ganz Deutschland schockierte, denn Moshammer gilt noch immer als Ikone. Herish A. sitzt in der JVA Straubing ein. Täter wie er, bei denen ein Gericht die besondere Schuldschwere festgestellt hat, bleiben in Bayern im Schnitt 23 Jahre lang im Gefängnis.

„Derzeit wird durch die Strafvollstreckungskammer Straubing auch eine Aussetzung zur Bewährung geprüft“, sagt Anne Leiding. Eine Entscheidung liege noch nicht vor. „Die Staatsanwaltschaft hat sich aber gegen eine Bewährung ausgesprochen.“ Für Herish A. ist sie aber eine Option, falls die Abschiebung scheitert. Entscheidend ist hier die Sozialprognose eines Häftlings – also, wie er künftig leben und arbeiten wird. „Wir sind auf diese Variante vorbereitet“, sagt Ahmed. Leidings Prognose lautet dagegen: „Entweder es erfolgt eine Abschiebung aus der Haft oder eine Fortsetzung der lebenslangen Freiheitsstrafe.“ Eine gerichtliche Entscheidung stehe derzeit aber noch aus.

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