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Doppelte Strafen für Senioren-Betrüger! Justizminister will hart durchgreifen: „Opfer schamlos ausgenutzt“

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Von: Andreas Thieme

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Für Callcenter-Betrüger will Justizminister Georg Eisenreich (50, CSU) eine Mindeststrafe von zwei Jahren Haft im Gesetz verankern
Für Callcenter-Betrüger will Justizminister Georg Eisenreich (50, CSU) eine Mindeststrafe von zwei Jahren Haft im Gesetz verankern © SIGI JANTZ

Kein Verbrechen steigt so stark an wie Callcenter-Betrug: Mehr als 21000 Fälle haben einen Schaden von rund neun Millionen Euro in Bayern verursacht. Um die Täter abzuschrecken, will Justizminister Georg Eisenreich (50, CSU) härtere Strafen einführen.

München - Sie bringen ältere Menschen um ihr Erspartes – und lassen sie völlig verängstigt zurück. Immer mehr kriminelle Banden nehmen das Vermögen von Senioren ins Visier. Allein im vergangenen Jahr hat es insgesamt 21 060 Fälle von betrügerischen Telefonanrufen in Bayern gegeben. Der Schaden: mehr als neun Millionen Euro! „Die Täter nutzen die Sorgen, Ängste und Gutgläubigkeit ihrer Opfer schamlos aus. Die Hintermänner operieren aus Callcentern im Ausland, oftmals der Türkei oder Osteuropa“, sagt Justizminister Georg Eisenreich (50, CSU). „Die bayerische Justiz geht mit aller Härte gegen Callcenter-Betrüger vor. Aber auch das Strafrecht muss Senioren besser vor Vermögenskriminalität schützen.“

München: Callcenter-Betrüger verursachten 2020 einen Schaden von 4,2 Millionen Euro

6113 Fälle hatte es im vergangenen Jahr allein in München gegeben, der Schaden lag bei mehr als vier Millionen Euro. „Unter den Kriminellen hat sich eine ganze Branche entwickelt, die es verstärkt auf das Vermögen älterer Menschen abgesehen hat“, so der Justizminister. Gegen die Täter will er jetzt rigoros durchgreifen! Eisenreich: „Wer sich gezielt ältere Menschen als Opfer auswählt und deren Schwäche bewusst ausnutzt, muss mit härteren Strafen rechnen. Für Fälle von organisiertem Callcenter-Betrug schlagen wir eine erhöhte Mindeststrafe von zwei Jahren statt wie bisher einem Jahr vor.“ Den Antrag für ein neues Gesetz will Eisenreich Mitte November auf der Justizministerkonferenz einbringen.

Die Zahlen des Callcenter-Betrug steigen massiv an: 2020 gab es in München 6113 Fälle mit 4,2 Millionen Euro Schaden
Die Zahlen des Callcenter-Betrug steigen massiv an: 2020 gab es in München 6113 Fälle mit 4,2 Millionen Euro Schaden © Julian Stratenschulte (dpa)

Callcenter-Betrug in München: Senioren verlieren oft ihr gesamtes Erspartes an kriminelle Banden

Nur einer von etwa 100 Telefonbetrugsfällen wird vollendet – doch, wenn die Täter Senioren abzocken, verlieren die oft ihr gesamtes Vermögen. In einigen Fällen bis zu 500000 Euro. Laut Eisenreich handelt es sich um eine „perfekt durchorganisierte Betrugsmasche“. Warum, wurde gestern in einem aktuellen Fall am Landgericht deutlich. Dort sagte Ruth L. (66, Name geändert) gegen ein Mitglied einer Betrügerbande aus. „Sie riefen mich an, gaben sich als Polizisten aus und erzählten, dass in meiner Nachbarschaft eingebrochen wurde. Ich sei in großer Gefahr und sollte mein Geld in einer Tasche vor der Tür abstellen.“ Ein Beamter komme es abholen – in Wahrheit ein Betrüger. Doch die echte Polizei konnte Hamdi M. (45) auf frischer Tat fassen, als er 48 000 Euro abholen wollte, die Ruth L. in Moosach deponiert hatte. Die Seniorin sagt: „Der Druck war massiv. Man wird in Angst versetzt und isoliert.“ Das neue Gesetz soll jetzt helfen, die Täter noch stärker abzuschrecken.

Mit Hamdi M. (45) steht ein mutmaßlicher Bandenbetrüger vor Gericht. Ihm drohen jetzt bis zu sechs Jahre Haft
Mit Hamdi M. (45) steht ein mutmaßlicher Bandenbetrüger vor Gericht. Ihm drohen bis zu sechs Jahre Haft © SIGI JANTZ

Aktueller Gerichtsfall aus München: Bandenmitglied erhielt bis zu 700 Euro Provision

Sieben Senioren in München und Umgebung soll Hamdi M. (45) abgezockt haben – ihm wird jetzt der Prozess am Landgericht gemacht. Rund 300 000 Euro betrug der Schaden. Einen Teil der Taten hat der Türke gestanden. Er sagt: „Zuerst war ich nur der Kurier, wusste aber nicht, dass das Geld aus Betrugstaten stammt.“ Bis zu 700 Euro betrug seine Provision, im ICE Richtung Nürnberg wurde er im Oktober 2020 gestoppt. Denn: Er war auch bei Senioren zuhause, die ihn für einen Polizisten hielten. Laut Anklage ein „besonders verwerfliches Verbrechen“. Von wegen nur Kurier: Mit den Bossen in der Türkei stand Hamdi M. telefonisch in Kontakt. Ihm drohen jetzt bis zu sechs Jahre Haft. Das Urteil soll am 2. Dezember fallen.

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