München läuft Sturm: Kampf gegen Klo-K.o.

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Die Stadt will 34 von 72 öffentlichen Toiletten schließen. Die Bürger sollen ihr Geschäft künftig auf einer Wirtshaus- oder Kaufhaustoilette erledigen. Bürgern, Wirten und Kaufleuten stinkt das gewaltig

München - Die Stadt will jedes zweite öffentliche WC zusperren. Gegen die Schließungspläne regt sich massiver Widerstand unter unseren Lesern, den Kaufleuten und Gastronomen.

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Stadt will jedes zweite öffentliche Klo zusperren

Die Stadt will jedes zweite öffentliche WC zusperren. Das geht aus einem Strategie-Papier des Kommunalreferates hervor, das der tz vorliegt. Gegen die Schließungspläne regt sich massiver Widerstand: Bei uns steht das Telefon nicht mehr still, ebenso das Faxgerät, auch der Briefkasten und das E-Mail-Postfach quellen über.

Doch am meisten ärgern sich die Gastronomen und Kaufleute darüber, dass das Kommunalreferat in seinen Planungen als Ausweichmöglichkeit für geschlossene öffentliche Klos die WCs von Gasthäusern und Einkaufszentren vorsieht.

„Eine Unverschämtheit“, wettert Ludwig Hagn, Wirt im Unionsbräu und Ehrenpräsident des Hotel- und Gaststättenverbandes. „Schon heute ist jeder zweite Benutzer meiner Toiletten keiner meiner Gäste, sondern kommt aus dem U-Bahn-Ausgang gegenüber und geht nach seinem G’schäfterl wieder.“

Dabei gibt es unter dem Max-Weber-Platz ein U-Bahn-Klo, doch dessen Zustand ist oft kaum einladend. Vor etwa 30 Jahren, erinnert sich Hagn, habe die Stadt den Wirten verboten, ein Zehnerl fürs Häusl zu verlangen. Hagn: „Jetzt sollen noch mehr Fremde kommen, die für zusätzlichen Reinigungsaufwand und höhere Kosten sorgen.“

Auch der Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes BHG Konrad Mayer, ist sauer wegen des Vorstoßes aus dem Kommunalreferat: „Die Stadt plant das, ohne mit den betroffenen Wirten und Hoteliers zu sprechen.“ Auch Wolfgang Fischer, Geschäftsführer der CityPartner ist baff: „Früher wurde so etwas vorher mit den Geschäftsleuten besprochen.“

Die Rathaus-CSU hatte die Pläne ebenfalls kritisiert. Bernd Plank, Sprecher des Kommunalreferates, versucht abzuwiegeln: „Die Schließung ist nur eine mehrerer Optionen, vielleicht finden sich ja noch private Betreiber.“

Johannes Welte

Aufgabe der Stadt

Die WC-Schließungspläne sind eine Unverschämtheit. Unsere Toiletten sind für unsere Gäste da. Öffentliche Toiletten sind eine städtische Aufgabe.

Ludwig Hagn, Unionsbräu

Weltstadt ohne Klo

 Öffentliche Toiletten gehören zur Grundausstattung, auch der Weltstadt mit Herz. Das trifft für alle zu, natürlich besonders für Senioren aber auch Kinder.

Pflege-Experte Klaus Fussek

So geht das nicht

Wie soll das funktionieren? Die Stadt hat täglich 287 000 Tagesgäste. Sollen die alle ins Kaufhaus oder Gasthaus aufs WC gehen?

Wolfgang Fischer, City-Partner

Einfach skandalös

Die WC-Schließungspläne sind ein ganz großer Skandal. Das trifft vor allem die Fahrgäste, die sich schwer tun, wie etwa Senioren.

Andreas Nagel Aktion Fahrgäste

Keine Gratis-WCs

Öffentliche WCs gehören zur kommunalen Daseinsvorsorge. Wir betreiben Hotels und Gaststätten, keine kostenlosen WCs.

Conrad Mayer, Hotel- und Gaststättenverband

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