1,1 Millionen Euro in München abgezockt

Erster Corona-Betrüger in München vor Gericht

Tayfun Y. (35) ist wegen Subventionsbetrug in 91 Fällen am Landgericht in München angeklagt
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Tayfun Y. (35) auf der Anklagebank des Landgerichts in München

Dieser Betrug ist mega-dreist: Insgesamt 91 Anträge auf Corona-Soforthilfe soll Tayfun Y. (35) bundesweit gestellt haben - und sich dabei als Metzger oder Fitnessstudio-Betreiber ausgegeben haben. Tatsächlich ist der Unternehmer wohl ein Betrüger: Allein in München hat er 1,1 Millionen Euro Schaden verursacht.

  • Am Landgericht München steht der erste Corona-Betrüger vor Gericht
  • Tayfun Y. (35) hat laut Anklage 91 illegale Anträge auf Soforthilfen eingereicht
  • Der Schadenssumme beträgt allein in München 1,1 Millionen Euro

Seine Taten sind unglaublich: Während Tausende Unternehmer in München auf die Soforthilfen vom Staat warten und um ihre wirtschaftliche Existenz bangen, hat Tayfun Y. (31 )die Gelder massenweise abgezockt. Seit Montag muss sich der Unternehmer wegen Subventionsbetrug in 91 Fällen vor dem Landgericht verantworten, weil er zwischen dem 31. März und 29. April 2020 insgesamt 91 Mal Soforthilfen illegal beantragt haben soll. In Summe geht es nun um Subventionsbetrug in Höhe von mehr als 2,5 Millionen Euro.

Corona-Soforthilfe: Allein 23 illegale Anträge in München

„Hohe kriminelle Energie“ unterstellte die Staatsanwaltschaft Tayfun Y. Allein in München hatte er 23 Anträge auf Soforthilfe gestellt, jeweils in Höhe zwischen 40 000 und 70 000 Euro. Doch aufmerksame Beamte konnten verhindern, dass ihm rund 1,1 Millionen Euro ausgezahlt werden. Auch in Baden-Württemberg, Saarland, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Berlin hatte der Angeklagte – jeweils unter Anwendung von Scheinidentitäten – die Gelder beantragt. Teilweise war es sogar bereits zur Auszahlung gekommen, rund 68 000 Euro hatte der mutmaßliche Betrüger schon kassiert.

Betrüger kopierte sogar Pässe von Bekannten, um die Behörden zu täuschen

Tayfun Y. hatte laut Anklage sogar Namen einfach erfunden oder die Pässe von Bekannten kopiert, um die Behörden zu täuschen. Doch am Ende flog der Millionen-Schwindel vor allem deshalb auf, weil er stets dasselbe Girokonto angegeben hatte,um die Soforthilfen zu kassieren. Am 14. Mai klickten schließlich die Handschellen, seither sitzt Tayfun Y. in Untersuchungshaft in der JVA Stadelheim.

Vor Gericht wollte der Angeklagte zunächst keine Angaben machen, hielt dann aber einen regelrechten Wut-Vortrag mit 35 handgeschriebenen Seiten. Die Kurzfassung: Die Anklage der Staatsanwaltschaft München I sei angeblich ungültig, denn „in 88 Fällen kam es nicht zur Vollendung“, daher könne „nur von einem Versuch gesprochen werden“.

Der Corona-Betrug ist eine Zumutung für leidende Geschäftsleute

Das Wort Betrug nimmt Tayfun Y. nicht in den Mund, genau dafür wird er wahrscheinlich aber ins Gefängnis geschickt. Eine Verständigung mit der Staatsanwaltschaft hatte der 31-Jährige abgelehnt: Im Gegenzug für ein Geständnis wurden ihm viereinhalb Jahre Haft in Aussicht gestellt. Nun werden es wohl mehr, auch wenn Verteidiger Gerhard Bink eine Bewährungsstrafe anstrebt. Doch die 91 Taten, zumal noch bundesweit, treffenden Nerv in einer ohnehin beschwerlichen Zeit: Da geht es nicht nur um Betrug am Staat–sie sind eine Zumutung für leidende Geschäftsleute. Das Urteil soll am 4. April fallen.

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