Die letzte Ehre für ein schutzloses Baby

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Ein trauriger Moment: Ganz vorsichtig lassen die Sargträger Maxis winzigen Kindersarg ins schmucklose Grab hinab.

München - Auf dem Münchner Ostfriedhof wurde am Freitag das sogenannte Landtagsbaby beerdigt. Das trostlose Wetter passte zur Stimmung bei diesem traurigen Ereignis.

Oh mein Gott, so klein,“ haucht eine Friedhofsbesucherin beklommen, als der winzige, weiße Kindersarg an ihr vorbeigetragen wird. Trotz des strömenden Regens und der Kälte hat sich die ältere Dame auf den Weg zum Friedhof gemacht, um einem Baby die letzte Ehre zu erweisen, das sie niemals kannte.

Niemand der Trauernden hier hat dieses Baby jemals lebend gesehen. Nicht die drei Beamten von der Münchner Mordkommission. Auch nicht die drei Kontaktbeamten der zuständigen Polizeiinspektion. Und auch nicht die etwa zehn Bürger, die diesem Kind wenigstens im Tode die Ehre erweisen wollten, die ihm in seinem kurzen Leben verwehrt blieb.

Bilder von der Beerdigung

Letzte Ruhestätte für „Maxi“

Auf dem Münchner Ostfriedhof wurde am Freitag das sogenannte Landtagsbaby beerdigt – jenes kleine Mädchen, dessen bereits stark verweste Leiche am 6. Oktober 2009 in der Grünanlage hinter dem Maximilianeum gefunden wurde. Eilig abgelegt hinter einem Baum, eingewickelt in Plastiktüten. Entsorgt wie Müll. Es ist eines jener seltenen Kinderschicksale, das die Mordkommission trotz enormen, monatelangen Fahndungs-Aufwand nicht klären konnte. Ein Schicksal, das Bürger wie Polizisten gleichermaßen tief berührte.

Denn „Maxi“ – so haben die Mordermittler das kleine Mädchen genannt, um ihm wenigstens posthum einen Namen zu geben – hat gelebt. Hat geatmet. geschrien, gestrampelt und seine Mutter gesucht. Wie viele Tage oder vielleicht auch nur Stunden das namenlose Baby lebte und wie es starb – das weiß niemand. Wenigstens im Tode jedoch hat Maxi nun eine Identität bekommen und ihr Name wird auch auf dem kleinen Stein des Kindergrabes verewigt. Ein Spender, der anonym bleiben möchte, hat die Beerdigungskosten übernommen und auch die Grabstätte inmitten anderer Familiengräber zur Verfügung gestellt. Es war der Wunsch der Münchner Mordermittler, dass Maxi ein christliches Begräbnis bekommt.

Und so stand Polizeidekan Andreas Simbeck persönlich am Freitag gegen 11 Uhr an dem kleinen, weißen Sarg und suchte „in dieser ungewöhnlichen Situation“ passende Worte für ein Menschenkind, „über das wir gar nichts wissen. Weder über die Stunde seiner Geburt und seines Todes, noch über seine Eltern. Nur Gott kennt das Geheimnis. Und es wird wohl auch für immer seines bleiben.“ Und so blieb dem Pfarrer am Ende nur der Dank. Dank den Bürgern, den Polizisten und in Abwesenheit auch Dank dem Spender, der Maxi eine anonyme Bestattung im Massengrab ersparte. In seine Fürbitte schloss der Polizeidekan auch die unbekannte Mutter und alle schwangeren Frauen in schwierigen Situationen ein.

Über die Motive der möglichweise tief verzweifelten Frau kann nur spekuliert werden. Wo war sie wohl, als ihr Kind am Freitag in fremder Erde bestattet wurde? Weiß sie, dass ihr Baby nun in Frieden ruht? Oder lebt sie in einem fernen Land und versucht zu verdrängen, was eine Mutter doch niemals vergessen kann? Die Münchner Mordkommission wird auch diesen ungelösten Fall niemals aufgeben und ihn immer wieder überprüfen, falls sich neue Ermittlungsansätze ergeben sollten. Als sich der winzige weiße Sarg in die Erde senkte und eine Frau eine weiße Rose ins Grab warf, flossen viele Tränen. Tränen für ein Kind, das niemand kannte. Und das vielleicht gerade deshalb die Herzen auf besondere Weise berührt. Ruhe in Frieden, Maxi.

Dorita Plange

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