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Semmel-Schock: Angst vor Preisexplosion bei Backwaren

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Von: Phillip Plesch

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Kein Geheimnis macht der Yorma’s aus den Preiserhöhungen. „Wir sind sehr transparent, was unsere Preise angeht“, sagt Marketing-Leiterin Tamara Eberl.
Kein Geheimnis macht der Yorma’s aus den Preiserhöhungen. „Wir sind sehr transparent, was unsere Preise angeht“, sagt Marketing-Leiterin Tamara Eberl. © Marcus Schlaf

Die Preise für Energie, Rohstoff und Transport steigen. Das hat Auswirkungen für Verbraucher. Denn Semmeln, Brezn und Obst werden deshalb teurer.

München - Wer jüngst in München beim Yorma’s eingekauft hat, musste schon vor dem Einkauf schlucken. Denn seit dem 26. Oktober gelten dort erhöhte Preise. Süße Backwaren sind 10 Cent teurer, belegte Baguettes und Brezen sogar 20 Cent. Doch 80 Cent für eine Laugenbreze haben ihre Gründe. Tamara Eberl, Marketing-Leiterin bei Yorma’s, erklärt: „Der Preisanstieg ist notwendig geworden, da momentan alles teurer wird. Auch die Rohstoffe.“

Josef Rampl, Geschäftsführer des Bayerischen Müllerbundes, erklärt: „Momentan muss der Bäcker mehr für’s Mehl bezahlen, denn es gibt ein weltweit höheres Kaufaufkommen, enge Bilanzen und eine schwächere Ernte.“ Hintergrund: Viel Regen und wenig Sonne diesen Sommer lassen die Müller schlecht dastehen. Ein weiterer Grund für die Preiserhöhung bei Yorma’s war eine Lohnerhöhung für die Angestellten. Dazu kommen steigende Energiepreise.

Semmel-Schock: Ernährungshandwerke schlagen in Brandbrief Alarm

Daher schlagen nun auch die Bayerischen Ernährungshandwerke Alarm. „Es ist nicht mehr 5 vor 12, sondern 5 nach 12“, teilen die Spitzenverbände der Fleischer, Bäcker, Müller, Konditoren und Brauer in einem Brandbrief ans Wirtschaftsministerium mit. Sie warnen vor den Folgen der Preisexplosionen in den Bereichen Energie, Rohstoffe und Transport.

„Alle wesentlichen Kostenfaktoren steigen massiv“, sagt Stefan Stang, Hauptgeschäftsführer des Verbands Private Brauereien Bayern, stellvertretend für die Ernährungshandwerke. Das hat Konsequenzen für die Verbraucher. „Wir werden nicht umhinkommen, diese Preissteigerungen auf unsere Erzeugnisse umzulegen“, kündigt Stang an. Eine weitere Folge: Die Existenz zahlreicher kleiner und mittlerer Handwerksbetriebe sei bedroht.

Hubert Aiwanger nun gefordert

Lars Bubnick, Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes für das bayerische Fleischerhandwerk, fordert daher: „Es muss schnellstmöglich nach vernünftigen Wegen zur Reduzierung der Belastungen gesucht und ein Weg aus dieser Krise gefunden werden.“

Die Spitzenverbände nehmen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) und seine Politikerkollegen in die Pflicht, Auswege aus der Energiepreiskrise zu suchen und zu finden. Die Kritik der Ernährungshandwerke gilt vor allem der aktuellen Preispolitik der Energieversorgungsunternehmen.

Vorschlag: Erneuerbare Energien sollen ausgebaut werden

Ihre Lösungsvorschläge: Einzelne Energiekosten-Bestandteile wie Umlagen und Abgaben könnten zumindest zeitweise reduziert werden. So lange, bis es wieder mehr Preisstabilität und Kalkulierbarkeit gebe. „Laut Prognosen könnte das schon 2024 wieder der Fall sein, vermutet das Netzwerk“, heißt es in dem Brandbrief.

Ein weiterer Vorschlag ist, mehr auf erneuerbare Energie zu setzen. „Die konventionellen Energien wie Öl und Gas sind die Preistreiber, nicht die erneuerbaren Energien“, betont Josef Rampl. Ein schnellerer Ausbau der regenerativen Energien würde dafür sorgen, dass Energie bezahlbar bleibe. Auch um unabhängiger von internationalen Lieferanten zu werden, müsse der Zubau beschleunigt werden.

Die aktuelle Situation zwingt die Bäcker in jedem Fall, ihre Kalkulation zu überdenken. Stephan Kopp, Geschäftsführer vom Landes-Innungsverband, sagt: „Die zukünftigen Entwicklungen lassen sich schwer einschätzen.“ Klar ist: „Die Lage bleibt angespannt.“ *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Der nächste Preis-Schock: Stadtwerke München erhöhen den Gaspreis um 25 Prozent

Nächste Hiobsbotschaft für die Verbraucher: Die Stadtwerke erhöhen den Gaspreis zum 1. Januar um 25 Prozent. Strom verteuert sich um sechs Prozent.

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