Lehel: Das sind die Pläne für die Synagoge

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So stellt sich US-Star-Architekt Daniel Libeskind die neue liberale Synagoge im Lehel auf der Grünfläche "Am Gries" vor. Das Grundstück gehört der Stadt. Die Anwohner waren in einer Bürgerversammlung erfreut bis skeptisch

München - Daniel Libeskind will für die liberale jüdische Gemeinde im Lehel bauen. Erfahren Sie hier die konkreten Pläne des Star-Architekts.

Er hat die Pläne für das Jüdische Museum in Berlin geliefert und für das neue One World Trade Center am Ground Zero in New York. Jetzt will er in München eine Synagoge für die liberale jüdische Gemeinde bauen. Daniel Libeskind, New Yorker Nachfahre polnischer Juden, ist so etwas wie der Superstar der internationalen Architektur. Umso größer die Begeisterung bei der gerade mal 300 Mitglieder zählenden jungen jüdischen Gemeinde Beth Shalom, dass er für sie arbeiten will.

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Stararchitekt Libeskind plant neue Synagoge

Am Mittwoch stellte Libeskind seine Pläne für ein neues liberales jüdisches Gemeindezentrum vor. Die liberale jüdische Gemeinde Beth Shalom beruft sich auf das im 19. Jahrhundert in Deutschland entstandene liberale Judentum, das sich nicht zuletzt aufgrund der Vertreibung durch die Nationalsozialisten in den USA als prägende Richtung durchsetzte. Aus den USA nach München eingewanderte Juden waren ab 1990 nicht mit den Traditionen einverstanden, wie sie in der Münchner jüdischen Einheitsgemeinde IKG gepflegt werden, wo nach orthodoxen Traditionen Gottesdienste gefeiert werden. So sitzen in der Synagoge am Jakobsplatz Frauen und Männer getrennt, Frauen dürfen dort nicht aktiv am Gottesdienst teilnehmen.

Star-Architekt Daniel Libeskind.

1995 gründeten die liberalen Juden den Verein Beth Shalom (hebräisch: Haus des Friedens). Derzeit beten die liberalen Juden in einer behelfsmäßigen Synagoge in einem Wohnhaus in Thalkirchen. Schon seit Jahren ist die Gemeinde auf der Suche nach einem Grundstück für einen repräsentativen Neubau. Der soll nun im Lehel entstehen. Am Mittwoch stellte Libeskind seine Pläne im Jüdischen Museum vor. Jetzt will Beth Shalom die Spendentrommel für das Projekt rühren. Thomas Dahmen, Vorstandsvorsitzender der Gemeinde Beth Shalom, euphorisch: „Dieser Entwurf ist die Verbildlichung unseres Traums von einem eigenen Zuhause für das liberale Judentum in München und berücksichtigt zugleich die Bebauung der Nachbarschaft im Lehel.“

Bernhard Purin, Direktor des Jüdischen Museums, bezeichnet den Libeskind-Entwurf neben der bestehenden Synagoge als „Leuchtturm für die Architektur in München und für den zeitgenössischen Synagogenbau weltweit“. Modell und Entwürfe der liberalen Synagoge sind bis 29. Mai im Jüdischen Museum am Jakobsplatz zu sehen.

Johannes Welte

 

Die Geschichte der Münchner Juden und ihrer Gotteshäuser

 

1210: Herzog Max genehmigt den Bau einer Synagoge im „Judengäßlein“ im mittelalter­lichen Judenviertel (heute der Marienhof, wo derzeit gegraben wird). Der erste bekannte Münchner Jude ist 1229 „Abraham der Municher“. Es gibt wiederholt Pogrome, bis 1442 die Juden aus der Stadt vertrieben sind.

1824: Ende des 18. Jahrhunderts dürfen Juden wieder in München wohnen. 1815 wird die „Israelitische Kultusgemeinde München“ (IKG) gegründet, 1824 die Synagoge in der Westenriederstraße 7 gebaut, die bis 1882 besteht. Hier entsteht gerade ein Bürohaus. 1872 werden die Juden rechtlich gleichgestellt.

1882: In der Maxburgstraße wird die neue Hauptsynagoge eröffnet – als drittgrößtes jüdisches Gotteshaus Deutschlands. 1892 bauen konservative Juden nach Reformen in der Hauptgemeinde die Ohel-Jakob-Synagoge in der Herzog-Rudolf-Straße. Beide Synagogen werden 1938 von den Nazis zerstört.

1931: Aus Osteuropa vertriebene Juden errichten 1931 eine Synagoge in der Reichenbachstraße, die die Nazis 1938 verwüsten. Von 12 000 Münchner Juden werden 4500 ermordet, die übrigen fliehen. In München gestrandete Juden gründen 1945 die IKG neu und weihen die Synagoge 1947 wieder ein.

2006: Die IKG zieht in das neue Gemeindezentrum am Jakobsplatz mit der neuen Syna­goge Ohel Jakob. Die Gemeinde wuchs von 1946 bis heute von 2800 auf 9500 Mitglieder, viele davon aus Osteuropa. Aus den USA stammende Juden gründen 1995 die liberale jüdische Gemeinde Beth Shalom.

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