Eine falsch vergraben - eine vermisst

Leichen-Schlamperei am Ostfriedhof

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Leichen-Schlamperei am Ostfriedhof

München - Auf dem Ostfriedhof hat sich eine unfassbare Verwechslung ereignet: Die Friedhofsverwaltung brachte zwei Särge durcheinander und so kam es, dass bei einer Trauerfeier die Leiche fehlte.

Die ganze Familie hat sich auf dem Friedhof versammelt. Sie weinen um ihren Ehegatten, Vater und Opa. Nur einer fehlt bei der Trauerfeier: Die Leiche selbst – weil der Sarg verschwunden ist! Unfassbar: Die städtische Friedhofsverwaltung hat zwei Särge verwechselt.

Kriemhild Pöllath-Schwarz, Leiterin der Friedhofsverwaltung

Da hat eine Familie einen geliebten Menschen für immer verloren – und dann unterläuft den Mitarbeitern der Stadt so ein unverzeihlicher Fehler. „Der Vorfall ist erschütternd, traurig und bislang einzigartig – eine für die Angehörigen sicherlich belastende Situation, für die ich mich ausdrücklich und nachhaltig entschuldige“, sagt Kriemhild Pöllath-Schwarz, Leiterin der Friedhofsverwaltung. Angeblich haben die Mitarbeiter die Särge wegen einer Namensähnlichkeit vertauscht. Nach tz-Informationen unterscheiden sich die Vornamen und der Nachname in einem Buchstaben!

Anfang November stirbt ein 86-jähriger Mann aus dem Umland. Nennen wir ihn Hans Maier, seine Angehörigen möchten in all ihrer Trauer nicht mit Namen in der Zeitung stehen. Die Leiche kommt in die Kühlkammer am Ostfriedhof, weil offenbar noch einige Tage bis zur Bestattung anstehen.

Mitte November rückt ein Bestatter an und will einen ganz anderen Toten zur Beerdigung abholen. Nennen wir ihn in Anlehnung an den echten Namen Gerhard Maierl. Normalerweise wird dann die Sarg-Plakette mit den Daten des Toten geprüft. Doch hier geschieht der Fehler: Der Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung übergibt nicht die Leiche Gerhard Maierls, sondern die Leiche Hans Maiers! Der Bestatter fährt also mit dem falschen Sarg davon und es kommt, wie es kommen musste: Die Familie von Gerhard Maierl trauert um Hans Maier und beerdigt ihn nichtsahnend im eigenen Grab.

Hans Maiers Familie wiederum steht wenige Tage später fassungslos am Grab, der Sarg ist verschwunden! Sie und die Stadt schalten die Polizei ein. Die Friedhofsverwaltung sucht nach dem Sarg Gerhard Maierls – und findet ihn tatsächlich erst nach zwei Wochen in der Kühlkammer. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Störung der Totenruhe.

„Allein der Verdacht macht mich fassungslos“, sagt Pöllath-Schwarz. „Arbeitsrechtliche Konsequenzen könnten sich anschließen.“

S. Arbinger, D. Costanzo

11 000 Bestattungen pro Jahr

In die Verantwortung der städtischen Friedhofsverwaltung München fallen  insgesamt 28 Friedhöfe (wovon der alte Nordfriedhof und der alte Südfriedhof nicht mehr in Betrieb sind). Dazu gehören insgesamt circa 260 000 Grabstätten. Pro Jahr gibt es in München rund 11 000 Bestattungen, davon rund 60 Prozent in Erdgräbern und rund 40 Prozent in Urnengräbern.

Die größte städtische Gräberstätte ist der Waldfriedhof mit über 161 Hektar Fläche und 64 500 Grabstätten. Auch der Westfriedhof mit knapp 50 Hektar Fläche und 41 700 Gräbern ist sehr ausgedehnt. Der Ostfriedhof zählt bei knapp 26 Hektar Größe rund 34 000 Gräber.

Der kleinste Friedhof ist der Neuhauser, in dem es Platz für 175 Verstorbene gibt. Das zentrale Krematorium befindet sich im Ostfriedhof. Die Friedhofsverwaltung beschäftigt 320 Mitarbeiter, ihre Zentrale ist das Palais Lerchenfeld in der Damenstiftstraße. Die Stadt gibt jährlich rund 26 Millionen Euro für die Friedhöfe aus. 2009 erwirtschaftete die Stadt mit den Friedhöfen noch einen Überschuss von 3,11 Millionen Euro, voriges Jahr gab es rund 470 000 Euro Verlust.

Johannes Welte

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