Mietpreise explodieren

München leidet unter Gentrifizierung: OB sieht Bund in der Pflicht

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Alte Häuser wie hier in der Sailerstraße werden abgerissen und weichen Luxuswohnungen.

Kaum eine andere deutsche Großstadt leidet so unter Gentrifizierung wie München. Das heißt: Häuser werden luxussaniert, Mietpreise explodieren, ganze Bevölkerungsschichten werden vertrieben. OB Reiter sieht den Bund in der Pflicht.

Ein wichtiges Instrument, um hier gegenzusteuern, ist die Erhaltungssatzung. Derzeit existieren in München 20 Erhaltungssatzungsgebiete, in denen etwa 250.000 Einwohner in rund 140.000 Wohnungen leben. In diesen Vierteln bedarf es bei einer beabsichtigten Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen der Zustimmung der Stadt.

OB Reiter (SPD) wendet sich an den Bund.

OB Dieter Reiter (SPD) fordert nun bessere Einflussmöglichkeiten für Kommunen, um die fortschreitende Gentrifizierung einzudämmen. Daher hat sich Reiter in einem Schreiben an Bundesumwelt- und Bauministerin Barbara Hendricks (SPD) gewandt. Bestehende gesetzliche Regelungen müssten erweitert werden, so der OB. Reiter: „Die Städte brauchen endlich wirksame Instrumente gegen die Gentrifizierung – nicht nur in Erhaltungssatzungsgebieten, sondern im gesamten Stadtgebiet.“ Der OB plädiert dafür, den Genehmigungsvorbehalt bei der Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen auf das ganze Stadtgebiet auszuweiten. Die Regelung solle künftig für alle Städte mit erhöhtem Wohnungsbedarf gelten.

Ferner will Reiter die Position der Mieter stärken, indem die sogenannte Veräußerungssperrfrist von derzeit sieben auf zehn Jahre erhöht wird. Diese gilt in Erhaltungssatzungsgebieten ab dem Zeitpunkt der Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen. Während der Sperrfrist ist ein Verkauf der Wohnungen nur an den jeweiligen Mieter zulässig. Ein weiterer Vorschlag: Statt bisher elf Prozent der Modernisierungskosten sollten pro Jahr nur noch acht Prozent auf die Miete umgelegt werden dürfen. Schließlich fordert Reiter, die Erhaltungssatzung auf alteingesessene Gewerbebetriebe im Bereich des Handwerks, Einzelhandels und der Gastronomie anzuwenden. „Damit könnte erreicht werden, dass die Viertel weiterhin lebendig und gemischt bleiben“, sagt Münchens Stadtoberhaupt. 

Lesen Sie auch unsere achtteilige Serie „Suche nach dem echten Schwabing“ und den Bericht über den Abriss der hübschen Häuschen an der Sailerstraße in Schwabing. Außerdem könnte Sie der Bericht „Attacke auf die Luxussanierer: Vandalen zerstören Bürofassade“ interessieren. 

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