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Radl-Autobahn eine „Schnapsidee“? Stadträte über Pläne für Leopoldstraße schockiert

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Von: Klaus Vick

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München/Leopoldstraße: Radschnellweg  -  Stadträte über Pläne schockiert
Radeln oder parken? An der Umgestaltung der Leopoldstraße scheiden sich die Geister. © Markus Götzfried

München soll einen Radschnellweg vom Zentrum bis an den Stadtrand (9,1 Kilometer) bekommen. Nun ist ein Streit um die Leopoldstraße entbrannt.

München - Ein Radschnellweg auf Kosten von 840 Parkplätzen? Der Stadtrat stellt am Donnerstag verkehrspolitische Weichen für die Leopoldstraße. Die CSU bezeichnet den geplanten Radl-Highway von Schwabing bis an den Stadtrand als „Schnapsidee“, SPD und Grüne sind dafür.

Bürgermeister Manuel Pretzl (CSU) und die OB-Kandidatin seiner Partei, Kristina Frank, kommen an diesem sonnigen Mittwoch mit dem Fahrrad zu dem Pressetermin im Herzen Schwabings. Soll ja gesund sein. Aber der Ausbau des Radwegenetzes in der Stadt hat nach Ansicht der beiden CSU-Politiker seine Grenzen. Die würden Frank und Pretzl zum Beispiel entlang der Leopoldstraße ziehen.

Radl-Autobahn durch Schwabing - CSU wenig begeistert 

Was die Stadtverwaltung dort vorschlägt und am Donnerstag im Planungsausschuss beschlossen werden könnte, ist laut Pretzl „reine Symbolpolitik“ – zum Schaden der Autofahrer, der Gewerbetreibenden und auch des ÖPNV, wie der Bürgermeister betont. Denn: Gemäß den Vorstellungen des Planungsreferats soll es für die Radler auch eine grüne Welle geben, was die zahlreich verkehrenden Linienbusse auf der Leopoldstraße ausbremsen könnte. „Das ist ein Paradigmenwechsel und die falsche Prioritätensetzung“, wettert Pretzl. Derzeit sind durchschnittlich 25.000 Radfahrer pro Tag auf der Leopoldstraße unterwegs. Mit dem Bus werden pro Tag rund 205.000 Fahrgäste befördert. Auch die Tramlinie 23 passiert quer.

Der örtliche CSU-Stadtrat Thomas Schmid befürchtet unterdessen eine Verlagerung des Park-Suchverkehrs in die Nebenstraßen. Er sei schockiert über diese „Schnapsidee“. Nahezu alle Gewerbetreibenden lehnten den Wegfall der Parkplätze ab. Seine Schwabinger CSU-Kollegin Dorothea Wiepcke prangert an, dass stadtauswärts für die Verbreiterung der Radwege zahlreiche Bäume gefällt werden müssten. Und die Radlbeauftragte der Partei, Sabine Bär, verweist auf das Problem mit dem Lieferverkehr.

Radschnellweg vom Zentrum bis zur Stadtgrenze - so verläuft die Route

Der Plan der Stadtverwaltung sieht vor, auf einer Strecke von 9,1 Kilometern einen Radschnellweg vom Zentrum bis zur Stadtgrenze zu bauen. Die Route würde vom Karlsplatz über Maximiliansplatz, Brienner Straße, Odeonsplatz, Ludwigstraße, Leopoldstraße bis zur Ingolstädter Straße führen. Rund 840 Parkplätze müssten geopfert werden, wobei das Planungsreferat meint: „Im Bereich der nördlichen Leopoldstraße und der Ingolstädter Straße besteht kein nennenswerter Parkdruck.“ Auf 97 Prozent der Gesamtstrecke könnte der Verwaltung zufolge eine optimale Ausbaubreite von drei Metern plus 75 Zentimetern Sicherheitstrennstreifen zu den Autos realisiert werden. 24 Millionen Euro soll das Projekt kosten. Dank der Breite und der geplanten grünen Welle könnte die Stadt auf viel Geld aus den Fördertöpfen von Land und Bund hoffen.

Radschnellweg in München: Konzept noch nicht ausgereift?

SPD und Grüne befürworten den Radschnellweg zwar grundsätzlich, halten das Konzept aber noch nicht für ausgereift. Mit Blickrichtung auf den ÖPNV und den Baumschutz teilen beide Parteien die Bedenken der CSU. OB Dieter Reiter sagt: „Ein Radschnellweg darf nicht bedeuten, dass dadurch der öffentliche Nahverkehr beeinträchtigt wird.“ Grundsätzlich sei es aber richtig, dem Radverkehr mehr Platz zu geben. Dies habe übrigens auch die CSU bei einem Hearing im Februar so gesehen. Reiter: „Weniger Autos bedeuten gleichzeitig auch mehr Lebensqualität und mehr Platz für die Menschen.“

Die Radverkehrsbeauftragte der SPD-Stadtratsfraktion, Bettina Messinger, sagt an die Adresse der CSU: „Wer die Planung grundsätzlich blockiert, sperrt sich dagegen, in unserer Stadt verkehrspolitisch überhaupt etwas auf den Weg zu bringen.“ Von den wegfallenden Stellplätzen liege nur ein Teil in den Parklizenzgebieten für Anwohner. Allerdings ist auch für Messinger klar, dass es auf der Leopoldstraße „eine rein auf den Radverkehr ausgerichtete Priorisierung nicht geben darf“. Grünen-Fraktionschefin und OB-Kandidatin Katrin Habenschaden erklärt: „Das Projekt ist ein wichtiger Baustein für die Förderung des Radverkehrs und damit für die Verkehrswende in München insgesamt.“ Ungeachtet dessen müssten die Zuverlässigkeit des ÖPNV und der Baumschutz gewährleistet bleiben.

OB-Kandidatin Frank hält Plan der Stadt für gefährlich

Stefan Hofmeir von der Aktion Münchner Fahrgäste lässt indes am Mittwoch verlauten: „Selbstverständlich brauchen wir bessere Fahrradrouten, aber der ÖPNV muss weiterhin höchste Priorität bei den Ampelschaltungen haben.“ Von den Bezirksausschüssen Schwabing-Freimann und Milbertshofen wurde der Radschnellweg mehrheitlich befürwortet, allerdings auch gegen den Widerstand der örtlichen CSU.

OB-Kandidatin Kristina Frank hält den Plan der Stadt unterdessen noch unter einem anderen Blickwinkel für gefährlich: „Wir müssen in München aufpassen, dass die Aggressivität der Verkehrsteilnehmer nicht weiter zunimmt.“ Kein Verkehrsmittel sollte gegen das andere ausgespielt und „das Auto nicht verteufelt“ werden.

In einem bundesweiten Vergleich der Radlfreundlichkeit schneidet die Isarmetropole überraschend schlecht ab. Der Ranking-Platz von München ist beschämend.

Leopoldstraße in München - Das sagen die Betroffenen

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Autos sind hier eigentlich nicht nötig, meint dieser Geschäftsmann. © Markus Götzfried
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„Es ist jetzt schon schwer einen Parkplatz zu finden“, meint dieser Autofahrer. © Markus Götzfried
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© Markus Götzfried
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Die Fußgängerin. © Markus Götzfried
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Der MVG-Fahrgast. © Markus Götzfried

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