Aktuell 41 Schüler als Richter aktiv

Münchens jüngste Richter - dieses Schülergericht erarbeitet Strafen gemeinsam mit den Verdächtigen

Münchens erstes Schülergericht: Es fällt gemeinsam mit Gleichaltrigen Urteile über das Strafmaß.
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Münchens erstes Schülergericht: Es fällt gemeinsam mit Gleichaltrigen Urteile über das Strafmaß.

Wenn Jugendliche erstmals auf die schiefe Bahn geraten, können sie statt vor Gericht künftig auch bei diesen Gleichaltrigen landen - Münchens erstem Schülergericht.

München - Klauen, beleidigen, verletzen: Dass Jugendliche auf die schiefe Bahn geraten, kommt vor. Was selten ist: Dass sie ihre Tat zusammen mit Gleichaltrigen aufarbeiten. Und sich gemeinsam eine angemessene Strafe überlegen.

Genau diesen Ansatz verfolgt das Projekt „Local Voices – Munich Teen Court“ der Staatsanwaltschaft München* in Zusammenarbeit mit dem Verein „Die Brücke München“. Bayernweit gibt es die Schülergerichte schon seit 20 Jahren, seit November nun auch in München.

„Wichtiger Beitrag, wie junge Menschen einen Dialog auf Augenhöhe führen können“

Der Hintergrund: Die Staatsanwaltschaft kann in geeigneten Fällen von einer Strafverfolgung absehen – zum Beispiel, wenn die Beschuldigten an diesem Projekt teilnehmen. Justizminister Georg Eisenreich (CSU) hat das Projekt am Donnerstag im Erasmus-Grasser-Gymnasium (Sendling-Westpark) vorgestellt: „Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag, wie junge Menschen einen Dialog auf Augenhöhe führen können und gemeinsam Sanktionen erarbeitet werden können.“ Auch die Schülerrichter hätten etwas davon: Sie setzen sich mit dem Rechtsstaat auseinander und leisten einen wichtigen Beitrag zur Gesellschaft, so Eisenreich.

Schüler können sich bewerben und werden dann entsprechend geschult. Danach übernehmen sie Fälle – bis zu 100 im Jahr. Aktuell sind 41 Schüler als Richter aktiv. Nur, wenn die straffälligen Jugendlichen die erarbeiteten Sanktionen nicht ernst nehmen oder nicht durchziehen, geht der Fall zurück an die Staatsanwaltschaft. Das komme aber sehr selten vor, so Staatsanwältin Sonja Orel.

Betrunken ein Baustellenschild geklaut - Strafe ist ein Mini-Podcast über das Thema

Schülerrichter Leonard Nube (16) berichtet von einem Fall: Ein Jugendlicher klaut betrunken ein Baustellen-Schild und wird von der Polizei erwischt. Die Strafe der Schülerrichter: Der Täter muss einen Mini-Podcast über das Thema erstellen, in dem er reflektieren soll, was passiert ist.

Nora El Shershaby (17) erzählt über ihre Tätigkeit als Schülerrichterin: „Es ist eine Erfahrung, die ich nie vergessen werde. Es ist toll, gemeinsam mit den Ersttätern eine angemessene Strafe zu erarbeiten.“

Die möglichen Sanktionen reichen vom Schreiben eines Aufsatzes bis zum Ableisten von Sozialstunden leisten. Eisenreich: „Dadurch, dass die Sanktionen gemeinsam erarbeitet werden, ist die Akzeptanz auch entsprechend höher.“ Das führe wiederum auch dazu, dass die Rückfallquoten der straffälligen Jugendlichen niedriger seien. - LEONI BILLINA - *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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