Forderung: Bars und Clubs öffnen

Wirte wegen Plänen für Münchner Feiermeile stocksauer: „Kostet auch noch Steuergelder“

Die Ludwigstraße soll als Partymeile herhalten.
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Die Ludwigstraße soll als Partymeile herhalten.

Nach den Innenstadthändlern lehnen sich jetzt auch die Wirte gegen die Idee einer Feiermeile auf der Ludwigsstraße auf.

Update vom 25. Juni: Der Stadtratsbeschluss, die Ludwigstraße von Odeonsplatz bis Ohmstraße an den Wochenenden von 22 bis 2 Uhr für den Verkehr zu sperren, hat nicht nur die Innenstadthändler und den Hotel- und Gaststättenverband Bayern erzürnt (wir berichteten). Jetzt macht auch die Bar-Legende Charles Schumann (79, Betreiber u. a. von Schumann’s Bar am Hofgarten) seinem Ärger Luft. In einem Brandbrief gegen die Feiermeile beschreibt er seinen Unmut.

Seit die Gastronomie wieder bis Mitternacht geöffnet werden darf, seien vom frühen Abend bis weit nach Mitternacht größere Gruppen von Menschen unterwegs, schreibt Schumann. „Deren Auftreten ist oft furchteinflößend und macht Angst.“ Ständiger Polizeieinsatz sei notwendig. Und jetzt dieser Beschluss: „Nun geben Sie die Straße auf!“, schreibt der 79-Jährige und fragt: „Ist das wirklich eine gute Idee oder nur eine Verzweiflungstat?“ Er fragt, was Bar- und Gaststättenbetreiber wie er machen sollen – alles „verbarrikadieren“? Oder mitmachen und kistenweise Alkohol verkaufen? Oder gar aufgeben?

Man müsse doch für den Schutz der Mitarbeiter und Gäste sorgen, das Toilettenproblem müsse gelöst, die Unmengen von Müll und Flaschen müssten entsorgt werden – und ganz wichtig: Auch die Einhaltung der Corona-Bestimmungen müsse auf der geplanten Feiermeile kontrolliert werden!

Schumann: „Ich halte den Plan für nicht ausgegoren“

Gaststätten und Bars hätten das gut im Griff. Aber wie wolle man das bei diesen Menschenmassen auf der Straße gewährleisten? Schumann tun jetzt schon die Polizisten leid, die auf der Feiermeile ihren Dienst versehen müssen.

Der 79-Jährige kritisiert, man solle vor so einem Beschluss erst die Bewohner der anliegenden Gebäude, zum Beispiel in der Galeriestraße, und auch die Gewerbetreibenden an einen Tisch holen.

Dass den Anwohner in der Türkenstraße der Lärm und der Müll zu viel wird, versteht Charles Schumann gut, sagt er. Aber: „Ich halte den Plan für nicht ausgegoren. Sie sagen: Wir probieren das jetzt mal aus. Aber das muss vorher genau organisiert werden.“ Hier werde der Begriff „Freiheit“ missverstanden. „Freiheit verlangt großes Verantwortungsbewusstsein.“ Wie berichtet, soll es ohnehin noch dauern, bis es zur Feiermeile kommt – mindestens zwei Wochenenden.

Münchens neuer Feiermeile schlägt hohe Wellen

Meldung vom 24. Juni: München - Münchens neue Feiermeile schlägt hohe Wellen. Der Stadtrats-Beschluss, die Ludwigstraße von Odeonsplatz bis Ohmstraße an den Wochenenden von 22 bis 2 Uhr für den Verkehr zu sperren, um Raum zum Feiern zu geben, erzürnte bereits die Innenstadthändler erzürnt. Nun kritisiert der Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Bayern die Entscheidung.

Ein Grund für die Entscheidung war, die Türkenstraße zu entlasten, wo jüngst Freiluftpartys Anwohner und der Verkehr* störten. Der DEHOGA-Kreisvorsitzender des Verbandes, Wiesn-Wirt Christian Schottenhamel, erklärt seinen Ärger: „Nach vielen Monaten geschlossener Gastronomiebetriebe ist dies das falsche Signal aus dem Rathaus. Unsere Bars, Diskotheken und Clubs stehen in den Startlöchern zur Öffnung, haben sichere Konzepte entwickelt.“ Es gäbe vielerorts extra Teststationen, Apps zur Registrierung und Lüftungsanlagen. Kreisgeschäftsführerin Daniela Ziegler, betont, man wünsche sich eine Öffnung einzelner Clubs und Bars mit Hygienekonzepten für Getestete, Geimpfte und Genesene. „Wer aber kontrolliert die Massen auf der Ludwigstraße?“

Feiermeile in München: Für Schottenhamel sind viele Corona-Regeln nicht nachvollziehbar

Für Schottenhamel erscheint auch fragwürdig, warum Kulturschaffende mit Hygienekonzept im Freien nur 500 Menschen unter strengen Vorgaben zu Veranstaltungen einlassen dürften – aber nun auf der Straße „regelrechte Massenansammlungen“ wahrscheinlich auch unter Alkoholeinfluss erlaubt und toleriert würden. Schottenhamel: „Und dann kostet das Ganze auch noch Steuergelder.“

Kreisvorsitzender der Dehoga, Christian Schottenhammel, ist sauer auf die Idee aus dem Rathaus.

Allerdings wird es noch dauern, bis die Feiermeile kommt: Auf Beschluss des Stadtrates befasste sich am Donnerstag (24. Juni) der städtische Stab für außergewöhnliche Ereignisse mit der Feiermeile. Ergebnis: An den kommenden beiden Wochenenden wird es „zumindest noch“ keine Sperre der Ludwigstraße geben. Es sollen auch Erfahrungen mit dem Glasverbot auf der Türkenstraße ausgewertet werden. *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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