Zum Drogentreff verkommen

Anwohner trauen sich nicht mehr in Park - Stadträtin schlägt Alarm

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Beim Spaziergang mit ihrem Hund im Luitpoldpark entdeckt Stadträtin Evelyne Menges immer wieder Überbleibsel harten Drogenkonsums.

Ein Kleinod, mitten in der Stadt: So sehen Anwohner in Schwabing ihren Luitpoldpark. Zuletzt wurden dort aber immer häufiger Spritzen und Drogenreste aufgefunden. 

München - Dutzende Spritzen liegen im Gebüsch, teilweise klebt noch Blut daran. Gleich daneben: Verpackungen und Fixer-Besteck. Wo täglich Tausende Münchner spazieren gehen, hat sich klammheimlich ein Drogenumschlagplatz entwickelt: Mitten im Schwabinger Luitpoldpark haben Anwohner in den vergangenen Wochen immer wieder die Überbleibsel von hartem Drogenmissbrauch entdeckt – und sind in Sorge. Verkommt der Park zum Junkie-Treff? Hat sich gar eine offene Drogenszene hierher verlagert?

München: Im Luitpoldpark floriert der Drogenhandel

„Die Situation ist katastrophal“, sagt CSU-Stadträtin Evelyne Menges. „Ich bin seit mehr als 20 Jahren am Luitpoldpark unterwegs. Aber so etwas habe ich hier noch nie gesehen.“ Mit ihrem Hund geht Menges gerne im Park spazieren, auch ihre Kanzlei liegt ganz in der Nähe. „Erst am Freitag habe ich wieder Spritzen gefunden“, sagt die Anwältin. „Das ist nicht hinnehmbar, denn hier spielen auch viele Kinder.“

Für Menges ist der Luitpoldpark ein Münchner Kleinod. Eine grüne Oase mitten in der Stadt. Jogger, Familien und Senioren sind hier gerne unterwegs. Aber neuerdings floriert der Drogenhandel. „Da hört die Toleranz für mich auf“, sagt die Stadträtin. Zumal es für Suchtkranke in der Emanuelstraße, wenige hundert Meter entfernt, eine Betreuungsstelle von Condrobs gibt.

Beim Rundgang vor Ort hat sich unsere Zeitung bereits vergangenen Freitag von der Situation im Luitpoldpark überzeugt: Während die Gehwege und Wiesn normal scheinen, sieht man schon wenige Meter abseits eindeutige Rest von hartem Drogenkonsum. „Abends traue ich mich nicht mehr alleine durch den Park“, sagt eine Anwohnerin. Auch die Polizei habe sie schon informiert. „Da muss mal massiv durchgegriffen werden. Viele Wohnhäuser sind ja ganz in der Nähe“, findet die Frau, die anonym bleiben möchte. „Wer weiß, wer hinter diesen Drogengeschichten steckt“, sagt sie. Und fügt mit ernstem Blick an: „Hier im Viertel haben viele Angst.“

Spritzen in den Gebüschen des Luitpoldparks: Verletzungsgefahr für spielende Kinder und Hunde. 

Evelyne Menges kennt die Sorgen der Schwabinger Anwohner. „Mein Ziel ist, dass die Polizei im Luitpoldpark engmaschiger kontrollieren wird und auch Sozialarbeiter unterstützend tätig werden.“ Im Stadtrat stellte Menges am Dienstag einen entsprechenden Antrag. Zudem fordert sie vom Baureferat, dass städtische Mitarbeiter öfter als bisher nach dem Park schauen und den Abfall beseitigen sollen.

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Drogen-Problematik im Luitpoldpark: Polizei hat die Sache im Blick

Drogen und Müll im Luitpoldpark? Bei dem Thema gibt sich die Stadt ahnungslos. „Aktuell liegen dem Baureferat keine Beschwerden dieser Art vor“, teilte ein Sprecher auf Nachfrage unserer Zeitung bereits am Freitag mit. Dazu der Hinweis: Die Polizei könne hier besser Auskunft geben.

Im Münchner Polizeipräsidium hingegen hat man die Situation im Luitpoldpark dagegen sehr genau registriert. Und sofort reagiert: Bereits nach ersten Hinweisen für Anwohnern schickte die Polizei noch vor dem Wochenende eine zivile Streife nach Schwabing.

Im Luitpoldpark gelte grundsätzlich die Grünanlagensatzung, heißt es vom Baureferat: Drogenkonsum ist im Park natürlich verboten, ebenso wie die Verschmutzung durch Müll. Bei der Polizei gilt der Park bisher nicht als Drogenschwerpunkt. „Aufgrund aktueller Hinweise von Bürgern werden wir unsere Überwachungsmaßnahmen aber verstärken, um uns ein aktuelles Lagebild zu verschaffen“, sagt Polizeisprecher Sven Müller. Die Polizei könne den Drogenkonsum in der Stadt nicht verhindern. „Unser Ziel ist es aber, keine offene Drogenszene entstehen zu lassen.“

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Nicht nur der Luitpoldpark ist ein Treffpunkt für Konsumenten harter Drogen.Im April stach sich ein Bub (5) am Georg-Freundorfer-Platz (Schwanthalerhöhe) an einer Spritze. Eine umgekehrte Wandlung, nämlich vom Drogenumschlagplatz zum Biergarten, widerfuhr dem Nußbaumpark am Sendlinger Tor. 

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