Spuren ins Nichts

Parallelen zu Maddie McCann: Münchnerinnen, die verschollen sind - in einem Fall beginnt der Mordprozess

Im Truderinger Forst suchte die Polizei nach den beiden Frauen, fanden aber nur eine Fußmatte voller Blut
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Im Truderinger Forst suchte die Polizei nach den beiden Frauen, fanden aber nur eine Fußmatte voller Blut.

Immer wieder verschwinden Menschen spurlos. Wie Maddie McCann, von der es seit 2007 kein Lebenszeichen mehr gibt, werden auch Tatiana und Maria Gertsuski aus München vermisst.

  • Im Fall Maddie McCann aus Großbritannien bahnt sich nach Jahren der Ungewissheit ein Durchbruch an.
  • Auch in München gibt es Vermisstenfälle, die für Aufsehen sorgten - und nach wie vor ungeklärt sind.
  • Im Sommer 2019 sind Maria (41) und Tatiana (16) Gertsuski verschwunden - im November beginnt der Mordprozess.
  • Alle wichtigen Geschichten aus München gibt es in unserer App.

München - Ausgerechnet der eigene Partner und Stiefvater soll es gewesen sein. Der Mann, der Maria (41) und und Tatiana (16) Gertsuski am nächsten gewesen ist. Gegen Roman H. (44) hat die Staatsanwaltschaft bereits im März Anklage wegen Mordes erhoben – er wird beschuldigt, die Frauen getötet zu haben. Bis heute sind beide vermisst – trotzdem muss H. vor Gericht. Nach Informationen unserer Zeitung wird der Mordprozess gegen den Deutschrussen im November am Landgericht München I beginnen.

Tatiana (16) und Maria (41) Gertsuski sind seit Juli 2019 vermisst, Roman H. (44) soll sie ermordet haben.

Prozess in München um den Vermisstenfall Maria (41) und Tatiana (16) Gertsuski

Schon knapp eine Woche nach dem Verschwinden der Frauen wurde Roman H. als dringend tatverdächtig festgenommen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Seine Verteidiger Tom Heindl und Riccarda Lang sagen: „Unser Mandant macht derzeit keine Angaben.“ Und das werde vermutlich auch so bleiben. Für den geplanten Prozess gebe es nur schwache Indizien, kritisiert Heindl. „Die Beweisführung der Staatsanwaltschaft halten wir für lückenhaft, weil noch gar nicht geklärt ist, ob die beiden Frauen tot sind.“

Der Fall Gertsuski hatte im Sommer 2019 für Aufsehen gesorgt. Seit fast einem Jahr gibt es kein Lebenszeichen von Mutter und Tochter mehr. Am 13. Juli 2019 wollten Maria (41) und Tatiana (16) Gertsuski aus Ramersdorf ins Perlacher Einkaufszentrum. Dort wurden sie jedoch nie gesehen. Wochenlang durchkämmten Hunderte Polizisten Waldgebiete, unter anderem tagelang den Truderinger Forst. Hunde wurden eingesetzt, Taucher suchten im See. Gefunden wurden eine Fußmatte und ein Teppich aus der Wohnung der Familie. Sie lagen abseits eines Waldweges im Dickicht, an beiden fanden die Ermittler das Blut der vermissten Frauen.

Doch bis heute sind Mutter und Tochter immer noch verschwunden. „Wir haben alle möglichen Ablageorte abgesucht, die sich aufgrund unserer Ermittlungen ergeben haben“, erklärt Polizeisprecher Sven Müller. Sollten sich neue konkrete Hinweise ergeben, werde die Suche sofort wieder aufgenommen. Derzeit gebe es jedoch keinen neuen Anhaltspunkt.

Mordfall Daniela Karaffa: Verurteilung erst viele Jahre später

Zu einer spektakulären Wende in einem vergleichbaren Fall kam es vor sieben Jahren. Damals war die zweifache Mutter Daniela Karaffa (36†) 14 Monate lang spurlos verschwunden. Ihr Ex-Lebensgefährte Bülent A. (50) wurde zwei Wochen nach ihrem Verschwinden wegen Mordverdachts in U-Haft genommen. A. bestritt, seiner Ex-Freundin etwas angetan zu haben. Damals hatte sich die Anklage beim „Mord ohne Leiche“ bereits auf einen reinen Indizienprozess eingestellt. In einem anonymen Schreiben, das bei der Staatsanwaltschaft eingegangen war, gab jemand den Ermittlern kurz vor Prozessbeginn den Hinweis, dass menschliche Knochenteile im Kapuzinerhölzl liegen.

Tatsächlich fanden Ermittler dort die sterblichen Überreste von Daniela Karaffa. Ihr Ex-Partner wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. „Jeder Fall ist anders“, sagt Sven Müller. Nicht selten bekommen Ermittler nach vielen Jahren noch Hinweise zu Verbrechen und kommen so erst auf die entscheidende Spur. So wie jetzt womöglich nach 13 Jahren noch geklärt wird, was damals mit der kleinen Maddie McCann in Portugal geschah.

Vermisstenfälle: Auch diese Fälle aus München und Oberbayern sind noch ungeklärt

  • Sieglinde Haim aus Schondorf am Ammersee ist vom Einkaufen nie zurückgekehrt. Seit dem 3. April 2020 wird die 66-Jährige vermisst. Unterstützt von Suchhunden und einem Hubschrauber führten Polizisten umfangreiche Suchmaßnahmen durch, bislang leider ohne Erfolg.
  • Ihre Handtasche lag in Erding am Kronthaler Weiher, Monika Liebl* (41) aber ist seit dem 21. Juli 2007 nicht mehr gesehen worden. Ihr „Ford Ka“ war an diesem Tag in der Erdinger Innenstadt abgestellt.
  • Mehr als 25 Jahre lang fehlt schon jede Spur von Sonja Engelbrecht*. Am frühen Morgen des 11. April 1995 begleitete die damals 19-jährige Laimerin einen Freund nach einem Discobesuch zum Stiglmaierplatz. Ab etwa 2.30 Uhr wurde die junge Frau nicht mehr gesehen.

    *tz.de und Merkur.de sind Angebote des bundesweiten Ippen Digital Redaktionsnetzwerks

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