„Fridays gegen Altersarmut“

„Fridays gegen Altersarmut“: Rentner planen Mahnwache am Marienplatz - „Das ist eine Riesensauerei“

Kleine Renten, Armut im Alter: Viele sind bereit, dagegen auf die Straße zu gehen. Für München sind bereits an zwei Terminen Rentner-Demos angekündigt.

  • Die Gruppe „Fridays gegen Altersarmut“ ist Organisator von Protesten gegen Armut im Alter.
  • Über 260.000 Menschen sind beigetreten.
  • Für München sind zwei Termine für Demos geplant.

München - Gerade mal drei Monate ist es her, dass die Faceboo k- GruppeFridays gegen Altersarmut“ gegründet wurde – mittlerweile ist sie der Dreh- und Angelpunkt einer bundesweiten Bewegung, der sich immer mehr Rentner anschließen. 261.831 waren es bis Dienstagnachmittag, die keine Lust mehr haben zu schweigen. Die nicht mehr hinnehmen wollen, dass nach langen Arbeitsjahren oft nur mehr kaum etwas fürs Alter übrig bleibt. Für den 28. März ruft der Sozialverband VdK zu einer Riesendemo gegen Minirenten in München auf. Schon in zwei Wochen wollen die Senioren von „Fridays gegen Altersarmut“ selbst ein Zeichen setzen.

Sie planen für den 24. Januar eine Mahnwache auf dem Marienplatz. „Wir machen keine Demonstration und auch keine Kundgebung“, erklärt Organisatorin Christine Ohrmann. Es gibt also keine Absperrgitter oder Megafone, die zum Einsatz kommen. Stattdessen soll von 14 bis 17 Uhr mit einer stillen Mahnwache auf das Thema Altersarmut aufmerksam gemacht werden. Noch ist unklar, wie viele Teilnehmer kommen könnten. „Das Ganze hat eine Eigendynamik bekommen“, sagt Ohrmann. Derzeit haben in dem sozialen Netzwerk fast 100 Interessierte ihr Kommen zugesagt. Geteilt haben den Aufruf aber schon 294 Menschen. „Ich bin gespannt“, sagt die 61-Jährige, die im engen Kontakt mit den Behörden steht. „Derzeit verbringe ich bis zu drei Stunden am Tag am Telefon“, sagte die ehemalige Buchhalterin eines mittelständischen Unternehmens, die erst seit Dezember im Ruhestand ist.

„Deutschland ist doch stinkreich“

Zu ihren Gesprächspartnern hat in den vergangenen Tagen Karl Enzenhofer gehört. Er setzt sich dafür ein, dass der Termin für die Mahnwache bekannt wird. Warum? Für ihn ist es schwer erträglich, wenn er sieht, wie Senioren an Bahnhöfen von Mülleimer zu Mülleimer ziehen, weil sie nach Pfandflaschen suchen. „Und das bei uns. Deutschland ist doch stinkreich. Das kann alles nicht sein“, sagt der 66-Jährige.

Vor allem in einer so teuren Stadt wie München mit ihren hohen Mieten und Lebenskosten würden sich vieleSenioren schwer tun, ein gutes Leben zu führen. „Für alle ist Geld da, nur nicht für die Rentner. Das ist eine Riesensauerei, da muss gegengesteuert werden.“

Deshalb will Enzenhofer, der über zwei Jahrzehnte bei der Stadt München als Bautechniker in verschiedenen Referaten angestellt war, nun auf die Straße gehen. Auf Facebook ist ihm die neue Bewegung „Fridays gegen Altersarmut“ aufgefallen. Er ist sofort Mitglied in der Gruppe geworden.

„Fridays gegen Altersarmut“ in München: Mahnwache am 24. Januar und Großdemo im März

Auch Friedrich Georg hat vor, an der Mahnwache am 24. Januar teilzunehmen. Gleiches gilt für die VdK-Großdemo im März. Das Thema Rente bewegt ihn, er diskutiert viel darüber. Bei seinem Sozialdienst im Altenzentrum in Fürstenried West oder bei regelmäßigen politischen Stammtischen. Was ihn aufregt, sind die Unterschiede, die es bei der Besteuerung von Arbeitnehmern und Rentnern gibt. Dass erstere umfassend Werbungskosten geltend machen können, während dies bei Senioren arg eingeschränkt ist. Ungerecht findet er das. Zum Beispiel deshalb, weil der 75-Jährige seinen Sohn beim Studium mit einer Wohnung unterstützt und das nicht angerechnet wird. Deshalb ruft Georg, der im Technikbereich der Raumfahrt gearbeitet hat, per Manifest Rentner zu einem Steuerstreik auf. Zu „passivem Widerstand“ durch Verzögerungen und immer neue Einsprüche.

Nadja Hoffmann

SPD-Chef Norbert Walter-Borjans überrascht mit dem Vorschlag einer neuen Steuer. Auf Twitter löst das einen Shitstorm aus.

Die Mieten in München stagnieren regelrecht - erstmals seit Jahren. Doch der Stopp auf Rekordhoch ist nicht unbedingt ein Grund zur Freude.

Währenddessenkündigt die „Fridays For Future“-Bewegung Proteste an. Grund ist die Entscheidung von Siemens für ein Kohleprojekt in Australien.

Rubriklistenbild: © Marcus Schlaf

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