Eric Hoffmann findet keine Bleibe

Wohnungsnot! Dieser Münchner lebt im Zug

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Eric Hoffmann.

Der 25-jährige Eric Hoffmann findet partout keine Wohnung in München. Gut für ihn, dass er aus seinem alten Job noch eine BahnCard 100 I. Klasse hat - dank dieser wohnt er Videospielredakteur im Zug.

Einen Wochenendausflug ans Meer? Für Eric Hoffmann normal. In den vergangenen fünf Monaten war er fast jedes Wochenende auf Rügen oder Sylt, in Hamburg, in Westerland oder Sankt Peter Ording. Aber wer dem 25-Jährigen jetzt das pure Luxusleben unterstellt, der liegt falsch. Der Münchner Videospielredakteur wohnt im Zug, weil er in der Bayern-Metropole keine Wohnung findet. Ja, nicht einmal ein Zimmer hat er bekommen, obwohl er auf Hunderte von Inseraten geantwortet hat.

„Man gewöhnt sich daran, immer unterwegs zu sein, und irgendwann ist man Reiseprofi und plant das Wochenende so, dass man nirgends länger als eine halbe Stunde an einem Bahnhof steht“, sagt Eric. Immer mit dabei: ein Rucksack mit Klamotten und seine BahnCard 100 I. Klasse. Die kostet 7668 Euro für ein Jahr, und Eric darf mit ihr jeden Zug nehmen, wann und wohin er will, und in der ersten Klasse mitfahren.

Sein Zuhause sind der Münchner Hauptbahnhof und das Abteil eines ICE: Weil Eric Hoffmann (25) in München keine Wohnung findet, lebt der Videospielredakteur seit fast einem halben Jahr im Zug.

Da Eric bis vergangenen Sommer einen sehr gut bezahlten Job hatte, konnte er sich die BahnCard 100 leisten. Denn damals war Eric Führungskraft, arbeitete als Kommunikations­trainer in einem Callcenter im Saarland und war beruflich viel unterwegs. Den hochbezahlten Job hatte Eric, weil er 2016 seine Ausbildung im Dialog­marketing als Bundesbester der IHK abgeschlossen hatte. Aber der Job war nichts für ihn, trotz der guten Bezahlung. „Es war sehr stressig, der Druck in so einem Callcenter ist so hoch, dass es an die Gesundheit geht“, sagt Eric. So fackelte er nicht lange, als er durch Zufall seinen Traumjob in München angeboten bekam.

Duschen kostet sieben Euro

Seit fünf Monaten arbeitet er nun in München in einer Videospiel­redaktion. Nun macht die Arbeit Spaß, aber es fehlt Eric an Geld, er verdient nur noch 1200 Euro netto im Monat. Er kann also nur noch rund 600 Euro für die Miete aufbringen – und in dem Preissegment findet er nichts auf dem überheizten Münchner Wohnungsmarkt. Bewirbt er sich auf eine Annonce, wird er meist noch nicht mal zu einem Besichtigungstermin eingeladen.

Mit seiner BahnCard 100 bekommt er in der DB Lounge  am Hauptbahnhof kostenfreie Snacks

„Ich hätte nicht gedacht, dass das Bahnpendeln zu einem Dauer­zustand werden könnte“, sagt Eric. Alle zwei Wochen fährt er zu seinem Vater nach Saarbrücken, wäscht seine Klamotten und schläft vielleicht auch mal in einem richtigen Bett. Auch bei einem Kollegen in München kommt er hin und wieder auf der Couch unter. Seinen Wohnsitz hat er weiterhin in Saarbrücken gemeldet – ohne festen Wohnsitz würde er die BahnCard 100 gar nicht bekommen. Mit der kann er übrigens auch kostenfrei essen – jedenfalls in den DB Lounges first, in denen es an den großen Bahnhöfen rund um die Uhr kostenfrei Snacks für die BahnCard100-Besitzer gibt.

Einmal Duschen kostet Eric sieben Euro, dazu nutzt er die WC-Center an den großen Bahnhöfen, etwa in Hamburg, München oder Berlin – oder besucht ein Schwimmbad. „Man muss gut sein im Zeit­management, aber ansonsten ist das Leben in Zügen weniger kompliziert, als man denkt“, sagt Eric. Ist ein Zug mal überfüllt, so nimmt er halt den nächsten.

Eric ist übrigens nicht der Einzige, der mit der BahnCard 100 in Zügen lebt. „Ich habe einen kennengelernt, der macht das seit 15 Jahren so“, erzählt der 25-Jährige: „Der Mann sammelt Pfandflaschen, um sich die BahnCard 100 leisten zu können. Jeden Tag muss er rund 30 Euro verdienen, und das schafft er.“ So sehr Eric sein Leben in den Zügen genießt, ein Dauerzustand ist es für ihn nicht. „Ich wünsche mir ganz sehnlich ein Zimmer in München, um endlich wieder sesshaft zu werden“, sagt er. 

Lesen Sie auch den Gastbeitrag der Studentin Sandra Meier: Über die (Un-)Möglichkeit, mit 25 Euro in der Woche in München zu leben

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