Tauben eingesperrt und verhungert?

„Wiederholungstat“: PETA geht gegen Münchner Kaufhaus vor - schwere Vorwürfe stehen im Raum

Wegen angebrachter Netze an der „Galeria Karstadt Kaufhof“-Filiale am Marienplatz sollen Tauben gestorben sein. Dagegen geht eine Tierschutzorganisation nun vor.

München/Marienplatz – Es gibt wohl kaum eine Stadt, in der Tauben nicht zum alltäglichen Bild gehören. Zwar ist es in den wenigsten deutschen Städten so extrem, wie beispielsweise in Venedig in Italien*, doch sind die Vögel auch in München in großer Zahl anzutreffen. Um sich gegen die von den Tauben verursachte Verschmutzung und Verunreinigung zu wehren, greifen viele Hausbesitzer zu verschiedenen Maßnahmen. Auf Mauern und Vorsprüngen werden zum Beispiel spitze Gegenstände angeklebt, um die Tiere am Landen zu hindern. Und vor Balkone werden Taubennetze gespannt, sodass diese gar nicht erst auf den Wohnbereich gelangen. In der Fachsprache werden diese Vorgehensweisen auch Vergrämungsmaßnahmen genannt – und eine solche unsachgerecht auszuführen, wirft die Tierschutzorganisation PETA nun der „Galeria Karstadt Kaufhof“-Filiale am Marienplatz sowie der von dieser beauftragten Firma „Rentokil“ vor. Anzeige wurde erstattet.

Marienplatz: Tauben eingesperrt und verhungert – Galeria Kaufhof und Rentokil am Pranger

Was war passiert? Rentokil war von der Kaufhauskette beauftragt worden, ein Netz an der Filiale am Marienplatz anzubringen, um die Tauben vom Gebäude fernzuhalten. Wie PETA jedoch auf ihrer Website auf Basis eigener Informationen berichtet, sollen dabei Nester und Jungtiere eingesperrt worden seien, wodurch deren Eltern ihre Taubenjunge nicht mehr zur Fütterung hätten erreichen können. Diese hätten dadurch qualvoll verhungern und verdursten können, so der Vorwurf der Tierschutzorganisation. Zwar wurden die Netze auf Weisung des Münchner Veterinäramts inzwischen wieder entfernt, möglicherweise jedoch zu spät für viele Tiere. Daher, und weil die Firma Rentokil laut PETA bereits mehrfach durch solch unsachgemäße Vergrämungsmaßnahmen aufgefallen sei, sei nun Anzeige erstattet worden.

München: PETA schreibt von „Wiederholungstat“ – ähnlicher Fall in Stuttgart

Auf der Website von PETA schreibt Dr. Edmund Haferbeck, Senior-Mitarbeiter im Bereich Special Projects, dass während das Netz angebracht gewesen sei, zahlreiche Tiere qualvoll verendet sein könnten. „Vonseiten der Firma Rentokil handelt sich aus unserer Sicht um eine Wiederholungstat – denn die fehlende Bereitschaft, tierschutzrechtliche Aspekte gerade bei Taubenvergrämungen zu berücksichtigen, ist schon in der Vergangenheit auffällig worden“, so Haferbeck. Auch beim Parkhaus des Stuttgarter Einkaufszentrums Milaneo ist es zu solchen unsachgemäßen Verdrängungsmaßnahmen gekommen. Bürger hatten den Tod durch ein solches Gebäudenetz von mindestens einer Taube per Foto dokumentiert, auch hier hatte sich PETA eingeschaltet. Die Tierschutzorganisation weist darauf hin, dass grundsätzlich keine Notwendigkeit bestehe, die Tauben zu vertreiben – die meisten gesundheitlichen Vorbehalte gegen die Tiere seien faktisch unbegründet. *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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Rubriklistenbild: © Felix Hörhager

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