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Martina Münch-Nicolaidis tot: Große Trauer in München - „Das Leben kann so unfair sein“

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Von: Doris Richter

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Martina Münch-Nicolaidis bei der Grundsteinlegung des Sternenhauses am Nockherberg am 17.05.2021.
Martina Münch-Nicolaidis bei der Grundsteinlegung des Sternenhauses am Nockherberg am 17.05.2021. © Marcus Schlaf

Martina Münch-Nicolaidis, die eine Stiftung für Trauernde einrichtete, ist gestorben. Ihre Arbeit inspirierte viele, auch Fußballprofi Thomas Müller unterstützt die Stiftung.

München - Unzähligen trauernden Männern, Frauen und Kindern hat sie mit ihrer „Nicolaidis YoungWings Stiftung“ neue Hoffnung gegeben. Für ihr großes Engagement wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Bayerischen Verdienstorden. Jetzt trauern Freunde und Weggefährten um Martina Münch-Nicolaidis, die im Alter von 54 Jahren gestorben ist.

Einen Kraftort für trauernde junge Menschen zu schaffen, einen Zufluchtsort mitten in der Stadt – davon träumte Martina Münch-Nicolaidis schon, als sie 1999 einen Verein für junge verwitwete Mütter und Väter gründete. Lange hatte die Münchnerin für die Realisierung ihrer Vision gekämpft. Mit Erfolg: Ihr „Sternenhaus“ nimmt gerade auf dem alten Paulanergelände am Nockherberg Gestalt an. Dessen Fertigstellung zu erleben und zu feiern, war ihr nicht mehr vergönnt: Die Münchnerin starb am Sonntag nach schwerer Krankheit im Kreis ihrer Familie.

München: Münch-Nicolaidis fand ihre Berufung durch eigenen Schicksalsschlag

Durch einen Schicksalsschlag hatte sie ihre Berufung gefunden. 1997 kam ihr Mann bei einem Autounfall ums Leben. Ihre Tochter war da gerade erst zur Welt gekommen. Mit 29 Jahren stand Martina Münch-Nicolaidis plötzlich als Witwe da. Das „hat mich voll aus dem Leben rauskatapultiert“, erzählte sie einmal. Sie suchte sich Hilfe – und merkte bald, dass es gerade für junge Trauernde wenig Möglichkeiten zum Austausch gab. Das wollte sie ändern. Anderen helfen, die sich in einer ähnlichen Situation befanden, mit den gleichen Problemen zu kämpfen hatten. 1999 gründete sie die „Nicolaidis Hilfe e.V“, organisierte erste Selbsthilfegruppen für junge Verwitwete.

Die Nachfrage war enorm. Anfragen aus ganz Deutschland erreichten sie. Und die Münchnerin tat, was sie am besten konnte: Sie krempelte die Ärmel hoch, suchte Mitstreiter. Mit ihrer mitreißenden, charismatischen Art schaffte sie es im Lauf der Jahre, viele von der guten Sache zu überzeugen. Sie selbst sagte einmal über sich: „Ich beiß mich gerne fest.“ Aufgeben war nie eine Option. 2014 wurde aus ihrem Verein mithilfe von langjährigen Unterstützern die Nicolaidis YoungWings Stiftung. Neben den Gruppen gibt es längst ein umfangreiches Angebot für betroffene Kinder von 3 bis 27 Jahre, von der Online-Beratung über die Hilfe bei der Berufswahl bis zu Freizeitgruppen.

Sie selbst fand 2003 ein neues Glück und heiratete ein Jahr später ihren Michael, der ihrer Tochter Lisa zu einem Vater wurde.

Auch FC-Bayern-Profi Thomas Müller unterstützt das Projekt

Als umtriebige und unermüdliche Netzwerkerin überzeugte Martina Münch-Nicolaidis deutschlandweit Experten, Politiker und Prominente von ihrer Arbeit. Viele werden zu wichtigen Unterstützern wie etwa FC Bayern-Profi Thomas Müller, der seit mehr als zehn Jahren als Botschafter die Stiftung unterstützt.

Oder die Unternehmerin Alexandra Schörghuber, die mit einer großzügigen Spende den Kauf eines Grundstücks auf dem alten Paulanergelände ermöglichte, wo Martina Münch-Nicolaidis’ Herzensprojekt entsteht: das „Sternenhaus“ – ein Rückzugsort für junge Verwitwete und ihre Kinder, ein Ort zum Kraftschöpfen auf rund 1400 Quadratmetern. Und zugleich neuer Hauptsitz der Stiftung. Im Mai 2021 feierte sie mit OB Dieter Reiter noch die Grundsteinlegung, 2023 soll alles fertig werden.

„Das Leben kann so unfair sein“ - Freunde betrauern Tod der Münchnerin

„Wir sind voller Trauer über den Tod eines besonderen Menschen, der uns und so viele andere inspiriert und unser aller Leben geprägt und bereichert hat“, heißt es auf der Internetseite der Stiftung. Man wolle das Lebenswerk von Münch-Nicolaidis in ihrem Sinne fortführen. Im Kondolenzbuch, das auf der Stiftungsseite eingerichtet wurde, entstanden innerhalb kurzer Zeit rund 50 Einträge. Sie spiegeln das Bild eines starken, empathischen, tatkräftigen und herzensguten Menschen.

Schauspieler Timothy Peach betrauert den Tod seiner „Herzensfreundin und Heldin“ ebenso wie Alexandra Schörghuber, die über ihre Freundin schreibt: „Mit deiner nicht versiegenden Energie, deinem unerschütterlichen Optimismus und deiner großen Warmherzigkeit hast du Menschen berührt, inspiriert und begeistert.“ Doch wie so treffend heißt es in einem anderen Eintrag: „Das Leben kann so unfair sein!“

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