Stephan Alof (54) von der Gemeinde St. Maximilian

Münchens coolster Kirchenpfleger über außergewöhnliche Aktionen: „Zur Not Bergmessen im Werksviertel“

Stephan Alof vor der Silhouette seiner Kirche St. Maximilian
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Stephan Alof vor der Silhouette seiner Kirche St. Maximilian

Stephan Alof (54) ist Eventmanager, Bäcker, Bestatter – und seit 26 Jahren ehrenamtlicher Kirchenpfleger in der Pfarrgemeinde St. Maximilian am Isarufer. Alof liebt die Kirche und ist ihr großer Kritiker. Über sein Leben und diese besondere Beziehung hat er jetzt ein Buch geschrieben. 

  • Stephan Alof ist seit 26 Jahren ehrenamtlicher Kirchenpfleger in München
  • Mit dem berühmten Priester Rainer Maria Schießler organisiert Alof auch Messen für Tiere und Autos
  • Zu Hunderten pilgern die Münchner wegen ihnen in die Gemeinde St. Maximilian

München - Wenn man die Augen schließt und an die Kirche denkt, sieht man Kreuze und Altäre. Wenn man die Augen aufmacht, sieht man Stephan Maria Alof (54) auf dem Dach im Werksviertel, wie er eine Bergmesse feiert. In lässiger Kleidung, mit hunderten Gästen. Denn auch das kann Kirche sein, weiß Alof: Er ist seit 26 Jahren ehrenamtlich in der Gemeinde St. Maximilian aktiv – und hat jetzt sein erstes Buch geschrieben.

Münchner Kirchenpfleger: im Hauptberuf ist er Bäcker und Bestatter

„Mit Prunk, Geld oder Macht können wir die Leute nicht mehr überzeugen heutzutage“, sagt Alof. „Wir können nur mit Fantasie und Kreativität punkten. Wenn uns die Menschen fragen, warum wir so sind, wie wir sind, dann haben wir viel erreicht.“ Von Beruf ist Alof Eventmanager, führt eine Bäckerei und ist Bestatter – ein bunter Mix, den er auch in die Kirche einbringt. Mit Pfarrer Rainer Maria Schießler und seinem Team hat Alof viele außergewöhnliche Aktionen umgesetzt: Messen für Tiere und Autos. DJs, die im Gottesdienst auflegen. Oder an Weihnachten 2020 eine Live-Übertragung, als wegen Corona nur wenige Plätze besetzt werden durften. Die Münchner lieben es – und pilgern zu Hunderten zu „St. Max“.

Stephan Alof (re.) betreibt aktuell eine Bäckerei im Glockenbachviertel

Alof hatte es aber nicht leicht: Priester durfte er nicht werden, weil er einen Mann liebt. „Das tut weh, aber ich möchte leben und nicht schweigen.“ Er fühle sich trotzdem als Priester, im Sinne eines Botschafters: „Wir sagen den Leuten: Kommt einfach, ihr seid willkommen. Jede und jeder – ganz gleich, wie er ist, oder was er glaubt – ist bei uns willkommen. Das spüren die Leute.“ Angenommen sollen sie sich fühlen – und aufgenommen. „Das ist eine Gotteserfahrung“, sagt Alof.

Im Jahr 2011 übernahm Stephan Alof die Boazn „Zur Gruam“, stieß sie im Februar 2020 aber wieder ab

Katholisch aufgewachsen und erzogen wurde der heute 54-Jährige. „Die Kirche hat mich von Kindesbeinen an geprägt.“ Spiritualität, Gemeinschaftserleben, Unterwegssein, dafür stand die Kirche in seinem Alltag. „Aber auch die Streitkultur war immer da. Es gab auch 1990 schon Themen, wo ich gesagt habe: Nein, so nicht, liebe Kirche.“ Ein kritischer Mensch sei er, sagt Stephan Maria Alof über sich selbst. Ein bunter Hund, sagen andere. Alof schmunzelt darüber. Früher war er Intensivkrankenpfleger, 2011 übernahm er mit einem Geschäftspartner die Boazn „Zur Gruam“, die er im Februar 2020 wieder abstieß. Noch rechtzeitig vor der Pandemie – auch so eine verrückte Geschichte.

München: Katholische Kirche „im freien Fall“ - Stephan Alof liebt sie und ist ihr großer Kritiker

In Alofs Buch gibt es einige davon, sie handeln von Schnitzeln und Särgen, von seiner herzkranken Mutter, die allen Warnungen zum Trotz im Pool schwimmen geht – und dabei ein zauberhaftes Lächeln verbreitet. In der Kirche redet meistens Pfarrer Schießler und Stephan Alof organisiert. Aber auch er hat viel zu sagen. Und seine Geschichte fasziniert. Denn Alof liebt die Kirche und ist ihr Kritiker. „Sie ist im freien Fall und bei den meisten Menschen in der Bedeutungslosigkeit angekommen. Das tut mir weh.“ Es brauche einen Neuanfang. „Zur Not eben bei Bergmessen im Werksviertel.“ Im Juli werde es schon die nächste geben.

Kirchenpfleger Stephan Alof hat sein erstes Buch geschrieben

„Do legst di nieda!“ heißt Alofs Buch – das Motto prägt auch seine Arbeit als cooler Kirchenpfleger. Etwa, als er sich von Graffiti-Sprayern für die Weihnachtsbotschaft inspirieren ließ: „Du bist wichtig“ stand dann auf Vorfahrtsschildern, die in der Kirche aufgestellt wurden. Oder an Fronleichnam: „Da sind wir in ein Kosmetikstudio gegangen oder in eine Drogenabgabestelle.“ Statt an Altäre im Viertel zu ziehen, wie es die Tradition will. Alles, um den Menschen nahe zu sein: Das ist Alof wichtig. Auch, wenn die Kirche mal zugesperrt ist, wie teils im Lockdown oder jetzt wegen Bauarbeiten. „Dann werden wir zu Nomaden“, sagt er – und plant schon wieder: Gottesdienste beim Radeln oder an der Isar. Gestern waren sie in der Alten Kongresshalle, Hofbräuhaus und Nockherberg seien schon gebucht. „Einfach mal machen“, sagt Alof und lacht. Fehler? Davor hat er keine Angst. „Ich bin ja kein Heiliger…“

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