Seine Bilder kosteten bis zu 20.000 Euro

War beinahe täglich in Promi-Treff zu sehen: Bekannter Münchner stirbt bei Brand - jetzt laufen Ermittlungen

Der Münchner Maler Maximilian Seitz ist verstorben.
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Der Münchner Maler Maximilian Seitz ist verstorben.

Seine Bilder verkauften sich für bis zu 20.000 Euro: Der Münchner Maler Maximilian Seitz († 83) starb bei einem Brand in seiner Wohnung in Sauerlach.

München - Er gehörte zu Münchens Straßenbild: der Kunstmaler Maximilian Seitz († 83). Stets mit Anzug und Halstuch flanierte er durch die Stadt und ließ sich beinahe täglich in Schumann’s Bar oder Tagesbar nieder. Zu Mittag aß er gern bei seinem Freund und Sammler Karl Ederer, und regelmäßig schaute er bei Modedesignerin und Künstlerin Susanne Wiebe vorbei, eine Freundin, mit der er immer wieder große Kunstaktionen und Ausstellungen plante, auch für dieses Jahr hatten die beiden Neues im Sinn. Erst vergangenen Mittwoch hatten sie dazu telefoniert – eine Ausstellung in Salzburg sollte es werden.

Doch war die Sanduhr des Lebens da schon so gut wie durchgelaufen. Maximilian Seitz starb in den frühen Morgenstunden des Freitag in den Flammen seiner Dachgeschosswohnung im Alten Rathaus in Sauerlach, die er von seinen Eltern übernommen hatte und lebenslang behielt – neben dem großzügigen Atelier in der ­Tizianstraße in Gern. Das Atelier teilte er sich zuletzt mit seinem Neffen ­Emanuel Seitz (47), der selbst als Kunstmaler schon arriviert ist und von seinem Onkel gern Erfahrungen und Wissen angenommen hat.

Maler aus München stirbt bei Brand: Seine großen Bilder kosteten zwischen 15.000 und 20.000 Euro

Ursprünglich lernte Maximilian Seitz das Fotografenhandwerk; nach einem mehrmonatigen Aufenthalt in Paris entschied er sich für die Malerei und ein Studium an der Münchner Akademie der Bildenden Künste bei Jean-Jacques ­Deyrolle, das er 1966 als Meisterschüler mit Diplom abschloss. Die französische Schule und starke impressionistische Einflüsse sollten ihn auch nicht mehr loslassen – vor allem das Licht und die Formen Ägyptens und Griechenlands haben ihn zeitlebens inspiriert, dorthin reiste er regelmäßig und nahm die Ornamentik in seine Werke auf.

Er lebte wie die großen französischen Maler auch – großzügig in einem Atelier mit viel Ausstrahlung, wo er früher auch gern Hof hielt – als Malerfürst. Gegessen und getrunken hat er immer auswärts – schon der Kommunikation wegen. Maximilian Seitz verkaufte sich auch nie unter Wert, den er für große Bilder zwischen 15.000 und 20.000 Euro sah, kleinere bei 3000 Euro. Einen Galeristen brauchte er nie, er hielt es wie die Existenzialisten in Frankreich – in Cafés und Restaurants pflegte er persönlich das Netzwerk zu Sammlern und Mäzenen – „mit gusseiserner Konsequenz“, wie Weggefährtin Susanne Wiebe erzählt.

Dass er seine Kreise in der Stadt zuletzt sichtbar immer ruhiger und trauriger zog – das lag vor allem daran, dass vor fünf Jahren seine Lebensgefährtin, die Theatersouffleuse Trudi, ganz plötzlich gestorben war, sein Halt im Leben. Aber auch Seitz selbst hatte gesundheitliche Probleme – nach einem Herzinfarkt vor ein paar Jahren und zuletzt einem Oberschenkelhalsbruch, von dem er sich aber erholt hat. Doch viel schlimmer als jeder Schmerz traf ihn der Lockdown. Alle Verbindungen jäh gekappt! Die Inspirationen, der Austausch, das persönliche Gespräch mit den Sammlern.

Mit seinem Schöpfer sind auch die noch unverkauften Werke verbrannt

Mit seinem Schöpfer sind auch die noch unverkauften Werke verbrannt – fast alle. Außer einige wenige im Atelier in München. Was genau passiert ist, ermitteln noch die Brandfahnder, der bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Leichnam wurde obduziert. Dass den Maler ausgerechnet ein Feuer in die Ewigkeit geführt hat, ist eine bittere Ironie, denn Maximilian Seitz hatte sich immer eine ansehnliche Erdbestattung gewünscht – im Familiengrab am Ostfriedhof, wie sein Bruder Willi Seitz, Musiklehrer im Chiemgau, berichtet. Mit ihm trauern nun Ehefrau ­Ingeborg, der genannte Sohn Emanuel und die beiden Nichten ­Felicitas (40) und Theresia (41).

Das Alte Rathaus in Sauerlach war bis 1966 Schulhaus und die Wirkstätte des Vaters Willi Seitz sr., der 1939 als Lehrer von Trostberg dorthin versetzt worden war. Seither war die Familie Seitz dort daheim. Der Schaden an dem Gebäude aus dem Jahr 1876 ist immens und konnte noch nicht beziffert werden. 130 Feuerwehrleute waren im Einsatz.

„Wie ein Pharao hat er alles in den Tod mitgenommen“, meint Susanne Wiebe, die selbst etliche große und kleine Arbeiten von Maximilian Seitz besitzt. Die Weihnachtskarte, die sie in diesem Jahr zugesandt bekam, scheint nachträglich fast wie eine Vision: Da ist viel Rot und Gelb vor dem Grün des Festes zu sehen. Ulrike Schmidt - *tz.de ist Teil des Ippen-Netzwerks.

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