Die Parkplatz-Guerilla

Mehr Platz in der Stadt für Mensch und Natur: Diese witzige Idee soll helfen

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Pick-up mit Mini-Park: Bernhard Kurz (38), seine Schwester Kathrin Kurz (43) und deren Sohn Louis (5) bepflanzen ihre Grünoase.

Der Platz in der Stadt ist knapp – und hart umkämpft. Manche meinen, dass Autos zu viel Raum einnehmen. Die Münchner Architekten IFUB wollen mit einer kreativen Aktion nun einen Anstoß geben, dass sich dies ändert. Sie fordern mehr Grün und mehr Platz für Menschen.

Am Isartorplatz, direkt beim Fortunabrunnen, gibt es neuerdings einen „Mini-Park“. Genauer gesagt einen mobilen Park. Denn er befindet sich auf der Ladefläche eines Pick-up Piaggio Ape. Am Freitagabend hat Architekt Bernhard Kurz (38) gemeinsam mit Familienangehörigen die Mini-Grünfläche mit einem Apfelbaum, Kräutern und Blumen bepflanzt.

Dahinter steckt die Aktion „Park Dein’ Park“. Initiator ist Kurz mit seinem Architektenbüro IFUB. Die Abkürzung steht für mehrere Bezeichnungen: Institut für ultrageschmeidige Baukunst, Institut für unverbrauchte oder auch Institut für urbane Baukunst. Mit „Park Dein’ Park“ will Kurz darauf aufmerksam machen, dass „die Stadt für private Pkw reserviert ist“. Andere Nutzungen von Freiflächen, wie etwa für Parks, kämen zu kurz. Parkplätze hingegen würden zu sehr subventioniert. „Ein Bewohnerparkausweis kostet in München nur 30 Euro im Jahr“, sagt der Architekt, der im Lehel wohnt. Viel zu wenig, findet er.

Mini-Parkt auf Ladefläche: www.parkdeinpark.de

Vor etwa zwei Jahren ist die Idee zu seinem Projekt gereift. Nun gibt es seit eineinhalb Wochen eine Website (www.parkdeinpark.de). Neben der Bepflanzung werden dort noch andere Ideen präsentiert, wie man die Ladeflächen von Pick-ups kreativ nutzen könnte. Vorstellbar seien etwa ein Grillplatz, ein Pool oder ein Fahrradstellplatz. „Tatsächlich hatten wir schon diverse Rückmeldungen. Jemand hatte die Idee, Bienenstöcke auf einen Pick-up zu stellen“, erzählt Kurz. Ein anderer habe angefragt, ob er einen Pick-up mit Fahrradstellplätzen auf der Ladefläche kaufen könne. „Fahrräder dürfen nicht auf einem Parkplatz stehen, aber auf der Ladefläche eines Autos schon“, sagt Kurz. „Daran merkt man deutlich, wie absurd das Ganze ist.“

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Kurz betont, die Aktion habe nur Symbolcharakter. Es gehe nicht darum, Pick-ups zu verkaufen. Wer aber selbst ein Mini-Fahrzeug bepflanzen will oder andere Ideen habe, könne sich gerne Rat bei „Park Dein’ Park“ einholen. „Wir wollen eine Diskussion anstoßen und hoffen auf Nachahmer, auch in anderen Städten“, erklärt der 38-Jährige.

Das Büro IFUB ist in München und Berlin ansässig. „München hat so ein Projekt nötiger als Berlin. Da gibt es schon Initiativen in die Richtung“, erklärt Kurz. „Andere Städte sind da weiter.“ Der Architekt verweist darauf, dass in Wien, Bonn oder Frankfurt bereits Parkplätze vor Cafés als Freischankfläche genutzt werden dürfen. Dazu hatte es im Übrigen vergangenen Sommer einen Antrag der Grünen-Fraktion im Stadtrat auf „Saisonale Umwandlung von Kfz-Stellplätzen zu Freischankflächen“ gegeben. Allerdings: Die Mühlen der Stadt mahlen langsam. Bisher wurde der Antrag noch nicht behandelt. Bereits vor zehn Jahren hatten die Grünen einen ähnlichen Vorstoß gewagt – was damals aber abgelehnt wurde. Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher sagt: „Park Dein’ Park finde ich gut. Man kann viel auf dem Papier machen, aber so eine Aktion im öffentlichen Raum zieht eine andere Aufmerksamkeit auf sich.“

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Bernhard Kurz kündigt unterdessen an, seinen kleinen Piaggio-Park „ab und an umzuparken“. Prinzipiell bleibe das Fahrzeug aber im Lehel. „Und zwar so lange, bis ein Umdenken stattfindet.“ Eine weitere Aktion sei zum Münchner Klimaherbst im Oktober geplant. Vielleicht trägt das Projekt bis dahin erste Früchte – zumindest der Apfelbaum auf dem Piaggio sollte es.

LAURA FELBINGER

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