Menterschwaige in Harlaching

Riesen-Ärger um Traditions-Biergarten - Stirbt ein weiterer Teil des alten Münchens?

Ärger um die geplante Neugestaltung der Menterschwaige: Die Stadt hat den Bauantrag abgelehnt. Wirt Christian Schottenhamel und der Investor sind entsetzt. Die Politik vermittelt.

München - Die Menterschwaige ist eine Perle am Hochufer der Isar. Es heißt, dass sich einst König Ludwig I. auf dem Gutshof ein Liebesnest mit Lola Montez eingerichtet habe. Historisch erwiesen ist das nicht. Aber eines steht fest: Die denkmalgeschützte Menterschwaige in München*-Harlaching hat eine große Tradition. Seit mehr als 200 Jahren ist dort ein Gasthaus beheimatet. Vor allem der 1800 Plätze fassende Biergarten ist ein beliebtes Ausflugsziel für Spaziergänger, Radfahrer und Gäste aus nah und fern.

Eine Neugestaltung des Ensembles ist geplant. Im vergangenen Herbst hatte der Karlsruher Investor Dieter Pawlik mit seiner Firma Qcoon real estate das Anwesen von der Familie Kuffler gekauft. Räume und Fassade der historischen Gebäude sollen originalgetreu restauriert werden. Dazu ist eine Verlagerung der Schänke in den östlichen Bereich des Biergartens sowie ein Anbau mit 22 Gästezimmern vorgesehen. Hier sollen Gäste von Veranstaltungen übernachten können. Eine Renovierung sei zwingend notwendig, betont Ralf Kunkel, Sprecher des Investors. „Wir müssen den jahrelangen Sanierungsstau beenden.“

Menterschwaige München: Lokalbaukommission lehnt das Projekt ab

Doch die Lokalbaukommission hat etwas dagegen. Sie hat das Projekt abgelehnt. Eine weitere Bebauung sei planungsrechtlich nicht zulässig und die geplanten Eingriffe in den Bestand aus Gründen des Denkmalschutzes nicht möglich, heißt es aus dem Rathaus. Auch Natur- und Baumschutz verhinderten eine Genehmigung. Christian Schottenhamel, Wirt der Menterschwaige, ist fassungslos: „Dass so etwas vom Schreibtisch aus entschieden wird, ohne mit dem Bauherrn zu sprechen, kann ich nicht verstehen.“ Schottenhamel, der die Menterschwaige bereits seit 20 Jahren betreibt, ist begeistert von den Umbauplänen des Investors. Das Ensemble sei „sanierungsbedürftig von oben bis unten“, sagt er. Auch der Bezirksausschuss (BA) Untergiesing-Harlaching befürwortet die Pläne. Schottenhamel hat mittlerweile einen Brief an OB Dieter Reiter (SPD) geschrieben.

Und die Vermittlung auf politischer Ebene läuft offenbar schon. Ein runder Tisch mit allen Beteiligten sei in Vorbereitung, sagt Grünen-Stadtrat Sebastian Weisenburger, der zugleich Vorsitzender des BA Untergiesing-Harlaching ist. Er betont: „Es ist wichtig, dass die Menterschwaige als Ausflugsziel für die Bürger erhalten bleiben kann. Dabei müssen die Belange des Denkmalschutzes und des Baumschutzes natürlich gewahrt bleiben.“ Eine andere Nutzung als für Biergarten und Gastronomie sei für ihn nur sehr schwer vorstellbar. Genauso sehen das SPD und CSU.

Biergarten Menterschwaige: Kompromisslösung mit der Stadt? Es gibt Zuversicht

Kunkel beteuert: „Uns ist daran gelegen, dass die Menterschwaige ein superschöner Biergarten bleibt.“ Eine Sanierung des Ensembles sei jedoch notwendig, damit die Gastronomie weiterhin wirtschaftlich betrieben werden kann. Zudem sei aktuell der Blick auf das historische Gebäude durch provisorische Hütten verstellt. Der Bauherr wollte im Herbst mit dem Umbau beginnen, damit im Frühjahr 2022 die komplette Wiedereröffnung erfolgen kann. Doch das jetzige Hickhack gefährdet den Zeitplan. Heuer wäre in der Menterschwaige laut Wirt Christian Schottenhamel nur der Biergarten geöffnet – sofern die Corona-Lage das zulässt.

Kunkel ist unterdessen zuversichtlich, dass man in den Gesprächen mit der Stadt eine Kompromisslösung finden wird. „Sollte die Tür jedoch zu bleiben, müssen wir andere Nutzungsmöglichkeiten in Erwägung ziehen.“ Sprich: Dann wäre das Gasthaus für die Öffentlichkeit verloren. „Und das will niemand“, sagt der Sprecher des Investors. - Klaus Vick -*tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Michael Westermann

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