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Die Messe der Menschlichkeit: Über 1600 Ukrainer beim großen Münchner Helfermarkt  

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Von: Julian Limmer

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Großer Andrang vor den Ständen: Bei über 30 Ausstellern konnten sich Ukrainer informieren.
Großer Andrang vor den Ständen: Bei über 30 Ausstellern konnten sich Ukrainer informieren. © Michaela Rehle

Der Andrang beim großen Helfermarkt in München war stark. Flüchtlinge aus der Ukraine bekamen dort viele Antworten und Angebote, die ihnen weiterhelfen sollen.

Vor den Ständen bilden sich lange Schlangen. Viele Ukrainer sind gekommen – mit vielen Fragen: Wo bekommen sie in München Wohnungen, Kitaplätze oder einen Job? Antworten auf all das gab es gestern in der Alten Kongresshalle – dort fand der Leuchtturm Ukraine – Münchner Helfermarkt statt. An über 30 Ständen (von Stellen der Stadt über Jobcenter bis hin zu Hilfsorganisation) konnten sich die Geflüchteten informieren, beraten und helfen lassen. Eine Messe der Menschlichkeit! Über 1600 Ukrainer hatten sich dafür angemeldet.

München: Über 1600 Ukrainer hatten sich beim großen Helfermarkt angemeldet  

Eine davon ist Diana Honcharova (25) aus der Stadt Dnipro, die zusammen mit ihrem Ehemann Valerii (25) gekommen ist. Unter ihrem gepunkteten Kleid sticht ein kugelrunder Bauch hervor – sie erwartet im Oktober Zwillinge, zwei Söhne. „Ich weiß allerdings überhaupt nicht, wie das in Deutschland abläuft“, sagt sie. Vorsorgeuntersuchungen, Klinikaufenthalte, Hebamme, alles nicht so einfach zu organisieren, wenn man nicht Deutsch spricht. Am Stand der Schwangerschaftsberatung hilft ihr eine Frau, gibt ihr Telefonnummern, die sie anrufen kann – ein Dolmetscher übersetzt. „Ich freue mich schon so auf den Tag, wenn die Kinder kommen“, sagt sie. Auch wenn sie sich gewünscht hätte, dass ihre Söhne in der Ukraine geboren werden.

Yevhenii Volovyk suchte zusammen mit seiner Mutter nach einem Job für sich.
Yevhenii Volovyk suchte zusammen mit seiner Mutter nach einem Job für sich. © Michaela Rehle

In München braucht die Familie jetzt noch eine Wohnung: „Es ist wirklich schwierig, was für uns, unsere Zwillinge und unseren Kater zu finden“, sagt sie. Zurzeit wohnen sie noch bei einer Gastfamilie, doch Ende Juli müssen sie ausziehen. Diana hofft jetzt auf der Messe noch weitere Infos zur Wohnungssuche zu erhalten.

Wohnungssuche ist für die Geflüchteten die dringendste Frage

Dieses Thema scheint bei den meisten Ukrainern derzeit am dringendsten zu sein: Vor dem Stand des Sozialreferats, das über Wohnungen informiert, stehen mit Abstand am meisten Geflüchtete an, Männer, Familien, Frauen mit Kindern im Arm. Ihnen wird gesagt, wo sie sich registrieren müssen.

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Diana Honcharova und ihr Mann Valerii (li.) brauchen eine Wohnung für sich und ihre künftigen Zwillinge.
Diana Honcharova und ihr Mann Valerii brauchen eine Wohnung für sich und ihre künftigen Zwillinge. © Michaela Rehle

Auch Claudia Krüger-Koeck (47), Geschäftsführerin der Bäcker-Innung München und Landsberg, hat einiges zu tun, ihre Flyer werden ihr regelrecht aus der Hand gerissen. Auch die Zettel, auf denen sich Interessierte am Bäckerhandwerk eintragen können. Die Betriebe melden sich dann direkt bei den Ukrainern. „Wir suchen händeringend nach Nachwuchs“, sagt Krüger-Koeck. Für rund die Hälfte aller Ausbildungsplätze in und um München fehlten noch Bewerber. „Wenn es so weitergeht, können wir bald kein Brot mehr backen.“ Sie hofft jetzt auf die Ukrainer – über 20 konnte sie bereits einstellen, sagt sie. Yevhenii Volovyk (21), der mit seiner Mutter Olah (43) nach Lehrstellen sucht, kann sich den Job gut vorstellen: „Bäcker ist ein Beruf mit langer Tradition“, findet er. In der Ukraine war er im Lager tätig, jetzt suche er was mit Zukunft: „Bäcker wäre da genau das Richtige, die braucht man immer.“ J. Limmer

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