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Nach Messerattacke in Münchner Fußgängerzone: Mutter bangte um ihren Ben (11) – „Ich dachte, er stirbt“

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Von: Andreas Thieme

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In der Fußgängerzone geschah die schreckliche Tat
In der Fußgängerzone geschah die schreckliche Tat © SIGI JANTZ

Diesen Angriff hat der kleine Ben (11) nur knapp überlebt: Ein 58-Jähriger griff den Schüler mit einem Messer in der Fußgängerzone an und schnitt ihm quer über den Hals. Vor Gericht geht es jetzt sogar um Mord.

München – Seine Narben werden bleiben: an der Kehle, vom Hals bis zum Ohr, an der Schulter und an den Händen. Aber der elfjährige Ben (Name von der Redaktion geändert) kann froh sein, dass er noch lebt. Ein psychisch kranker Mann hatte den Buben im November 2021 mit einem Messer attackiert. Wegen versuchten Mordes steht Gennadij S. (58) jetzt vor Gericht. Sein Anwalt Christian Gerber sagt: „Meinem Mandanten tut die Tat leid.“ Er habe ohne Absprache mit dem Arzt wichtige Medikamente abgesetzt und fühlte sich verfolgt.

München: Messerattacke auf Schüler in der Fußgängerzone – „Überall war Blut“

Im Wahn suchte sich der Angeklagte sein Opfer – und sah Ben an der Rolltreppe im Kaufhaus TK Maxx in der Münchner Fußgängerzone spielen. „Ruhig und unbemerkt“ trat Gennadij S. laut Zeugen von hinten an den Buben heran, legte seinen linken Arm um dessen Hals. Mit dem rechten setzte er die Klinge an die Kehle und schnitt dreimal fest zu. Passanten schritten ein, Ben überlebte knapp. „Ich habe die Wunden abgedrückt. Sein Blut ist zwischen meinen Fingern hindurch geflossen“, sagt seine Mutter. „Ich dachte, er stirbt und rief: Ben, bitte, bleib bei mir – um ihn wach zu halten.“

Hier geht‘s lang: Ein Wachtmeister führt Gennadij S. (58) im Landgericht zur Anklagebank
Hier geht‘s lang: Ein Wachtmeister führt Gennadij S. (58) im Landgericht zur Anklagebank © Foto: Jantz

Das gelang. Doch zunächst hatte die Mutter geglaubt, ihr Bub habe sich an der Rolltreppe verletzt. Erst später erfuhr sie von dem Messerstecher. „Am Boden war überall Blut“, erinnert sie sich. „Am Hals entdeckte ich, dass es drei Wunden waren. Ben saß vor mir, ich habe ihn gestützt“, sagt sie Mutter. Sie legte am Landgericht einen mutigen Auftritt hin, zeigte sich aber auch verletzlich: „Es war der schlimmste Moment unseres Lebens.“ Gemeinsam machte die Familie eine Psychotherapie, um das Erlebte bewältigen zu können.

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Ben leidet bis heute unter den Folgen der Attacke

Ben geht wieder zur Schule, doch Körper und Seele sind traumatisiert. Bis heute kann er seine Hände noch nicht wieder richtig bewegen. Es sind die Nachwehen der Abwehrbewegungen, mit denen der Elfjährige sein Leben schützen wollte. Dreimal wurde er seit der Tat operiert. Ein weiterer Eingriff könnte wegen der Narben noch folgen. „Er trägt das tapfer“, sagt seine Mutter. „Ben hat sein Lachen nicht verloren.“

Gennadij S. dagegen wirkt stoisch, ihm fehlt jede Krankheitseinsicht. Er wird wohl dauerhaft in der Psychiatrie untergebracht. Das Urteil soll am 17. November fallen. Bis dahin wird noch an acht weiteren Tagen an der Schwurgerichtskammer verhandelt.

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