Da helfen auch niedrige Nebenkosten nicht

München: Miete frisst das Gehalt - Studie zeigt Unterschied zu anderen Städten

Schön, aber teuer: Das Leben in München ist vor allem für Familien kaum mehr bezahlbar. Das verdeutlichen einmal mehr aktuelle Studien.
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Schön, aber teuer: Das Leben in München ist vor allem für Familien kaum mehr bezahlbar. Das verdeutlichen einmal mehr aktuelle Studien.

In München zu wohnen, ist teuer. Das ist nichts neues. Wie sehr die Miete aber vom Gehalt frisst, ist beachtlich. Da helfen auch die niedrigen Nebenkosten nichts.

München* - Das tut weh. Da arbeitet man jeden Tag hart – und was bleibt am Ende nach Abzug der Miete noch übrig? Bei vielen Münchner Familien nicht einmal die Hälfte des Netto-Gehalts. Das hat eine neue Erhebung von immowelt.de ergeben. Demnach drückt eine vierköpfige Familie jeden Monat bis zu 55,1 Prozent des Netto-Einkommens nur für die Miete ab.

Diese Summe errechneten die Experten bei neu vermieteten Wohnungen für Familien, in denen die Eltern keinen klassischen Berufsabschluss haben. Vorausgesetzt wurde für die Erhebung eine Monatsmiete von 1750 Euro bei einer Wohnungsgröße zwischen 80 und 120 Quadratmetern. Grundlage ist der Median aus Immobilien-Anzeigen bei immowelt.de.

Mietkosten im Verhältnis zum Einkommen: München unangefochten auf Platz eins

Damit liegt München klar auf Platz eins der deutschen Städte. Von der Faustregel, dass nicht mehr als knapp ein Drittel des Gehalts für die Miete draufgehen sollte, sind in der Landeshauptstadt die meisten Mieter weit entfernt. Im Bundesvergleich ist die Lage nur in Berlin ähnlich.

Auch in einer anderen Erhebung schneidet München schlecht ab. Das Unternehmen Objego hat die Mietkosten* im Verhältnis zum Einkommen untersucht – und zwar ganz konkret für Fachkräfte in verschiedenen Berufsgruppen. Dabei zeigt sich beispielsweise, dass Angestellte in der Altenpflege in München 39 Prozent ihres Nettoeinkommens für die Miete abdrücken müssen. Berechnungsgrundlage für diesen Wert ist ein Jahreseinkommen von 33 800 Euro und eine Durchschnittsmiete von 18,50 Euro pro Quadratmeter. Noch heftiger ist die Lage bei Friseuren (28 200 Euro Einkommen, 47 Prozent Miet-Anteil) und bei Angestellten im Einzelhandel (27 300 Euro Einkommen, 49 Prozent Miet-Anteil).

München und Chemnitz trennen Welten - Corona sorgt für noch höhere Nebenkosten

Polizisten* (40 990 Euro, 33 Prozent) und Volljuristen (64 600 Euro, 21 Prozent) müssen für die Miete zwar einen deutlich geringeren Anteil hinlegen. Im deutschlandweiten Vergleich ist das aber trotzdem deutlich mehr als in allen anderen Städten. Mit der Durchschnittsmiete von 18,50 Euro pro Quadratmeter liegt München fast fünf Euro vor Frankfurt am Main (13,70 Euro). Am Ende der Tabelle steht Chemnitz. Fünf Euro beträgt hier gemäß dieser Studie die Durchschnittsmiete – anteilig heißt das für Friseure 13 Prozent und für Volljuristen sechs Prozent für die Miete.

Nicht nur die eigentliche Miete reißt ein immer größeres Loch ins Familien-Budget, auch bei den Nebenkosten wird es ungemütlich. Die Abrechnung fällt diesmal bei vielen Münchner Haushalten höher aus als gewohnt – das liegt auch an Corona*. Im Lockdown waren viele mehr zu Hause, haben mehr Wasser und Strom verbraucht, mehr geheizt. Der Verbrauch war höher als kalkuliert, folglich fallen mehr Kosten an, Nachzahlungen drohen.

Nebenkosten der Stadt: Bei Abfall, Abwasser und Grundsteuer liegt München nur auf Platz 26

Da hilft es nicht mehr viel, dass München in einigen Kategorien der Nebenkosten nicht an der deutschen Spitze steht. Das zeigt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft. Die Untersuchung betrachtet die von der Stadt erhobenen Abgaben – also Abfall, Abwasser und Grundsteuer. Im Vergleich der 100 größten deutschen Städte landet München auf Platz 26. 1100 Euro legen Münchner Haushalte jährlich für die drei Abgaben hin, aufgeteilt in Abfall: (243 Euro, Rang 29), Abwasser (404 Euro, Rang 23) und Grundsteuer (453 Euro, Rang 49). Am wenigsten zahlen die Regensburger mit 915 Euro im Jahr. Am teuersten sind kommunale Nebenkosten mit 2046 Euro in Leverkusen. (pp) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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