„Seltsame Gestalten in der Anlage“

Drohungen, Drogen, Müll: Mieter in München leben in Angst - immer wieder muss Polizei anrücken

Anwohner der Gewofag-Siedlung in der Wieskirchstraße diskutieren.
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Erschreckende Entwicklung: Die Mieter der Gewofag-Anlage fühlen sich nicht mehr wohl.

Für einige Anwohner der Gewofag-Siedlung an der Wieskirchstraße in München wird das Leben von Angst bestimmt. Sie berichten von Drohungen, Drogenhandel und Lärm.

  • In der Gewofag-Siedlung in der Wieskirchstraße in München* geht unter einigen Mietern die Angst um.
  • Denn in den Gebäude soll es zu Drohungen unter an den Bewohnern kommen.
  • Die Polizei wird häufiger in die Einrichtung gerufen.

München - Drogen, Lärm, Dreck - die Gewofag-Siedlung an der Wieskirchstraße mit rund 700 Wohnungen droht abzustürzen. Diese Sorge äußerten am Freitag rund 20 Mietparteien der Siedlung gegenüber der tz. Hauptkritik der Bewohner bei der Versammlung auf der Straße: Die Siedlung verkomme - Taubenkot, Rauschgiftkonsum und -handel, Probleme zwischen den Nachbarn und Kriminalität seien an der Tagesordnung. Man sei auf dem besten Weg, das neue Scherbenviertel der Stadt zu werden, sagten viele Mieter am Freitag.

Marion Elisabeth Erhardt (52) war in der Anlage acht Jahre lang Hausmeisterin und hat das Handtuch geschmissen. Sie gesteht: „Ich liebe die Anlage eigentlich, ich lebe hier seit 27 Jahren und es tut mir im Herzen weh, sie verkommen zu sehen.“ Mieteraufstand in Giesing!

München: Gewofag macht sich nach Kritik selbst ein Bild von Siedlung an der Wieskirchstraße in Giesing

Gewofag-Sprecher Frank De Gasperi und die Gewofag-Mitarbeiter Kristina Ermert (zuständig für den Bereich Instandhaltung) sowie Gerhard Lankes (verantwortlich für die Hausmeister) machten sich vor Ort ein Bild von den Klagen: „Wir wollen mit den Mietern sprechen, um so in einem konstruktiven Gespräch mögliche Probleme festzumachen und - wenn möglich - auch zu lösen“, sagte Gewofag-Sprecher De Gasperi.

Aus Sicht der Gewofag sei die Lage aber nicht derart schlecht. Es gebe zwar Handlungsbedarf in Sachen Instandhaltung, Meldungen von sozialen Konflikten seien aber kaum bekannt. Die Polizeistatistik weist dagegen erhöhte Einsatzzahlen in den Bereich Drogen, Ruhestörung und Streitigkeiten auf, wie ein Sprecher bestätigt. Und das sagen die Mieter:

Häufige von den Bewohnern beklagt: Gammelige und undichte Kellerfenster.

München: Mieterin in Giesing berichtet von Bedrohungen und wüsten Beschimpfungen

Lutz Fernes, Beamter beim Deutschen Patentamt: „Bis in die Nacht gibt es hier Lärm und Musik, vor allem von einer Gaststätte ausgehend. Zudem verdreckt die Anlage, es gibt einen Sanierungsstau und im Keller und bei den Mülltonnen wird Sperrmüll abgestellt.“

Maria Eberwien, Angestellte im öffentlichen Dienst: „Ich wohne hier seit mehr als 30 Jahren, aber inzwischen habe ich große Angst. Ich werde von anderen Bewohnern bedroht und wüst beschimpft, ich habe schon diverse Male aufgezeichnet, wie wild gegen meine Wohnungstüre gehämmert wurde und Bedrohungen gegen mich gebrüllt wurden. Es geht dabei um Drogen.“

Drohungen, Drogen, Müll: Mieter in München leben in Angst - „Seltsame Gestalten in der Anlage“

Sandra Stadler, die mit ihrem Mann Markus und drei Kindern in dem Haus lebt: „Ich habe hier Angst, es laufen seltsame Gestalten in der Anlage herum. Zudem verkommt sie, die Keller sind bei Regen überschwemmt, die Fenster undicht, die Heizung unzuverlässig.“

Christoph Zoller, kaufmännischer Angestellter: „Lastwagen und Transporter werden oft tagelang abgestellt. Wir Anwohner finden dann keinen Parkplatz.“ (S. Sasse)

Auf einem anderen Gewofag-Gelände wurde ein Münchner aus heiterem Himmel übel zugerichtet. Bei einigen Mietern wird der Hausmeisterservice der Gewofag offen kritisiert.

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