Mehr als 12 Prozent

Erschreckende Zahlen aus München: Corona treibt einen Trend an

Wolken und ein kleines Stück blauer Himmel sind über den Türmen der Altstadt von München mit der Frauenkirche zu sehen, während im Vordergrund eine Trambahn über die Maximiliansbrücke in die Maximilianstraße fährt.
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In einer Metropole wie München leben? Für viele besonders seit der Corona-Pandemie nicht mehr so erstrebenswert wie früher.

Die Münchner haben die Kompromisse beim Wohnen satt. Vor allem seit der Corona-Pandemie. Das zeigt sich sehr deutlich in neuen Statistiken.

München - Raus aus der Stadt, rein ins Grüne. Die Pandemie schiebt die Stadtflucht weiter an: Immer mehr Menschen ziehen aus den Großstädten weg. Wie eine neue Studie zeigt, planen 12,5 Prozent der Münchner, die Landeshauptstadt in den nächsten 12 Monaten zu verlassen!

„Eine gewisse Verlagerung ist seit der Pandemie spürbar“, sagt Stephan Kippes, Marktforscher des Immobilienverbands IVD Süd. Die im IVD organisierten Makler registrieren in den vergangenen Monaten ein deutlich erhöhtes Interesse an Immobilien im Umland und an größeren Wohnungen, insbesondere mit Arbeitszimmer.

Das Münchner Ifo-Institut befragte in einer Kooperation mit dem Portal Immowelt bundesweit 18.000 Menschen nach ihren Wohnwünschen. Das Ergebnis: In Großstädten mit mehr als einer halben Million Einwohner sagten 13 Prozent der Befragten, dass sie diese im Laufe der nächsten 12 Monate gern verlassen würden. München liegt mit 12,5 Prozent noch unter dem Bundesschnitt. Spitzenreiter ist Hannover: Hier sind sogar 16,5 Prozent der Einwohner auf dem Sprung.

So bremst Corona den Zugug aus

Wie stark der Einfluss der Pandemie auf unsere Stadt ist: Das lässt sich auch an den Zahlen des Statistikamts ablesen. Der Demografiebericht zeigt nämlich: 2020 hatte München zum ersten Mal seit 20 Jahren leichte Wanderungsverluste zu verzeichnen. Das bedeutet: Es sind mehr Leute aus der Stadt weg- als hierhergezogen. Die Statistiker führen das vor allem auf die Beschränkungen zurück, die wegen Corona galten und unter anderem auch Jobwechsel erschwerten.

Die Zuwanderung in die Stadt sank um etwa ein Fünftel, die Abwanderung aber nur um etwa ein Zwanzigstel. Trotzdem ist die Stadt insgesamt auch im vergangenen Jahr leicht gewachsen: Das liegt daran, dass es mehr Geburten als Todesfälle gab. Zum Jahresende 2020 lag die offizielle Zahl der Münchner bei 1 593 488 – das sind 2517 mehr als Ende 2019.

München: Corona-Homeoffice verstärkt die Stadtflucht

Im Jahr 2020 zogen laut Statistischem Jahrbuch 93.921 Menschen aus München weg – 2011 waren es noch 84.206. Der gestiegene Homeoffice-Anteil durch die Pandemie verstärkt den Trend, die Großstadt zu verlassen. Experten erwarten, dass die Heimarbeit auch längerfristig ein Thema bleibt. So schätzt das Ifo-Institut, dass etwa 20 bis 25 Prozent der Beschäftigten in den kommenden Jahren mindestens einmal in der Woche zu Hause arbeiten. Wer nur ein paar Mal in der Woche ins Büro pendeln muss, nimmt eine längere Fahrt in Kauf – und kann sich dafür im Umland mehr Wohnraum leisten.

Laut aktuellster Zahlen des Planungsverbands Äußerer Wirtschaftsraum (PV) vom zweiten Quartal 2021 zahlt man in München aktuell 17,18 Euro pro Quadratmeter für die Mietwohnung. Deutlich günstiger ist es etwa im Landkreis Rosenheim: Hier kostet der Quadratmeter 10,40 Euro, im Landkreis Weilheim-Schongau ist die Miete mit 10,52 Euro pro Quadratmeter ebenfalls deutlich erschwinglicher als in München.

Viele Befragte gaben in der Ifo-Studie auch an, in Zukunft weniger Kompromisse bei den eigenen Wohnverhältnissen machen zu wollen, da sie aufgrund der Pandemie mehr Zeit zu Hause verbringen. Und: Vor allem Familien mit Kindern und jüngere Menschen in der Familiengründungsphase wollen raus aus der Großstadt. Ifo-Forscher Mathias Dolls: „Eine bessere Anbindung des suburbanen an den urbanen Raum und ein Ausbau der Bildungsinfrastruktur in den betroffenen Kommunen werden weiter an Bedeutung gewinnen.“

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