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Millionen-Diebstahl bei der Commerzbank: Wichtigste Zeugin ist verschollen - Verdacht um Geldwäsche

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Von: Andreas Thieme

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Zwei vermummte Männer gingen in den Tresorraum der Commerzbank - danach fehlten 4,6 Millionen Euro
Zwei vermummte Männer gingen in den Tresorraum der Commerzbank - danach fehlten 4,6 Millionen Euro © Archiv

Insgesamt 4,62 Millionen Euro wurden aus der Münchner Commerzbank gestohlen - doch von der Beute gibt es ebenso wenig eine Spur wie von den Tätern. Bisher konnten die Behörden den Fall nicht klären - jetzt gibt es einen Verdacht gegen die wichtigste Zeugin.

München - Insgesamt 4,62 Millionen Euro sind aus der Münchner Commerzbank verschwunden. Doch wird dieser Fall womöglich niemals aufgeklärt werden? Eine reiche Russin hatte das Geld Ende 2016 in der Filiale am Promenadeplatz eingezahlt. Anfang 2018 waren ihre Schließfächer plötzlich leer. Videoaufnahmen zeigen zwei vermummte Männer, die den Tresorraum mit Koffer verlassen. Eine Bankangestellte soll ihnen Zugang verschafft haben. Dem Trio wird jetzt der Prozessgemacht. Doch auch im zweiten Anlauf steht das Landgericht vor Rätseln: Statt Beweisen gibt es nur Fragezeichen.

München: Warum kann das Gericht den Millionen-Diebstahl nicht aufklären?

Wo ist das Geld? Wer hat es gestohlen? Und wie viele Mittäter gibt es? Das ist auch nach dreieinhalb Jahren Ermittlungsarbeit noch unklar. Antworten hätte die reiche Russin liefern können, die das Geld in München eingezahlt hatte. Doch sie ließ ihren Termin zur Zeugenaussage gestern verstreichen. Sowie auch Anfang Februar 2020 – damals platzte der Prozess deswegen. Und Richter Gilbert Wolf zürnte: „Wie soll das Gericht die Wahrheit finden, wenn die Geschädigte nicht erscheint?“

Silvia F. (57) gilt als Hauptverdächtige in dem Fall - sie ist seit fast 30 Jahren in der Commerzbank angestellt
Silvia F. (57) gilt als Hauptverdächtige in dem Fall - sie ist seit fast 30 Jahren in der Commerzbank angestellt © Archiv

Millionen-Diebstahl in München: Geldwäsche-Verdacht gegen die wichtigste Zeugin

Dasselbe Problem besteht jetzt erneut. Ein mögliches Motiv wurde gestern im Prozess bekannt: Es gibt einen Geldwäsche-Verdacht gegen die Russin. Bereits im Januar 2020 bestätigte die Staatsanwaltschaft München I, dass Vorermittlungen geführt werden, „die jedoch keinen Anfangsverdacht ergeben haben“, wie Oberstaatsanwältin Anne Leiding sagte. Inzwischen hat es nacht-Infos diverse Ermittlungsverfahren gegeben. Die Ermittlungen wurden Leiding zufolge aber „mangels hinreichenden Tatverdachts“ eingestellt.

Die Commerzbank-Filiale am Promenadeplatz: Hier geschah der Millionen-Diebstahl
Die Commerzbank-Filiale am Promenadeplatz: Hier geschah der Millionen-Diebstahl © Oliver Bodmer

Bekannt wurde im Prozess nun auch, dass offenbar mehrere Bankmitarbeiter Zugang zu den Schließfächern hatten – und nicht nur Silvia F., die als Hauptangeklagte in dem Fall gilt. Sie ist mit zwei mutmaßlichen Komplizen, darunter ihren Sohn, angeklagt. Vier weitere Männer, die laut Staatsanwaltschaft laut Mitglied einer Bande galten, wurde inzwischen von den Tatvorwürfen freigesprochen. Gegen das verdächtige Trio verhandelt das Münchner Landgericht hingegen noch bis Mitte 2022. Ihnen drohen hohe Haftstrafen.

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