Passage zwischen Stachus und Hauptbahnhof

Komplexes München-Projekt kostet hunderte Millionen Euro: Bittere Pille für Karstadt-Kunden

Passanten stehen auf einem Platz vor mehreren Gebäuden
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Umbaumaßnahmen an der Schützenstraße: So soll das Areal rund um den Hauptbahnhof später einmal aussehen.

Ein Lifting ist geplant für die Schützenstraße. Dafür sind mehrere Hundert Millionen Euro eingeplant. Auch die Bürger werden gefragt. Eine immense Veränderung steht der Karstadt-Filiale ins Haus.

München - Die Schützenstraße muss schöner werden, darin sind sich alle Münchner* einig. Zu dunkel, zu viel Müll, kein Ort zum Verweilen. Was der österreichische Milliardär René Benko mit seiner Beteiligungsgesellschaft Signa auf dem Gelände des Karstadt am Bahnhof vorhat, wird das Gesicht des Viertels ebenso verändern wie der neue Hauptbahnhof und der neue Königshof. Aber sind die Pläne für die Schützenstraße auch ein Volltreffer?

Seit Mittwoch dürfen die Bürger auch mitreden. An der Schützenstraße 12 hat der Dialog- und Infoladen für das Projekt „Entwicklung an der Schützenstraße“ eröffnet (Infos: www.entwicklung-schützenstrasse.de). Hier können sich Bürger über das Projekt informieren. Darüber hinaus, so Tobias Sauerbier, Geschäftsführer von SIGNA Real Estate Germany, „haben die Bürger die Möglichkeit, Rückmeldungen und Anregungen zum weiteren Verfahren und dem Projekt auf Grundlage des Aufstellungs- und Eckdatenbeschlusses, der am 23. Juni vom Stadtrat der Landeshauptstadt getroffen wurde, zu geben.“

München: Umgestaltung der Schützenstraße - Karstadt soll im Erdgeschoss bleiben

Klar ist, dass das denkmalgeschützte Gebäude direkt am Bahnhofplatz bestehen bleibt und im Erdgeschoss auch künftig einen kleinen Teil des Karstadt beherbergen soll. Die Sanierung soll noch in diesem Jahr starten. Einige Bereiche des Kaufhauses sind bereits geschlossen.

Der große Riegel aus den 70er-Jahren, der sich Richtung Stachus anschließt, wird abgerissen. Hier sollen moderne siebenstöckige Gebäude entstehen, hauptsächlich mit Bürofläche. Im Erdgeschoss sind Läden, Gastronomie und Ausstellungsflächen beziehungsweise Showrooms für Firmen geplant.

Umgestaltung der Schützenstraße: Drei Jahre Bauzeit sind veranschlagt

Der ganze Komplex soll künftig nach allen Richtungen offen sein und drei Innenhöfe bekommen. Die Schützen- und die Prielmayerstraße werden voraussichtlich durch drei Durchgänge verbunden und der Stachus mit dem Hauptbahnhof* durch eine Passage. Mehrere hundert Millionen Euro wird das Projekt kosten. Ende 2023 soll es losgehen, ungefähr drei Jahre sind für Abriss und Neubau geplant.

Dass das Gelände moderner und offener gestaltet wird, stößt bei Politikern und auch bei vielen Bürgern auf Gegenliebe. Um das große Kaufhaus dagegen trauern vor allem ältere Münchner. Von der bisherigen Karstadt-Fläche mit 56.000 Quadratmetern werden nur rund 18.000 Quadratmeter bleiben. Insgesamt werden zwei Drittel der Gesamtfläche die neuen Büros einnehmen, Wohnungen sind nicht vorgesehen. Wie viel die Bürger wirklich mitzureden haben, wird sich zeigen.

Karstadt: Aus für die Feinkostabteilung

Ein Gläschen Schampus und dazu eine Auster schlürfen: Das Untergeschoss des heutigen Karstadt am Bahnhof war einst ein Feinkost-Mekka. Im seinerzeit neu gestalteten Hertie am Hauptbahnhof ließ Edelgastronom Gerd Käfer Ende der Siebzigerjahre nach Pariser Vorbild seine „Käfer-Markthallen“ einrichten. Wer jetzt feine Lebensmittel sucht, steht vor verschlossenen Türen - die Karstadt-Lebensmittelabteilung „Perfetto“ ist geschlossen. Aber der Eigentümer versichert: Eine Feinkostabteilung wird es wieder geben. Noch sei nicht klar, wo und wann: nach der Sanierung im Altbau oder erst später im Neubau. (nba) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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