Die Mobilität in der Stadt ist im Wandel

Stadtrat beschließt neuen Mobilitäts- und Nahverkehrsplan - eine Sparte bleibt dabei jedoch auf der Strecke

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Die Mobilität in München ist im Wandel.

Die Mobilität in der Stadt ist im Wandel. Verkehrswende heißt mehr Raum für Radler, Fußgänger, öffentliche Verkehrsmittel – und weniger für Autos. Vom Stadtrat wurden nun Mobilitäts- und ein Nahverkehrsplan beschlossen.

  • Der Stadtrat hat einen neuen Mobilitäts- und Nahverkehrsplan für München beschlossen. 
  • Grünen-Fraktionschefin Katrin Habenschaden zweifelt jedoch an der Umsetzung. 
  • Auch die Handwerkskammer kritisiert den Plan. 

München - Das Ziel ist hoch gesteckt: Bis zum Jahr 2025 soll der Anteil abgasfreier Kraftfahrzeuge, des ÖPNV sowie des Fuß- und Radverkehrs am Verkehrsmix innerhalb des Stadtgebiets mindestens 80 Prozent betragen. Damit hat der Stadtrat einerseits das Kernanliegen des Bürgerbegehrens „Sauba sog i“ aufgegriffen. Zum anderen ist München auch aufgrund einer Entscheidung des Verwaltungsgerichts zur Einhaltung des Luftreinhalteplans aufgerufen.

In der Vollversammlung wurde am vergangenen Mittwoch im Rathaus darüber diskutiert, mit welchen Maßnahmen die Verkehrswende forciert werden kann. Und zwar unter dem Schlagwort: „Mobilitätsplan für München – Modellstadt 2030“. Mit dem Thema ist auch die sogenannte „Inzell-Initiative“ befasst. Eine Kooperation von Landeshauptstadt und BMW, in der Akteure aus Verwaltung, Industrie und Wissenschaft gemeinsam an der Umsetzung zukunftsfähiger Lösungen für nachhaltige Mobilität in München arbeiten. Strategische Handlungsfelder sind etwa Elektromobilität, umweltverträglicher Lieferverkehr, das Parkraummanagement, schnelle Radwegverbindungen, der Ausbau des ÖPNV und kooperative Maßnahmen über die Stadtgrenzen hinweg. Die Beteiligten der Inzell-Initiative haben sich zum Ziel gesetzt, die Mobilitäts- und Lebensqualität auch unter anhaltendem Wachstum zu steigern.

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Mobilitäts- und Nahverkehrsplan für München: Grünen-Fraktionschefin zweifelt an Umsetzung 

Doch wie soll das funktionieren? Grünen-Fraktionschefin und OB-Kandidatin Katrin Habenschaden hielt der Rathaus-Regierung aus SPD und CSU vor, in den vergangenen sechs Jahren zu wenig getan zu haben. Erst durch das Bürgerbehren für Radwege sei die GroKo zum Handeln gezwungen worden. Habenschaden bezweifelte, dass das Ziel, dass 80 Prozent der Verkehrswege bis zum Jahr 2025 emissionsfrei zurückgelegt werden könnten, zu erreichen sei. Die Grünen konnten durchsetzen, dass die Verwaltung bereits im kommenden Jahr mit einer Befragung der Münchner zu ihrem Mobilitätsverhalten beginnt. Die Verwaltung wollte damit erst 2023 starten. Noch dieses Jahr soll das Planungsreferat einen Stufenplan mit Zwischenzielen vorlegen, wie das Gesamtziel des Bürgerbegehrens „Sauba sog i“ erreicht werden kann.

Abgelehnt wurde ein Antrag der Grünen, wonach einige neue Projekte in den Nahverkehrsplan aufgenommen werden. Dabei handelte es sich um Tramtrassen durch die Innenstadt, die Verlängerung der U4 Ost in die Blumenau, die der U4 West in das Entwicklungsgebiet östlich der S8 sowie eine Tram-Erschließung dieses neuen Wohnquartiers. Zudem wollten die Grünen, dass die U1/U2 in Richtung Norden verlängert wird. Auch in Feldmoching ist ein großes neues Wohngebiet geplant.

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Handwerkskammer kritisiert Mobilitätsplan für München: Bedürfnisse von Handwerk und Gewerbe werden nicht berücksichtigt

Der verkehrspolitische Sprecher der SPD, Jens Röver, widersprach der Kritik der Grünen. So seien wichtige Projekte wie der Bau der U9 sowie der Tram-West- und Nordtangente auf den Weg gebracht worden. Zudem habe man neue Busspuren beschlossen. Sebastian Schall (CSU) machte deutlich, dass bei all den Mobilitätskonzepten auch der Lieferverkehr und die Handwerker nicht vergessen werden dürften. Man müsse weiterhin mit dem Auto vorankommen können. FDP-Stadtrat und OB-Kandidat Jörg Hoffmann hofft, dass im künftigen Stadtrat nicht mehr so viel „ideologische Verkehrspolitik“ betrieben werde.

Auch die Handwerkskammer äußerte sich nach der Stadtratssitzung. Präsident Franz-Xaver Peteranderl kritisierte, der Mobilitätsplan gehe so gut wie gar nicht auf die Bedürfnisse von Handwerk und Gewerbe ein. Vielmehr sei eine massive Einschränkung des Individualverkehrs innerhalb des Mittleren Rings zugunsten von Fuß- und Radwegen vorgesehen. „Für unsere Betriebe und deren Mitarbeiter ist die Erreichbarkeit der Stadt aber existenziell wichtig“, betonte Peteranderl.

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