Angst ums Zuhause

Wegen Modernisierungen: Münchnerin muss plötzlich aus ihrer Wohnung ausziehen - „Es ist ein Albtraum“

Rentnerin Elisabeth Michaelis muss ihre Wohnung verlassen.
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Rentnerin Elisabeth Michaelis muss ihre Wohnung verlassen.

Weil ihr Wohnhaus modernisiert wird, muss eine Rentnerin aus der Blumenau vorübergehend ausziehen. Sie hat Angst ihre Wohnung zu verlieren.

  • Die Baugenossenschaft München* saniert einige ihrer Häuser in der Blumenau.
  • Deswegen müssen die Bewohner der Gebäude vorübergehend ausziehen.
  • Für viele ältere Mieter eine Herausforderung.

München - Elisabeth Michaelis (81) hat Angst. Dort, wo sie wohnt, stehen enorme Arbeiten an. Die Baugenossenschaft München von 1871, der in der Blumenau eine Siedlung mit sieben Mietshäusern gehört, will ihre Gebäude um zwei Stockwerke erhöhen. Ein Haus soll durch einen höheren Neubau ersetzt werden. Insgesamt 96 neue Wohnungen sind geplant.

Rentnerin Elisabeth Michaelis macht sich Sorgen um ihre Wohnung

„Es ist ein Albtraum, wie soll das alles nur funktionieren?“, fragt Elisabeth Michaelis. Vor allem macht es ihr Angst, dass sie – wie alle Bewohner der Häuser – für fünf Wochen ihre Wohnung verlassen soll. Denn in allen Gebäuden, die aufgestockt werden, will die Genossenschaft die Leitungen erneuern. Die alten Wasserleitungen aus den 60er-Jahren seien „aufgrund ihres altersbedingten Zustands nicht geeignet“. Starten sollen die Bauarbeiten im kommenden März. „Die Genossenschaft darf vor lauter Vergrößerungsplänen nicht die vielen betagten Mieter vergessen“, mahnt Elisabeth Michaelis. Dass sie zeitweilig umquartiert werden soll, macht ihr enorme Sorgen. Ihre Wohnung ist voll von Erinnerungen, ihr Leben eng verknüpft mit der Genossenschaft: Schon ihr Vater und ihr Opa waren Mitglieder. „Mein Großvater trat 1871 bei, dem Jahr der Gründung“, sagt sie und zeigt stolz Fotos.

Seit 149 Jahren überzeugte Genossen: Die Familie von Elisabeth Michaelis.

Man führe mit den Mietern Gespräche, um die bestmögliche Lösung für jedes einzelne Mitglied zu finden, so Sandra Marko, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Genossenschaft. Volker Rastätter, Geschäftsführer des Mietervereins München, verweist auf die Rechte von Mietern

Diese Rechte haben Mieter in solch einem Fall

Ankündigung: Der Vermieter muss eine detaillierte Modernisierungsankündigung vorlegen. In Textform und spätestens drei Monate vor Baubeginn. Aus ihr muss hervorgehen, was er genau, wann, in welchem Umfang und wie lange umsetzen will.

Mieterhöhung: Der Vermieter muss mitteilen, ob und wie hoch die Miete steigen wird. Der Vermieter kann einen Teil von acht Prozent seiner Modernisierungskosten umlegen, sofern die Wohnung von der Maßnahme betroffen ist (das ist z.B. beim Ausbau des Speichers nicht der Fall). Zusätzlich gilt eine Kappungsgrenze von zwei bzw. drei Euro pro Quadratmeter (je nach Höhe der Ausgangsmiete). Um diesen Betrag darf die Miete nach der Modernisierung maximal erhöht werden. Bei einer 80-Quadratmeter-Wohnung sind also 240 Euro mehr an Miete im Monat erlaubt.

Instandsetzung: Sie muss der Vermieter selbst bezahlen. Eine Modernisierung ist dagegen eine Maßnahme des Vermieters, durch die Energie eingespart, der Wasserverbrauch reduziert, der Gebrauchswert der Wohnung nachhaltig erhöht (Anbau eines Balkons) oder die allgemeinen Wohnverhältnisse auf Dauer verbessert werden (Lift). Außerdem spricht man von Modernisierung, wenn neuer Wohnraum geschaffen wird.

Widerspruch: Gegen die Mieterhöhung und die einzelnen Maßnahmen kann der Mieter Widerspruch wegen wirtschaftlicher bzw. sozialer Härte einlegen. Dies ist sinnvoll, wenn dem Mieter aufgrund seiner finanziellen Verhältnisse oder aufgrund seiner gesundheitlichen Situation eine solche Modernisierungsmaßnahme nicht zuzumuten ist. Allerdings laufen hier sehr kurze Fristen: Der Mieter muss sich innerhalb eines Monats ab Erhalt des Ankündigungsschreibens an den Vermieter wenden.

Ersatzwohnung: Einen gesetzlichen Anspruch haben Mieter darauf nicht. Dennoch kann in einzelnen Fällen, insbesondere bei langer Unbewohnbarkeit der Mietswohnungen, eine Ersatzwohnung beansprucht werden. Stellt der Vermieter eine Ersatzwohnung, muss er dem Mieter auch den Umzug bezahlen, entschied der Bundesgerichtshof. *tz.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

In einem anderen Mietshaus in München gab es jetzt Streit zwischen zwei Bewohnern wegen der Maskenpflicht im Aufzug.

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