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Mord an Dominik Brunner: Schläger begeht weiteres Verbrechen - warum das Gericht ihn verschonte

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Von: Andreas Thieme

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Brunner-Schläger
Markus S. (30) wurde wegen Mordes an Dominik Brunner verurteilt. Jetzt musste er erneut vor Gericht - wegen Drogen. © Sigi Jantz

Gnaden-Urteil für den Brunner-Schläger: Markus S. (30) muss nicht erneut ins Gefängnis - obwohl er mehrmals Drogen konsumierte und gegen seine Auflagen nach der Haft verstieß. Wie das Gericht sein Urteil begründet.

München - Mit seinen kantigen Schultern wippt Markus S. (30) hin und her. „Im Gefängnis wird man kein besserer Mensch“, sagt er. Es sind seine letzten Worte nach dreieinhalb Stunden Verhandlung, dann fällt das Urteil gegen den Brunner-Schläger, der wegen Drogen-Konsums vor Gericht musste.

Ihm drohte erneute Haft, doch Richterin Susanne Hemmerich ließ Gnade walten. „Schuldig“, entschied sie und verurteilte S. zu einer Geldstrafe in Höhe von 5400 Euro. Ins Gefängnis muss S. nun aber doch nicht – eine echte Überraschung. Denn seit Mai 2019 hatte Markus S. mehrfach gegen seine Führungsauflagen verstoßen – bis dahin saß er wegen Mordes an Dominik Brunner in Haft, insgesamt neun Jahre und zehn Monate. Die Justiz entließ ihn Mitte 2019 nur unter strengen Auflagen: Noch bis 2024 muss S. eine elektronische Fußfessel tragen und eine Therapie machen, darf weder Alkohol noch Drogen nehmen. Doch er verstieß drei Mal dagegen – zuletzt im Sommer 2020, als ihm zweimal der Konsum von Kokain nachgewiesen wurde.

Richterin Susanne Hemmerich verurteilte Markus S.
Richterin Susanne Hemmerich verurteilte Markus S. © Foto: Thieme

„Das hätte eigentlich Haft bedeutet“, sagte Hemmerich. Doch sie lobte die positive Lebensentwicklung von Markus S., der einen festen Job und sein kriminelles Umfeld verlassen hat. „Es ist nicht einfach, wenn man so jung nach fast zehn Jahren aus dem Knast kommt“, sagte sein Verteidiger Maximilian Pauls – auch Gutachter hatten Markus S. eine gute Resozialisierung bescheinigt. Dennoch wurde er rückfällig.

München: Brunner-Schläger wurde mit Alkohol und Drogen erwischt

Rein rechtlich ist der Konsum gar nicht strafbar, stellte allerdings einen Verstoß gegen die Führungsauflagen dar und damit eben doch eine Straftat. Empfindlich war das vor allem, weil Markus S. unter offener Bewährung stand. Denn bereits sechs Wochen nach der Haftentlassung war er im Juni 2019 von der Polizei mit Alkohol erwischt worden. Das Amtsgericht verurteilte ihn im Dezember 2019 zu drei Monaten Haft, die der Richter aber zur Bewährung aussetzte - er gab S. „eine letzte Chance“.

Geschäftsmann Dominik Brunner (50) wurde 2009 am S-Bahnhof in Solln ermordet
Geschäftsmann Dominik Brunner (50) wurde 2009 am S-Bahnhof in Solln ermordet © Matthias Balk (dpa)

Prozess in München: Markus S. bekam erst Bewährung, dann Haft - und jetzt eine Geldstrafe

Die war heuer im Mai verwirkt: Wegen des Kokain-Konsums in 2020 sprach das Amtsgericht neun Monate Haft aus, die nun in der Berufungsverhandlung am Landgericht wieder kassiert wurden. „Sie sollen nicht das Gefühl kriegen, das alles sinnlos war, was Sie sich aufgebaut haben“, begründete Richterin Hemmerich – und ließ Gnade walten. Zur Erleichterung von Markus S. Er sagte: „Im Knast herrscht nur Gewalt. Draußen war ich erst überfordert. Aber ich habe gelernt aufzuarbeiten. Ich will jetzt einfach ein normales Leben führen.“

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