1. tz
  2. München
  3. Stadt

Zwölf Jahre nach Tod von Dominik Brunner: Muss Schläger wieder ins Gefängnis? „Ihre letzte Chance ...“

Erstellt:

Von: Andreas Thieme

Kommentare

Brunner-Schläger
Markus S. (30) wurde wegen Mordes an Dominik Brunner verurteilt. Jetzt droht ihm erneut Haft - wegen Drogen. © Sigi Jantz

Markus S. (30) wurde wegen Mordes an Dominik Brunner verurteilt, kam im Mai 2019 aber vorzeitig frei. Die Justiz hat ihm strenge Auflagen gemacht, gegen die er verstoßen hat. Im Dezember muss er erneut vor Gericht.

München - Wird dieser Prozess seine wirklich allerletzte Chance? Oder muss Markus S. (30) noch einmal ins Gefängnis? Wie unsere Redaktion erfuhr, steht Mitte Dezember am Landgericht München I die Berufungsverhandlung im Fall des Mannes an, der mit für den Tod von Dominik Brunner verantwortlich war. Markus S. hatte 2009 am Bahnhof Solln so übel auf den Geschäftsmann eingeprügelt, dass dieser im Anschluss starb.

Der Fall hatte 2009 für bundesweite Schlagzeilen gesorgt, als Dominik Brunner sich schützend vor eine Gruppe Schüler gestellt hatte. Markus S. und ein Kumpel hatten die Gruppe belästigt und legten sich dann auch mit Brunner an. Es kam zu Schlägen und Tritten, am Ende starb Brunner. Markus S. wurde später wegen Mordes verurteilt und musste für neun Jahre und zehn Monate ins Gefängnis.

Geschäftsmann Dominik Brunner (50) wurde 2009 am S-Bahnhof in Solln ermordet
Geschäftsmann Dominik Brunner (50) wurde 2009 am S-Bahnhof in Solln ermordet © Matthias Balk (dpa)

Bereits im Mai 2019 wurde der Brunner-Schläger aber vorzeitig entlassen. Allerdings unter strengen Auflagen: Die Justiz hatte ihm auferlegt, eine elektronische Fußfessel zu tragen. Zudem durfte S. keinen Alkohol trinken, da sonst „erhöhtes Gewaltpotenzial“ drohe.

München: Brunner-Schläger soll nach Haftentlassung zweimal Kokain konsumiert haben

Laut Staatsanwaltschaft hatte sich Markus S. aber nicht daran gehalten. Im Sommer 2020 soll er zweimal Kokain konsumiert haben. Anfang Mai wurde ihm heuer deshalb der Prozess gemacht* - mit knallhartem Ausgang. Richterin Isabell Pisall verurteilte den Brunner-Schläger zu neun Monaten Knast. „Ihre letzte Chance hatten Sie bereits gehabt“, begründete die Richterin. Denn bereits wenige Wochen nach seiner Haftentlassung soll S. im Sommer 2019 wieder Alkohol konsumiert haben und war im Dezember 2019 dafür bereits auf Bewährung verurteilt worden*.

Amtsrichterin Isabell Pisall verurteilte Brunner-Schläger Markus S. wegen doppeltem Verstoß gegen seine Führungsauflagen zu neun Monaten Haft - ohne Bewährung
Amtsrichterin Isabell Pisall verurteilte Brunner-Schläger Markus S. wegen doppeltem Verstoß gegen seine Führungsauflagen zu neun Monaten Haft - ohne Bewährung © SIGI JANTZ

München: Gutachter glaubten, Markus S. kriege sein Leben in den Griff - ein Irrtum?

Trotzdem kamen Gutachter zu dem Ergebnis, dass Markus S. sein Leben „scheinbar wieder in den Griff bekommt.“ Nach Informationen unserer Redaktion hat er einen festen Job und eine Freundin. Die neuerliche Haft wäre für ihn sehr bitter. Kein Wunder also, dass S. in Berufung ging - so wie auch die Staatsanwaltschaft, die sogar eine noch höhere Strafe für den doppelten Verstoß gegen seine Auflagen der Führungsaufsicht fordert.

Das Mordurteil in München: Markus S. wird im September 2010 von einem Justizbeamten zur Anklagebank des Landgerichts geführt
Das Mordurteil in München: Markus S. wird im September 2010 von einem Justizbeamten zur Anklagebank des Landgerichts geführt © Tobias Hase (dpa)

Bis zu drei Jahre Haft oder Geldstrafe sind möglich (Paragraf 145a des Strafgesetzbuches). Aber: „Eine zwingende Haft kennt das Gesetz hier nicht“, sagt Gerichtssprecherin Barbara Stockinger. Zweck der Haftstrafe von Markus S. war auch „die Verhinderung weiterer Straftaten“. In diesem Punkt hat der Brunner-Schläger schlechte Karten: Ihm lastet die Justiz allein drei Straftaten seit seiner Entlassung 2019 an. (thi) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Auch interessant

Kommentare