Opfer häuslicher Gewalt

München: Nach Mord an zweifacher Mutter (34) stellen Unbekannte Mahnmal auf - und Anwohner beschweren sich

Die geschnitzte Holzstatue einer Frau steht auf einem Rasenstück gegenüber der Mohrhof-Siedlung in München-Perlach.
+
Unübersehbar: Die Holzfigur blickt auf die Mohrhof-Siedlung (links), wo im November 2020 eine junge Frau erstochen worden ist. Wer die Skulptur aufgestellt hat, ist unbekannt.

Eine Statue, die an einen bis heute ungeklärten Mordfall erinnert, sorgt in München für Diskussionen - Bürger fühlen sich gestört.

  • 2020 ist in München*-Perlach eine zweifache Mutter ermordet worden.
  • Nun steht gegenüber dem Tatort eine Statue an der Straße - es ist nicht bekannt, wer sie aufstellte.
  • Anwohner beklagen sich - dabei sind solcherlei Mahnmale geduldet, und keinesfalls selten.

München - Die geschnitzte Frau aus Holz ist annähernd lebensgroß und farbig angemalt. Ihren Blick richtet sie auf die gegenüberliegende Mohrhof-Siedlung. Dort ist im vergangenen November eine 34 Jahre alte Frau brutal ermordet worden. Die zweifache Mutter war zunächst von Verwandten als vermisst gemeldet worden. Erst bei der zweiten Überprüfung der Wohnung brachte ein grausiger Fund Gewissheit. Die Leiche der Frau lag versteckt im Bettkasten eines Kinderbetts und war tagelang unbemerkt geblieben. Die Münchnerin war durch drei Stiche in den Oberkörper tödlich verletzt worden. Als dringend tatverdächtig gilt der Ehemann, der seitdem auf der Flucht ist.

Wer die Skulptur angefertigt und auf dem Grünstreifen an der Kreuzung Ottobrunner/ Unterhachinger Straße aufgestellt hat, scheint in München niemand zu wissen. Dabei ist sie nicht zu übersehen. Beim örtlichen Bezirksausschuss hat sich nun ein Paar gemeldet, das sich durch die Figur gestört fühlt.

Mahnmal an Mord in München: Bezirksausschuss lässt Beschwerden nicht gelten

Verkehrsteilnehmer würden abgelenkt, kritisieren die Bürger. „Wir fahren diese Strecke täglich und sehen immer wieder, wie Autofahrer rechts abbiegen, diese Skulptur anstarren und nicht auf Fußgänger oder Radfahrer achten.“ Zudem sammle sich rundherum Müll. Damit könnten die ausgebrannten Grablichter und verblühte Blumen gemeint sein, die immer wieder vor der Frauenfigur abgelegt werden.

Der Aufforderung, die Skulptur abbauen zu lassen, will der BA allerdings nicht folgen – „aus Pietätsgründen“, wie BA-Chef Thomas Kauer (CSU) deutlich machte. Zudem sieht man keine Verkehrsgefährdung. Den Bürgern will man mitteilen, dass es sich hier um eine Gedenkstätte für ein Opfer häuslicher Gewalt handle, die offensichtlich durch Privatinitiative entstanden sei.

München: „Ghostbikes“ und andere Denkmäler erinnern an Tote

Auch beim Kreisverwaltungsreferat ist nichts über die Schöpfer der Perlacher Figur bekannt. Das Aufstellen von Holzkreuzen oder Mahnmalen am Straßenrand im Gedenken an tödlich verunglückte Verkehrsteilnehmer oder Opfer von Gewaltverbrechen werde geduldet und sondernutzungsrechtlich nicht erfasst, erklärte eine Sprecherin auf Anfrage unserer Zeitung. Im Regelfall handle es sich dabei nur um temporäre Nutzungen. „Wichtig ist natürlich, dass diese weder die Verkehrssicherheit noch die Barrierefreiheit beeinträchtigen und standsicher aufgestellt sind.“

Da es keine Genehmigungsverfahren für solche Gedenkorte gibt, ist für die Behörde nicht abschätzbar, wie viele im Stadtgebiet existieren. Aufmerksame Beobachter können aber vielerorts solche Denkmäler entdecken. Zum Beispiel an der Ecke Wasserburger Landstraße/Jagdhornstraße, wo im September 2017 bei einem Raser-Unfall drei Menschen im brennenden Auto starben. Oder auf dem grünen Mittelstreifen vor dem Perlacher Einkaufszentrum, wo 2012 zwei Schüler im Alter von 14 und 15 Jahren von einem Auto erfasst wurden. Der Jüngere erlag später seinen schweren Verletzungen.

Auch die „Ghostbikes“ gehören zu solchen Mahnmalen. Die weiß lackierten Geisterfahrräder erinnern an getötete Fahrradfahrer und sollen gleichzeitig auf die Gefahren an den betreffenden Kreuzungen aufmerksam machen. In München stehen mittlerweile rund 20 Ghostbikes an Straßenecken.

Text: Carmen Ick-Dietl

*tz.de gehört zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare