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Mord in feinsten Kreisen: Münchner (38) erstach Freundin im Villenviertel - jetzt wird der Fall neu aufgerollt

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Von: Andreas Thieme

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Roland L. (2. von links) muss erneut vor Gericht. Er hatte seine Freundin getötet
Roland L. (2. von links) muss erneut vor Gericht. Er hatte seine Freundin getötet © SIGI JANTZ

Roland L. (38) hatte seine Freundin Evi erstochen - und wurde in München wegen Mordes verurteilt. Doch der Bundesgerichtshof hat das Urteil kassiert. Jetzt muss am Landgericht München I neu verhandelt werden - wegen Totschlags.

München - Es war ein tödliches Drama im schicken Nymphenburg: Im Oktober 2020 hatte Roland L. (38) seine Frau Evi erstochen. Das Landgericht München I verurteilte den IT-Berater wegen Mordes zu lebenslanger Haft. Doch jetzt muss der Kriminalfall neu aufgerollt werden - denn der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat das Münchner Urteil als teilweise fehlerhaft bewertet und daher einkassiert.

Der Hintergrund: Eifersucht sahen die Münchner Richter beim Urteil im vergangenen Jahr als zentrales Mordmotiv bei Roland L. Er war erst seit 2018 mit Evi verheiratet, doch die Ehe kriselte offensichtlich - auch, weil sie spielsüchtig gewesen sein soll. Roland L. vermutete, dass seine Frau fremdgeht und erstach sie im Streit. Ein tödlicher Irrtum, wie sich später herausstellte.

Mord in München: IT-Berater ersticht Frau in Nymphenburg - Fall wird neu aufgerollt

Denn Evi L. hatte lediglich Nachrichten mit anderen Online-Spielern ausgetauscht. Zu einem Treffen war es tatsächlich nie gekommen. Dennoch vermutete Roland L., dass er von seiner Frau betrogen wird. Am Abend der Tat soll es darüber zum Streit gekommen sein. Laut Urteil erstach der IT-Berater seine Frau dann hinterrücks, als sie auf dem Sofa saß. Vor dem Landgericht bereute Roland L. den Vorfall und weinte bitterliche Tränen.

Die Tat wertete der Bundesgerichtshof nun als Totschlag, der wohl aus dem Affekt heraus geschehen war - und nicht als Mord. Deshalb muss der Fall jetzt neu verhandelt werden. Zuständig ist wieder das Landgericht München I, dieses Mal aber eine Strafkammer. „Es geht jetzt um die neue Strafzumessung“, sagt Verteidiger Michael Adams, der den wegen Mordes verurteilten Roland L. vertritt und erfolgreich Revision beantragt hatte. Die übrigen Feststellungen aus dem ersten Prozess sind Adams zufolge „bereits rechtskräftig“. Im Wiederholungsprozess droht Roland L. jetzt eine Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren - und maximal lebenslang, falls das Gericht den Fall als besonders schwer einstuft.

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