Verlobte bangt vor Ermittlungserfolg

Mitten in München erstochen: Isarmord bleibt ungeklärt - trotz über 1000 Hinweisen und Speicheltests

Blumen an der Ehrhardtstraße: Hier wurde Domenico L. (†31) am 28. Mai 2013 erstochen.
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Blumen an der Ehrhardtstraße: Hier wurde Domenico L. (†31) am 28. Mai 2013 erstochen.

2013 wurde Domenico L. mitten in München erstochen. Acht Jahre nach dem Mord an der Isar tappt die Polizei immer noch im Dunkeln.

München - Am 28. Mai 2013 wurde Ingenieur Domenico L. (31) an der Erhardtstraße von einem unbekannten Mann erstochen. Doch auch acht Jahre nach der Tat gibt es keine Spuren, die zur Ergreifung des Täters führen konnten. Insgesamt 1014 Hinweise gingen bei der Polizei München* ein, die den Fall nie aufgegeben hat.

Wer am Donnerstag im Regen an der Erhardtstraße spazierte, der sah noch nicht mal mehr die Bilder, die 2013 dort abgelegt worden waren. Domenico L. lachend im roten Pullover. Oder mit Windjacke beim Wandern. Acht Jahre ist es inzwischen her, dass Domenico L. an der Isar ermordet worden ist. Mitten in München*. Doch sein Täter konnte bisher nicht gefunden werden. Blumen und Fotos von Trauernden lagen jahrelang am Tatort. Auch sie sind mittlerweile verschwunden. 

München: Mann verteidigte Verlobte gegen Spuckangriff - dann wird er erstochen

Es war eine flüchtige Begegnung gewesen an jenem 28. Mai 2013 - mit tödlichem Ausgang. Ein noch immer Unbekannter hatte Domenico L. (†31) an der Isar erstochen, als der seine Verlobte verteidigen wollte. Der Mann hatte sie angespuckt, Domenico wollte die Situation klären. Doch plötzlich rammte der Unbekannte ihm ein Messer ins Herz. Der junge Italiener starb im Krankenhaus.

„Eine tägliche Qual“: Familie von Isarmord-Opfer trauert - Täter läuft frei herum

Bisher sind 1014 Hinweise bei der Münchner Polizei eingegangen. Aber: „Es gibt aktuell keinen konkreten Verdächtigen“, sagt Peter Werthmann vom Münchner Polizeipräsidium. Bitter für die Familie des Opfers. Sie trauert seit acht Jahren um ihren Domenico, während der Täter noch immer frei herumläuft. „Es ist eine tägliche Qual“, sagte Paolo, Domenicos zwei Jahre älterer Bruder damals. Seine Familie stammt aus der süditalienischen Stadt Potenza. Die Qual - sie wird „für uns ein Leben lang dauern“.

Denn bis heute ist die Tat nicht zu erklären. Am 28. Mai 2013 hatte Domenico sich abends mit seiner Verlobten am Gärtnerplatz getroffen. Am nächsten Tag wollten die beiden nach Italien reisen und ihren Familien erzählen, dass sie heiraten. Ein Moment des Glücks, der wie aus dem Nichts zerstört wurde. Denn noch auf dem Heimweg abends in München geschah das Drama. Ingenieur Domenico radelte mit seiner Verlobten an der Erhardtstraße die Isar entlang. Sie wohnten nicht weit entfernt am Wiener Platz in Haidhausen. Gegenüber dem Europäischen Patentamt trafen sie auf den Mörder: Zeugen zufolge war es ein Mann in einem Mantel, der mit dem Messer auf Domenico einstach. Doch konkretere Ansätze zur Ergreifung des Täters haben sich nie ergeben. In den ersten fünf Jahren nach dem Mord hat die Polizei zwar insgesamt 16.000 Menschen überprüft und 5700 Speichelproben genommen - aber keinen Verdächtigen gefunden.

München: Polizei klärt schlimme Taten fast immer auf - „weiterhin gehen neue Hinweise ein“

Eine bittere Geschichte, denn gerade Kapitaldelikte werden in der Landeshauptstadt fast alle vollständig aufgeklärt. „Weiterhin gehen regelmäßig neue Hinweise ein, die überprüft werden“, sagt Sprecher Peter Werthmann. Außerdem ermittle die Mordkommission eigeninitiativ. „Domenico wird nicht zurückkehren. Wenn sie den Täter finden sollten, käme auch der Schmerz zurück in mein Herz“, sagte seine Verlobte der SZ. „Die Ermittlungen haben nie geruht“, verspricht Werthmann. Die einst 30-köpfige Sonderkommission wurde aber bereits vor drei Jahren aufgelöst. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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