Nach 25 Jahren: Mord an Verkäuferin geklärt

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Kornelia S. wurde in ihrer Wohnung von einem Einbrecher erschlagen

München - 25 Jahre nach dem Mord an der Münchner Verkäuferin Kornelia S: hat die Polizei den Fall aufgeklärt. Ein Einbrecher hatte die Frau damals in ihrer Wohnung erschlagen. Die spektakulären Ermittlungen:

Es ist ihm gelungen, die schrecklichen Ereignisse jener Sommernacht im Jahr 1985 immer wieder zu verdrängen. Vergessen jedoch konnte Peter D. (Name geändert) sie nie. Und so ahnte er, dass ihn die Vergangenheit eines Tages einholen würde.

Am frühen Montagmorgen – seinem 49. Geburtstag – war es soweit: Im nordrhein-westfälischen Overath nahm die Münchner Mordkommission den Kraftfahrer fest. Peter D. ist der mutmaßliche Mörder der Verkäuferin Kornelia S. (26), die vor 25 Jahren in ihrem kleinen Apartment in der Münchner Studentenstadt erschlagen wurde. Ein Handballen-Abdruck an Kornelias Bett überführte nun den Mörder, der auf der Fahrt zur Vernehmung nach München ein Geständnis ablegte.

Was damals passiert ist:

Rückblende: Die junge Frau lebte allein und zurückgezogen in einem Erdgeschoss-Apartment im Studenten-Wohnheim in der Christoph-Probst-Str. 21. Sie war eine begeisterte Bergsteigerin, bezwang in Peru sogar einen 6000er und war damit wie geschaffen für ihren Verkäuferinnen-Job in der Bergsportabteilung bei Sport Scheck.

Am Abend des 5. Juli schaute Kornelia mit einem Jurastudenten eine Tennis-Übertragung an. Am nächsten Morgen entdeckte dieser Student Blutspuren vor Kornelias Apartment. Über ihren Balkon und die geöffnete Tür stieg er in ihre Wohnung und machte eine grauenhafte Entdeckung. Blutüberströmt und nackt lag Kornelia kurz vor der Wohnungstür im Flur – tot.

Die Ermittlungen:

Die ersten Ermittlungen verliefen im Sande. Die Kripo war sich nicht sicher, ob es sich um einen Mord handelte. Auch ein Sturz im Bad stand im Raum. Der unklare Fall landete im Archiv des Polizeipräsidiums. 13 Jahre später wurde die Akte Kornelia überprüft. Es gab neue Hinweise auf einen angeblichen Tatverdächtigen. Ein neues Gutachten der Rechtsmedizin wurde erstellt. Und das kam nach Abgleich aller Spuren – Fotos der Wohnung und der Obduktion, Besichtigung der noch vorhandenen Original-Dusch-Armaturen und einer sogenanten Blutspuren-Verteilungsmuster-Analyse – zu einem eindeutigen Ergebnis: Es war Mord!

Bei einem Sturz im Bad konnte sich Kornelia S. diese tödlichen Kopfverletzungen nicht zugezogen haben. Zu den 1985 gesicherten Spuren gehörte auch ein Handflächenabdruck, der niemandem aus Kornelias Bekanntenkreis zugeordnet werden konnte. Wieder vergingen Jahre, bis der alte Handballen-Abdruck neue Relevanz bekam. Er wurde ins Automatisierte Fingerspurenidentifizierungssystems (kurz AFIS genannt) eingelesen. Und das meldete nun einen Volltreffer. Der alte Handballenabdruck passte genau zur Hand von Peter D., der 1985 noch in München lebte und als Spüler und Abräumer beim Aumeister im Englischen Garten jobbte.

Die kriminelle Vergangenheit des Täters:

Schon damals war der Mann der Polizei als Dieb aufgefallen. Auch wegen Raubes und anderer Eigentumsdelikte verbrachte er mehrere Jahre im Gefängnis. In den vergangenen Jahren jedoch hatte er sich nach Darstellung der Münchner Staatsanwältin Nicole Selzam geläutert, trat nicht mehr polizeilich in Erscheinung.

Peter D. zog nach Nordrhein-Westfalen, heiratete und wollte eine Familie gründen. Die Ehe aber scheiterte. Zuletzt arbeitete Peter D. als Kraftfahrer, wohnte in Overath. Dort warteten am Montagmorgen Münchner Beamte vor seinem Haus. Markus Kraus, Chef der Münchner Mordkommission: „Als er das Haus verließ, haben wir ihn festgenommen. Er blieb ganz ruhig und wirkte später regelrecht erleichtert.“

Die Erinnerungen des Täters:

Nach seiner Schilderung war er in der Nacht zum 6. Juli 1985 in Einbruchabsicht über den Balkon in das Apartment eingestiegen. Kornelia hatte bei geöffneter Balkontür geschlafen. Sie wurde wach, wollte vermutlich fliehen. „Da habe ich eine Flasche gepackt und ihr damit mehrmals auf den Kopf geschlagen“, schilderte Peter D. Er sitzt nun wegen Mordes in U-Haft.

Kornelias Geschwister haben bereits erfahren, dass der Mörder gefasst ist. Ihr Vater und die Stiefmutter haben diese Genugtuung nicht mehr erleben dürfen. Beide sind mittlerweile verstorben.

Dorita Plange

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