Nur ein Wohnzimmerteppich als Spur

Leichen verschwunden: Gericht in München verurteilt Mann zu 14,5 Jahren Haft - er hatte Ehefrau und Tochter getötet

Bis heute nicht gefunden: Mutter und Tochter Gertsuski. Tatjana war beim Verschwinden erst 16 Jahre alt.
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Bis heute nicht gefunden: Mutter und Tochter Gertsuski. Tatjana war beim Verschwinden erst 16 Jahre alt.

Die Mutter und ihre Tochter wurden bis heute nicht gefunden. Der Verdächtige soll nach der Bluttat in den Baumarkt gefahren sein. Nun ist ein Urteil gefallen.

  • Die Suche nach einer Mutter und ihrer 16-jährigen Tochter hielt München* 2019 in Atem.
  • Auch wenn ihre Leichen nie gefunden wurden, steht der Ehemann wegen Mordes vor Gericht.
  • Jetzt wurde der Mann verurteilt.

Update vom 23. Februar, 17 Uhr: Auf Fotos strahlen Maria und Tatiana G. – doch von der 41- jährigen Frau und ihrer Tochter (16) fehlt schon lange jede Spur. Nun ist klar: Sie sind tot. Gestorben durch die Hand von Roman H. (46), der seine Ehefrau und die Stieftochter getötet hat. Das Landgericht verurteilte den Lagerist gestern zu 14 Jahren und sechs Monaten Haft. Allerdings nur wegen Totschlag, nicht, wie angeklagt, wegen Mordes.

München: Gericht ist überzeugt, dass Roman H. die Frauen umgebracht hat

„Die Kammer ist davon überzeugt, dass der Angeklagte die beiden Frauen am 13. Juli 2019 umgebracht hat“, sagte Richter Norbert Riedmann. Nach der Beweisaufnahme gebe es keine Hoffnung, dass die Frauen noch leben. Zudem wurden „keinerlei Anhaltspunkte gefunden, dass hier ein anderer der Täter sein könnte“, sagte der Richter weiter. Sein Urteil ist gesprochen – aber das Todesrätsel um die beiden Münchnerinnen bleibt ungelöst. Denn: Ihre Leichen haben Polizei und Staatsanwaltschaft trotz groß angelegter Suchaktionen nie gefunden.

Zuletzt gesehen wurden Maria und Tatiana G. im Einkaufszentrum PEP in Neuperlach. Im Streit soll Roman H. seine Ehefrau in ihrer Wohnung in der Ottobrunner Straße getötet haben – durch stumpfe Gewalt gegen ihren Kopf. Nach Überzeugung des Gerichts brachte Roman H. danach seine Stieftochter Tatiana G. um, als sie von der Schule heimkam. Richter Riedmann: „Der wahrscheinlichste Ablauf ist so, wie ihn die Staatsanwaltschaft geschildert hat: Sie musste sterben, weil sie eine unliebsame Zeugin war.“ Roman H. hatte die beiden Taten bestritten, verstrickte sich im Prozess aber in Widersprüche. Seine Spuren fanden Ermittler an einem blutverschmierten Teppich, den er im Wald entsorgt hatte.

Bluttat in München: Im Anschluss strich der Ehemann gleich die Wohnung

Verdächtig auch: Die Tatwohnung hatte Roman H. frisch gestrichen. Die Staatsanwaltschaft forderte lebenslange Haft für den Lageristen. Zwar sagte der Richter über den Angeklagten: „Es drängt sich der Verdacht auf, dass seine Aussage nach dem Studium der Akten an die Ermittlungsergebnisse angepasst wurde.“ Beweise für einen Mord gab es letztlich aber nicht – jetzt sitzt Roman H. wegen Totschlag ein. Sein Urteil, das noch nicht rechtskräftig ist, nahm er regungslos auf. Die Suche nach den Frauen wurde eingestellt. „Wir hoffen, dass der Verurteilte doch noch mitteilt, wo die Leichen sind“, sagt Oberstaatsanwältin Anne Leiding. „Das wäre gut für ihn – und vor allem auch für die Angehörigen der Frauen.“

Update vom 23. Februar, 13.32 Uhr: Im Prozess um einen Doppelmord ohne Leichen in München hat das Landgericht München I den Angeklagten am Dienstag zu 14 Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Das Gericht wertete die Tötung der Ehefrau von Roman H. und von dessen Stieftochter als Totschlag. Obwohl die Leichen der beiden Frauen nie gefunden wurden, sei die Kammer überzeugt, dass der 46-Jährige beide getötet habe, sagte der Vorsitzende Richter.

München: Doppelmord ohne Leichen - Angeklagter verurteilt

Das Gericht urteilte auf Grundlage von Indizien. Die Leichen der seit Sommer 2019 vermissten damals 41-jährigen Frau und deren 16-jähriger Tochter aus erster Ehe konnten nicht gefunden werden. Die Staatsanwaltschaft hatte anders als das Gericht eine Verurteilung wegen Mordes für die Tat an der Stieftochter gefordert sowie eine Verurteilung wegen Totschlags für die Tat an der Ehefrau. Die Anklage plädierte auf eine lebenslange Haft sowie die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld, die Verteidigung hingegen auf Freispruch.

Der Angeklagte hatte Frau und Stieftochter selbst als vermisst gemeldet, sie sollen nach seiner Darstellung nicht vom Einkaufen zurückgekehrt sein. Wegen Ungereimtheiten in seiner Darstellung geriet der Mann selbst ins Visier der Ermittler. Die Polizei entdeckte in der Wohnung und an anderen Beweisstücken Blutspuren der beiden Vermissten.

Erstmeldung vom 17. Februar 2021

München - In dem Aufsehen erregenden Münchner Mordprozess um zwei spurlos verschwundene Frauen fordert die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft für den Angeklagten. Außerdem solle die besondere Schwere der Schuld festgestellt werden. Dem 46-Jährigen wird vorgeworfen, seine Ehefrau Maria Gertsuski im Juli 2019 im Streit getötet* und danach auch seine Stieftochter Tatjana umgebracht zu haben. „Sie war nur 16 Jahre alt“, sagte Staatsanwalt Daniel Meindl am Mittwoch am Landgericht München I. „Sie hatte ihr ganzes Leben noch vor sich.“

Der Angeklagte soll seine Frau und ihre Tochter ermordet haben.

Der Deutsch-Russe ist wegen Totschlags und Mordes angeklagt, auch wenn seine mutmaßlichen Opfer trotz intensiver Suche – vor allem in einem Waldgebiet im Münchner Osten – nie gefunden wurden. „Nur der Angeklagte weiß, warum die Beiden sterben mussten und wo sich ihre Leichen befinden“, so Meindl.

Landgericht München

Mordprozess ohne Leiche in München: Der Angeklagte soll nach der Tat Wohnung gemalert haben

Der Angeklagte hat vor Gericht bestritten, mit dem Verschwinden seiner Frau und seiner Stieftochter* etwas zu tun zu haben. Die Staatsanwaltschaft geht aber davon aus, dass der Mann die beiden Frauen nacheinander „am ehesten durch massive, stumpfe Gewalt gegen den Kopf“ getötet hat. Danach fuhr er laut Anklage in einen Baumarkt, kaufte Farbe und strich Wände. Außerdem entfernte er einen Wohnzimmerteppich und eine Fußmatte aus dem Flur.

Video: Mutter und Tochter spurlos verschwunden

Diese fand die Polizei später – mit dem Blut der beiden mutmaßlichen Opfer verschmiert – in einem Waldstück. Es sind die Haupt-Indizien in dem Mordprozess ohne Leiche. Zum Schluss richtete der Staatsanwalt das Wort noch einmal direkt an den Angeklagten und bat ihn, nach Abschluss des Verfahrens mitzuteilen, wo sich die Leichen befinden. „Das ist das einzig Positive, was Sie in diesem Fall noch tun können –für die Hinterbliebenen und auch für sich selbst. (dpa/frs) *tz.de gehört zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

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