Mordprozess gegen drei Freunde

Ließen sie ihren Spezl sterben?

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Ümit A. (37), Jean F. (22, von links) und Bogdan J. (33, unten) sind wegen Mordes angeklagt. Am 18. April 2013 feierten sie ein Drogen-Gelage, bei dem Sanjay A. an einer Überdosis starb.

Sie suchten den Rausch – aber einer von ihnen fand dabei den Tod! Nachdem drei Münchner während eines Gelages K.o.-Tropfen in einer Flasche herumstehen ließen, starb ihr Spezl Sanjay A. (28). Jetzt läuft der Prozess.

Sie suchten den Rausch – aber einer von ihnen fand dabei den Tod! Nachdem drei Münchner während eines Gelages K.o.-Tropfen in einer Flasche herumstehen ließen, starb ihr Spezl Sanjay A. (28). Er hatte unbedacht daraus getrunken!

Doch obwohl sie um die Wirkung der Droge wussten und mutmaßlich auch dann nicht den Notarzt riefen, als Sanjay A. schon nicht mehr atmete, wird ihnen jetzt der Prozess vor der Jugendkammer des Landgerichts gemacht. Der Tatvorwurf: gemeinschaftlicher Mord!

Die Geschehnisse des 18. April 2013 lassen sich auch für den erfahrenen Richter Reinhold Baier nicht einfach rekonstruieren. Denn schon mittags dröhnen sich die drei Angeklagten Jean F. (22), Ümit A. (37) und Bogdan J. (33) nahe der Reichenbachbrücke an der Isar zu. Mit Freunden trinken sie viel Alkohol und konsumieren Speed. Später gehen sie zum Apartment von Ümit A. auf der Theresienhöhe. Dort wird weiter gekifft und gekokst.

Es überrascht daher, wie genau sich Jean F., der als erster aussagt, im Prozess an den Todestag zu erinnern meint. Vom Bad aus will er beim Bieseln gesehen haben, wie Sanjay A. aus einer durchsichtigen 0,5-Liter-Flasche einen großen Schluck trank. Die Gruppe weiß aus Erfahrung: Das kann tödlich enden! Denn darin befand sich das Lösungsmittel Gammabutyrolactin (GDL), besser bekannt als K.o.-Tropfen. Verdünnt wirken sie euphorisierend – damit kannten sich die Angeklagten seit Jahren aus. „Wir selbst nahmen nur wenige Milliliter“, sagt Jean F.. Schon eine geringe Überdosierung kann einen erwachsenen Mann aber ins Koma versetzen, zu Herz-Kreisverlauf-Versagen oder Atemstillstand führen.

Genau das passiert bei Sanjay A.! „Wir wollten ihn noch zwingen, sich zu erbrechen“, sagt Jean F. Zu spät! A. bricht zusammen und läuft blau an. Die Gruppe gerät in Panik. Doch statt den Notarzt zu alarmieren, googeln sie laut Anklage im Internet nach einer Lösung! Unfassbar: Weil sie fürchten, dass ihr Drogenlager auffliegt, legen die Täter – so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft – ihren Spezl in einen Einkaufswagen, den sie an der Straße abstellen. Vom Münztelefon wählen sie dann den Notruf. Doch A. stirbt noch in der Nacht im Klinikum.

Vorerst sind acht weitere Verhandlungstermine geplant. Dem Trio droht lebenslange Haft!

Andreas Thieme

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