Mordprozess ohne Leichen

Mordprozess in München: Blutige Geheimnisse? Beschuldigter bestreitet alle Vorwürfe - „Meine Frau lebt noch“

Roman H. (46) lieferte wirre Aussagen zum Verschwinden seiner Ehefrau und Stieftochter, die er laut Anklage am 13. Juli 2019 ermordet hat
+
Roman H. (46) lieferte wirre Aussagen zum Verschwinden seiner Ehefrau und Stieftochter, die er laut Anklage am 13. Juli 2019 ermordet hat.

Was hat Roman H. mit dem Verschwinden von Ehefrau und Stieftochter zu tun? Nun begann der Prozess um die beiden Frauen aus Ramersdorf. Am Landgericht erzählt er seine Version.

  • Die gerichtliche Aufarbeitung des Vermisstenfalles aus München-Ramersdorf hat begonnen.
  • Hat Lagerist Roman H. seine Ehefrau und die Stieftochter ermordet? Vor Gericht bestreitet er die Vorwürfe.
  • Stattdessen liefert er eine Version, die noch mehr Fragen aufwirft, als Antworten liefert.

München - Roman H. (46) wischt sich mit den Händen über die Augen, doch traurig wirkt er nicht – eher genervt. Von den Fragen des Gerichts. Von 456 Tagen in U-Haft. Und von der Anklage wegen Mordes. „Ich habe meine Ehefrau und meine Stieftochter nicht getötet“, sagte der Deutsch-Russe am Montag vor Gericht. Seit dem 13. Juli 2019 sind Maria (41) und Tatiana G. (16) vermisst – nach einem Einkauf in Neuperlach wurden die beiden Frauen nie wieder gesehen.

Mordprozess in München: Tatverdächtiger mit wirren Aussagen vor Gericht

Die Staatsanwaltschaft glaubt an Mord – denn in der Wohnung der Familie gab es viele Blutspuren. Laut Anklage soll Roman H. vormittags im Streit erst seine Ehefrau umgebracht haben und mittags dann auch die Stieftochter, die von einem Sprachkurs nach Hause in die Ottobrunner Straße kam und dort noch Spuren der Tat entdeckt hatte. Doch wie genau das Verbrechen abgelaufen sein soll: Das ist noch unklar. „Am ehesten durch stumpfe Gewalt gegen den Kopf“, sagte Staatsanwalt Daniel Meindl am Landgericht, wo Roman H. sich wegen Totschlags in Tateinheit mit Mord verantworten muss.

Der 46-Jährige streitet die Tat aber ab. Und gab stattdessen wirre Aussagen zu Protokoll. So sei es am 13. Juli 2019 zu einem heftigen Streit zwischen seiner Ehefrau und der Stieftochter gekommen. „Sie haben gerauft, ich musste sie auseinander bringen.“ Beide hätten stark geblutet – und seien dann trotzdem einkaufen gegangen. „Meine Frau sagte, sie müsse sich mit Tatiana unterhalten.“ Doch danach habe er beide nicht mehr gesehen.

Vermisste Frauen aus Ramersdorf: Roman H. glaubt, dass „zumindest“ Ehefrau noch am Leben ist

Richter Norbert Riedmann zweifelte diese Aussage jedoch an und sagte zu Roman H.: „Im Polizeiverhör hatten Sie diesen Streit nie erwähnt.“ Stattdessen habe er dort angegeben, er hätte mittags geschlafen. Jetzt die Geschichte mit dem Blut – eine Lüge, um sich zu schützen? Dafür spricht, dass der Lagerist nach dem mutmaßlichen Mord einen blutverschmierten Teppich im Wald entsorgt und die Wände gestrichen hatte. Auch blutige Kleidung hatte er gewaschen. Im Sommer 2019 sorgte der Fall stadtweit für Aufruhr.

„Einer musste es ja tun. Ich war sauer, dass die Frauen nicht wiedergekommen sind“, sagte H. Doch wo sind sie jetzt? „Das weiß ich nicht. Aber ich glaube, dass zumindest meine Ehefrau noch lebt.“ Die Gründe für diese Annahme wollte er nicht öffentlich nennen, weil sonst angeblich „eine Bedrohung für die beiden Frauen“ entstehen könne. Der ganze Fall bleibt ein Mysterium – am 28. Oktober wird weiter verhandelt.

Mitte Oktober wollten zwei Freunde mit ihren Freunden in einem hessischen Wald zelten, nun fehlt von Nico und Henri jede Spur. Die Polizei sucht mit Hochdruck nach den jungen Männern. *tz.de ist ein Angebot des Ippen Digital Netzwerks

Auch interessant

Kommentare